Deutsche USA-Geschäfte leiden


Der deutsche Außenhandel mit den USA hat bereits im Jahr vor dem Amtsantritt des neu gewählten Präsidenten Donald Trump kräftig gelitten. Das geht aus dem Export- und Importseismograf Deutschland (ESD/ISD) hervor. Die Exporte in die USA gingen 2016 wertmäßig um 6 Prozent auf 106,9 Mrd. EUR zurück. Die Importe sanken um 4 Prozent auf 57,8 Mrd. EUR. Bezogen auf das Gewicht lagen die Rückgänge sogar bei 5 Prozent (Ausfuhr) bzw. 8 Prozent (Einfuhr).

Einer der zentralen Gründe für den Exportrückgang in Richtung USA: Die deutsche Auto-mobilbranche schwächelte und musste Einbrüche von 11 Prozent beim Gewicht und 13 Prozent beim Wert hinnehmen. „Hier hat der Dieselskandal eindeutig tiefe Spuren hinter-lassen“, sagt Prof. Dr. Christian Kille vom Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und Mitinitiator des ISD/ESD.

Investitionszurückhaltung vor den US-Wahlen
„Weitere Branchen mit Einbrüchen sind der Maschinenbau und ‚Sonstige Fahrzeuge‘, die darauf schließen lassen, dass in 2016 Investitionen in den USA zurückgefahren wurden. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Unternehmen zunächst den Ausgang der Wahlen abwarten wollten“, analysiert Kille. Wechselkursschwankungen spielten hingegen keine zentrale Rolle. Der durchschnittliche Wechselkurs lag 2016 bei 1,107 USD/EUR und damit einen 1 Cent unter dem Wert von 2015 (1,117 USD/EUR).

Der Einbruch auf der Importseite ist durch landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel geprägt. Auch die Mengen bei den Kokerei- und Chemieerzeugnissen gingen deutlich zurück. Dieser Einbruch hat nicht ausschließlich mit den USA zu tun, sollte aber der deutschen Wirtschaft zu denken geben. „Wenn die Chemie aufgrund der Position in der Supply Chain als Frühindikator genutzt wird, sind für 2017 in anderen Branchen auch Einbrüche zu erwarten“, warnt Kille.

Öffnung nach Asien als Alternative
Trotz der Rückgänge bei Im- und Export bleibt der Außenhandelsüberschuss Deutschlands mit den USA fast unverändert. Bezogen auf den Wert führte Deutschland 85 Prozent mehr Waren in die USA aus, als von dort bezogen wurden (2015: 88 Prozent). Vor diesem Hintergrund sind die Sorgen vor protektionistischen Maßnahmen der Trump-Regierung berechtigt. Dr. Ulrich Lison, Außenwirtschaftsexperte und Mitglied der Geschäftsführung beim Logistik- und Global-Trade-Management-Softwareanbieter AEB, warnt vor einer Spirale handelspolitischer Maßnahmen: „Zunehmende Nationalstaatlichkeit führt im Laufe der Zeit zu Wohlfahrtverlusten für alle Nationen.“ Bereits der von Trump initiierte Ausstieg aus dem pazifischen Freihandelsabkommen TPP sei ein Fehler gewesen, der vielleicht schon im Herbst auf die Stimmung an den Börsen durchschlagen könnte. Der EU rät der AEB-Außen-handelsexperte, sich in Richtung Asien zu öffnen und Freihandelsabkommen mit China und Japan voranzutreiben.

China sorgt für Belebung
Bereits im Jahr 2016 sorgte China für Belebung im insgesamt stabilen, aber wenig dynamischen deutschen Außenhandel. „Logistisch gesehen war 2016 in Summe ein Jahr des Stillstands. Es wurden wie im Vorjahr 398 Mio. Tonnen exportiert“, kommentiert Kille. In diesem Umfeld exportierten die deutschen Unternehmen gemessen am Gewicht 11 Prozent mehr Güter nach China. Die Ausfuhren aus Deutschland in andere EU-Länder blieben nahezu konstant. Ein interessantes Phänomen: Exporte in kleinere Wirtschaftsnationen, die im ESD/ISD als „Rest der Welt“ zusammengefasst sind, legten wertmäßig 2016 um fast 10 Prozent zu. Damit reduziert die deutsche Wirtschaft ihre Abhängigkeit von einigen wenigen großen Wirtschaftsmächten.

Ein Blick auf die drei großen deutschen Schlüsselbranchen in der Industrie: Trotz Diesel-skandal konnte die Automobilindustrie ihre Exportstärke behaupten, auch wenn es zu nennenswertem Wachstum nicht mehr reichte. Auch Maschinenbau und Chemie/Pharma blieben stabil, zeigten beim Export aber kaum Dynamik. Eine Stagnation in diesen beiden Investitionsgüterbranchen wird von manchen Konjunkturforschern als Frühwarnindikator für eine verhaltenere konjunkturelle Entwicklung in den nächsten Jahren angesehen.

Grafik 1: Deutsche Importe mit leichtem Wachstum: Auf der Importseite war bei der Tonnage ein leichter Zuwachs zu verzeichnen, der durch die deutlich wachsenden Mengen aus Russland geprägt ist. Die Mengen des größten Importlandes außerhalb der EU haben um über 9 Prozent zugenommen. Wertmäßig gingen die
Exporte aus Russland leicht zurück – als Folge der sinkenden Rohstoffpreise. Wichtigster Importpartner bleibt China, das seine Rolle gegenüber den USA weiter ausbaute; Quelle: AEB GmbH

Grafik 2: Importmengen: Brasilien, Indien und die USA verlieren kräftig; Quelle: AEB GmbH

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