Von Karlsbad bis Kiew
Die Beschaffungsmärkte Osteuropas bieten kein einheitliches Bild. Es sind zehn Länder mit unterschiedlichen Risiken und Chancen. Die Russische Förderation spielt aufgrund ihrer politischen Bedeutung eine Sonderrolle. Das Land ist mit seiner Größe der wichtigste Markt für deutsche Unternehmen. Die russische Wirtschaft wächst mit ungebremstem Tempo. Neuen Prognosen zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt 2007 um 7,6 Prozent zulegen. 8,1 Prozent aller Exporte Russlands werden nach Deutschland geliefert. 2006 wurden für mehr als 30 Milliarden Euro Güter aus Russland nach Deutschland eingeführt. Die wichtigsten deutschen Einfuhrgüter sind Erdöl, NE-Metalle (Kupfer, Nickel, Alu), Eisen und Stahl, Rohstoffe, Chemikalien, Nahrungsmittel, Maschinen sowie Papier und Pappe. Russland liegt auf Platz 9 der deutschen Importstatistik.
Inflation in Russland ungebremst
Die Inflationsrate ist 2007 in Russland auf 11,9 Prozent gestiegen. Es sieht alles danach aus, als ob die Preise auch 2008 im zweistelligen Bereich ansteigen werden. Die sechs EU-Mitgliedsländer Tschechien, Polen, Ungarn, Slowakei, Rumänien und Bulgarien sind die Gruppe der osteuropäischen Staaten, die für den Einkauf verlockende Perspektiven bieten. Ihre Zugehörigkeit zur Europäischen Union spiegelt zugleich berechenbare politische und soziale Verhältnisse wider. In den kommenden Ausgaben werden wir die Beschaffungsmärkte dieser Länder sowie Russlands im einzelnen detailliert vorstellen. – Ukraine, Belarus (Weissrussland) und Moldova (Moldawien) sind die drei osteuropäischen Länder mit den schwierigsten Verhältnissen in mehrfacher Hinsicht. Nach Russland ist die Ukraine das flächenmäßig größte Land Europas. Die Hauptstadt Kiew hat 2,6 Millionen Einwohner. Durch die sogenannte „Orangene Revolution“ im Jahr 2004 ist die Ukraine ein freieres Land geworden. Dennoch weist die Menschenrechtssituation in verschiedenen Bereichen Defizite auf.
Korruption in der Ukraine
Dabei geht es nicht nur um die Lage in Haftanstalten, in Polizeigewahrsam, in psychiatrischen Anstalten und Kinderheimen. Nach der Bewertung des deutschen Auswärtigen Amtes sind Korruption und Vorteilsnahme in Justiz und Verwaltung der Ukraine wie auch bei den Strafverfolgungsorganen weiterhin ein großes Problem. Politisch ist das Land durch anhaltende Machtkämpfe zwischen den Kräften, die sich nach Westen orientieren und denjenigen, die eine Anlehnung an Russland anstreben, gekennzeichnet. Die wichtigsten ukrainischen Exportwaren sind traditionell Metallurgieprodukte, chemische Waren, Maschinen, Geräte, Nahrungsmittel und Textilien. Deutschland ist weiterhin zweitwichtigster Handelspartner der Ukraine nach Russland. Waren im Wert von 1,295 Milliarden Euro wurden 2006 aus der Ukraine nach Deutschland eingeführt. Die Beschaffung aus dem Land gewinnt trotz der politisch instabilen Lage an Bedeutung. Bei den ausländischen Direktinvestitionen in der Ukraine steht Deutschland an erster Stelle. Derzeit sind in der Ukraine etwa 1.200 Unternehmen mit deutscher Beteiligung ansässig,
davon 620 als Joint Ventures, 250 Repräsentanzen und 330 Tochterunternehmen. Die Eindämmung des Preisauftriebs ist für die ukrainische Regierungs- Chefin Julija Tymoschenko die größte Herausforderung auf wirtschaftlichem Gebiet. Inflationsraten von bis zu 16 Prozent in diesem Jahr und 17 Prozent 2009 sind möglich. In einer Analyse der Bundesagentur für Außenwirtschaft aus dem Dezember 2007 heißt es: „Es ist davon auszugehen, dass die innenpolitische Entwicklung der Ukraine noch kein neues stabiles Gleichgewicht gefunden hat. Politische Überraschungen bleiben weiter wahrscheinlich. Schlimmstenfalls bleibt der Ukraine Instabilität als einzige politische Konstante erhalten.“ Die autoritäre Präsidialrepublik Belarus mit ihrer Hauptstadt Minsk (1,7 Millionen Einwohner) ist keine Demokratie. Die Wahlen, mit denen Alexander Lukaschenko mit 82,9 Prozent im März 2006 zum Präsidenten gewählt wurde, entsprachen nicht den Kriterien der OSZE-Staaten. Noch immer weichen die Wertvorstellungen erheblich von denen Westeuropas ab. Das Auswärtige Amt macht darauf aufmerksam, dass ausländische Staatsangehörige in Belarus, insbesondere EU-Bürger, der besonderen Aufmerksamkeit staatlicher Organe unterliegen. Von nächtlichen Autofahrten über Land wird wegen schlechter Straßenverhältnisse grundsätzlich abgeraten. Bei den Außenhandels-beziehungen spielt Russland für Belarus klar die dominierende Rolle. Doch immerhin wurden im Jahr 2006 Güter im Wert von 451,1 Millionen Euro nach Deutschland ausgeführt (+23 Prozent). Im ersten Halbjahr 2007 waren es dann allerdings nur 206,1 Millionen (–8 Prozent). Vor allem Textilien, Holz und Holzerzeugnisse, medizinische Ausrüstungen sowie Chemieprodukte, Traktoren und optische Erzeugnisse exportiert das Land nach Deutschland. Die Republik Moldau (Moldova) hat sich nach der Unabhängigkeit von der früheren Sowjetunion zwar der Marktwirtschaft zugewandt, doch weiterhin werden staatswirtschaftliche Aktionen durchgeführt. Bei den letzten Parlamentswahlen im Jahre 2005 blieb die Kommunistische Partei die stärkste Fraktion. Die politische Lage wird durch den abtrünnigen Landesteil Transnistrian beeinflusst. Dieser steht nicht unter Kontrolle der Regierung. Eine erneute bewaffnete Austragung des Konfliktes wie im Sommer 1992 schließt das Auswärtige Amt nicht aus. Entsprechend instabil ist die gesamte Sicherheitslage einzuschätzen. Der Außenhandel mit Deutschland weist Einfuhren aus Moldova im Wert von 110,1 Millionen Euro (2006) aus. Eingekauft werden vorrangig Textilien und Bekleidung, Rohstoffe sowie Nahrungsmittel.
Link-Tipps
http://tinyurl.com/25sv2p
Einteilung aller Länder der Erde in Regionen durch die Vereinten Nationen. Diese Zuordnung ist die Basis statistischer Analysen und Erhebungen, die von der UN herausgegeben werden.
www.osteuropa-netzwerk.net
Die Linksammlung des Osteurpa-Netzwerkes ist ein Wegweiser zu Themen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.
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