Indonesien: Freihandelszonen auf drei Inseln
Ein deutscher Manager würde niemals sein Business mit einer Ehe vergleichen. Unser Grundsatz ist es, Berufliches nicht mit Privatem zu mischen. Persönliche Gefühle haben bei Geschäften nichts zu suchen. Wer es mit Geschäftspartnern aus Asien zu tun hat, muss eine völlig neue Sichtweise lernen, wenn er Erfolg haben will. Zum Beispiel Indonesien: „Im Gegensatz zum internationalen Geschäftsgebaren hat für den Indonesier der Vertrag weniger bindenden Charakter, und die Geschäftsbeziehung wird in seinen Augen wie eine ‚Ehe‘ betrachtet“, so die Schweizerische Botschaft in Jakarta. In der indonesischen Geschäftswelt steht am Anfang eines erfolgreichen Geschäftsabschlusses immer der persönliche Kontakt im Vordergrund. Von ausländischen Geschäftsleuten wird erwartet, dass sie auf eine ganz bestimmte Art und Weise mit Inländern umgehen. Dabei spielt die äußere Erscheinung, die Form, oft eine größere Rolle als die Mitteilung, der Inhalt, den man vermitteln möchte. Die Wahrung der Harmonie und Konfliktvermeidung steht an oberster Stelle. In der Praxis bringt ein bescheidenes Um-Rat-Suchen bei der richtigen Person bessere Ergebnisse als Zahlen und Fakten, die ein Geschäft untermauern könnten. Interkulturelles Verständnis und Wissen zahlt sich vielfach aus. Mit 224 Millionen Einwohnern ist Indonesien nach China, Indien und USA das viertgrößte Land der Erde. Es gehört zu den aufstrebenden N11-Schwellenländern. Das Bruttoinlandsprodukt wächst nach der überstandenen Asienkrise seit dem Jahr 2000 kräftig. Seit 2003 betrug die Wachstumsrate jährlich mehr als fünf Prozent. Für das Jahr 2007 schwanken die Prognosen zum Realwachstum des Bruttoinlandsproduktes zwischen 5,7 und 6,3 Prozent. Nach Einschätzung der Bundesagentur für Außenwirtschaft (BfAi) wird das Wachstum 2007 höher ausfallen als im Vorjahr. Und für 2008 sehen die Vorzeichen noch besser aus. Für 2,795 Milliarden Euro exportierten indonesische Firmen im Jahr 2006 Produkte nach Deutschland. Das Volumen stieg damit um 15,8%. Die wichtigsten Exportgüter sind Textilien und Bekleidung (20,2%), Elektronische Erzeugnisse (14,9%), Rohstoffe (10%), Nahrungsund Genussmittel (6,5%), Elektrotechnik (5,9%) und Maschinen (1,5%). Der Außenhandel wird 2007 weiter zulegen. Gerechnet wird mit einer etwa zehnprozentigen Steigerung sowohl für die Importe als auch für die Exporte. Letztere konnten unter Einbeziehung von Öl und Gas vorläufigen Angaben zufolge die 100-Milliarden-Dollar- Marke überschreiten. Die indonesischen Bekleidungsexporte könnten in diesem Jahr erstmals die 10-Milliarden-Dollar-Grenze übertreffen. Der Textilverband API rechnet mit Ausfuhr-erlösen in der Höhe von etwa 10,4 Milliarden Dollar. Das wäre ein Plus um rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die ausländischen Direktinvestitionen in Indonesien sind stark gestiegen. In den ersten acht Monaten des Jahres 2007 legten sie um 107 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Das Volumen erreichte 8,13 Milliarden US-Dollar. Nachdem im Juni das lang erwartete Investitionsgesetz in Jakarta verabschiedet wurde, nimmt die Regierung nun auch die Umsetzung der geplanten Sonderwirtschaftszonen mit Singapur in Angriff. Nach dem Vorbild von China und Indien werden Zonen ausgewiesen, die auf den Inseln Batam, Bintan und Karimun liegen. Die Freihandelszonen und Freihandelshäfen sollen für 70 Jahre über Agenturen verwaltet werden. Die Regierung Indonesiens sieht die Sonderwirtschaftszonen als Pilotprojekt für den späteren Aufbau von zwölf weiteren Zonen, die an verschiedenen Standorten des Landes aufgebaut werden sollen, und bei denen auch andere Staaten beteiligt werden könnten.
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