Agilität ist Wettbewerbsvorteil für Unternehmen

20. April 2017 · Länder, Märkte, Personal, Unternehmen ·  

Agilität steht für Erfolg: Die agilsten Unternehmen einer Branche sind im 10-Jahres-Vergleich 2,7 Mal erfolgreicher als ihr Wettbewerb. Das zeigen das Beratungsunternehmen goetz-partners und die NEOMA Business School im ersten europäischen Agile Performer Index. Die Studie mit Führungskräften aus europäischen Unternehmen befasst sich als erste Unter-suchung intensiv damit, wie Agilität und Leistungsfähigkeit von Unternehmen zusammen-hängen, wie verbreitet agile Vorgehensweisen sind und welche Maßnahmen Unternehmen in der dynamischen Wirtschaft von heute voranbringen. Die Ergebnisse unterstreichen, dass für wenig agile Unternehmen akuter Handlungsbedarf besteht: Nur 5 Prozent der untersuchten Unternehmen schaffen es, trotz geringer Agilität finanziell erfolgreicher als ihre Wettbewerber zu sein.

„In der turbulenten Wirtschaft von heute lautet die Frage für Unternehmen nicht mehr, ob sie agil werden sollen – sondern wie“, so Sebastian Olbert, Partner bei goetzpartners. „Der Agile Performer Index hat den Zusammenhang zwischen Agilität und finanzieller Performance eindrucksvoll nachgewiesen. Allerdings trägt Agilität erst dann wirklich zum wirtschaftlichen Erfolg bei, wenn sie alle Gestaltungsdimensionen einer Organisation erfasst: vom klar kommunizierten Unternehmensziel über flache Strukturen und vereinfachte Prozesse der Produktentwicklung bis hin zu offener, wechselseitiger Kommunikation und entwicklungs-förderndem Führungsverhalten.“

Digital = agil?
Im Branchenvergleich führen die Reise- und Transportindustrie sowie der Bereich Professional Services das Ranking an: Beide weisen einen Agilitäts-Score von 73 Prozent auf. Das Schlusslicht bilden die Energiebranche mit einem Agilitäts-Score von 66 Prozent, der Öffentliche Sektor (65 Prozent) sowie mit deutlichem Abstand der Finanzdienstleistungssektor (62 Prozent). Auch die Branche Telekommunikation, Medien und Technologie (68 Prozent), die seit Jahren von Veränderungen durch die Digitalisierung betroffen ist, findet sich nur im unteren Mittelfeld wieder. Der digitale Reifegrad einer Branche ist also wider Erwarten nicht zwingend der Motor für die hohe Agilität eines Unternehmens.

Deutliche Unterschiede zeigen sich zudem zwischen den Ebenen im Unternehmen: Top-Manager schätzen ihr Unternehmen wesentlich agiler ein als das mittlere Management. Die Differenz für die unterschiedlichen Aspekte von Agilität liegt zwischen 6 und 15 Prozent-punkten. Agiles Denken in der CxO-Ebene ist demnach nicht immer gleichzusetzen mit agilem Handeln an der Unternehmensbasis. Vielmehr setzen Entscheidungen auf der oberen Führungsebene zwar den Impuls dafür, das Unternehmen auf agile Maximen auszurichten – aber erst ein aktiv gesteuerter Transformationsprozess, der alle Dimensionen des Unter-nehmens berücksichtigt, sorgt dafür, dass die Agilisierung das gesamte Unternehmen durchdringt.

Agilität im Unternehmen verankern
„Agilität ist weit mehr als schnelle ad-hoc-Reaktionen“, erläutert Prof. Dr. Christopher G. Worley von der NEOMA Business School. „Vielmehr bedeutet Agilität eine ganz neue Fähigkeit für ein Unternehmen – die repetitive Fähigkeit, sich zeitnah, effektiv und nachhaltig zu verändern, um Performance-Vorteile zu erzielen.“

Wie agil ein Unternehmen ist, bestimmten die Studien-Autoren anhand von vier so genannten Agilitäts-Routinen. Hoch agile Unternehmen weisen hohe Werte in allen vier Bereichen auf:
Strategizing – beschreibt u.a. Unternehmenssinn, -strategie, -identität und Nachhaltigkeit
Perceiving – umfasst u.a. Innen- und Außenvernetzung, Informationsfluss und Zukunfts-orientierung
Testing – schließt z.B. Innovationskraft, Lernfähigkeit und zielgerichteten Ressourceneinsatz ein
Implementing – umfasst Change-Management, Führung, Mitarbeiterentwicklung und Anreizsetzung

„Die vier Routinen bilden ein Agilitäts-Paradigma, das im Idealfall das gesamte Unternehmen umfasst“, so Sebastian Olbert. „Die Studie weist nach, dass Unternehmen desto erfolgreicher sind, je stärker sie Agilität und die entsprechenden Routinen in der Organisation über alle Gestaltungsdimensionen hinweg verankert haben.“ Auf Basis von über 60 Transformations-programmen hat goetzpartners nicht nur Maßnahmenpakete entwickelt, sondern auch einen Ansatz, welcher die Stärken und Schwächen eines jeden Unternehmens auf seinem agilen Transformationspfad aufzeigt. So kann für jedes Unternehmen der individuelle Startpunkt entwickelt werden.

Europa vor den USA
Der Agile Performer Index zieht außerdem den Vergleich zu einer analogen Studie unter 80 Unternehmen in den USA, ebenfalls unter Leitung von Prof. Dr. Worley. Das Ergebnis: Während in den USA 38 Prozent der befragten Unternehmen drei oder vier Agilitäts-Routinen im Einsatz haben, sind es in Europa 46 Prozent. Unternehmen in Europa können sich demnach in punkto Agilität durchaus mit dem Wettbewerb in den USA vergleichen.

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