Digitalisierung fordert alle Bereiche des Einkaufs

14. November 2017 · Beschaffungsprozess, Kongresse, Unternehmen ·  

Die globalen Beschaffungsmärkte geraten immer mehr in den Bann der Politik und erfordern vom Einkauf, seine Strategien permanent anzupassen. Die sich abzeichnende Rohstoff-Rally zwingt das Procurement, Preise und Verfügbarkeiten bestmöglich abzusichern. Und: Die digitale Transformation des Einkaufs wird die smarte Vernetzung innerhalb und außerhalb der Unternehmen forcieren. Diese zentralen Botschaften gingen vom 52. BME-Symposium Einkauf und Logistik aus, das in diesem Jahr unter dem Motto „Mehrwert: Globale Netzwerke“ stand.

„Die wachsende Zahl geopolitischer Risiken verlangt von den Unternehmen ein anderes Krisenmanagement. Es geht dabei vor allem um einen Kulturwandel. Krisen müssen bereits im Tagesgeschäft berücksichtigt werden“, sagte Jan Henning Mehlfeldt, Executive Vice President, Purchasing & Supplier Quality der Webasto Group zu Beginn des Abschluss-plenums am Freitag. Dazu seien agile Organisationen erforderlich, die für Flexibilität bei der Zuordnung von Verantwortlichkeiten, flache Strukturen und schnelle Entscheidungswege sorgten. Stabile Prozesse könnten zudem helfen, aus erfolgreich gemanagten Krisen zu lernen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion gingen namhafte Politiker und Wirtschaftsvertreter auf die Folgen der schwierigen Beziehungen der EU mit den USA und Russland näher ein: „Populismus hat die Fähigkeit, Angst zu schüren. Das gilt insbesondere für bestimmte Teile des Mittelstandes, die sich vor der Globalisierung fürchten“, sagte Elmar Brok, Mitglied des Europäischen Parlaments. Hier sei die Politik gefordert, die es bisher nicht geschafft habe, diese Ängste zu bekämpfen.

Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, äußerte sich zu den aktuellen Beziehungen zwischen der EU und Russland. Er sei fest davon überzeugt, dass sich Russland weiter öffnen werde. „Russland braucht den Westen, insbesondere dessen technologisches Know-how. Während der staatliche Sektor nur wenig Transparenz aufweise, sei die Wirtschaftspolitik des Kremls relativ offen. Deshalb seien protektionistische Tendenzen in Russland auch nicht so stark ausgeprägt wie in den USA oder China.

Nach Ansicht von Dr. Thomas Hueck, Chefvolkswirt der Robert Bosch GmbH, „hat der Westen die EU-Osterweiterung überstürzt vorgenommen“. Dieser könne von osteuropäischen Staaten nicht erwarten, bereits in 20 Jahren einen Reformprozess erfolgreich durchlaufen zu haben, für den die alten EU-Staaten 60 Jahre und mehr benötigt hätten.

Daniel Andrich, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Washington, erinnerte daran, dass die USA stark auf ihren Binnenmarkt fokussiert seien. Handelspolitische Themen seien für die neue US-Administration deshalb zweitrangig. Trumps Mission sei es in diesem Zusammen-hang, das Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten zu reduzieren.

Auf die gravierenden Auswirkungen der digitalen Transformation für ihr Unternehmen ging Gabriele Sons, Vorstandsmitglied und Chief Human Resources Officer der thyssenkrupp Elevator AG, näher ein. Industrie 4.0 erfordere auch Unternehmenskultur 4.0. Umbrüche wie die Digitalisierung der Wirtschaft verursachten Ängste bei Mitarbeitern und Vorgesetzten. Führungskräfte, die es schafften, diese Befürchtungen in positive Energie umzuwandeln, würden künftig in der digitalen Transformation die Nase vorn haben. Industrie 4.0 bedeute aber auch, sich auf Neuland zu begeben. Sons: „Dann muss man aber auch Fehler machen dürfen.“

Gregor Gysi, Präsident der Europäischen Linken, setzte sich in seiner Abschluss-Keynote mit dem aktuellen Zustand der EU auseinander. Europa befinde sich seiner Meinung nach in einer strukturellen Krise. „Die Eurokrise ist nur äußerer Ausdruck eines starken Leistungs-bilanzungleichgewichts zwischen starken Nationen wie Deutschland und schwachen wie Griechenland.“ Deshalb schlage er die Vergabe europäischer Aufbaukredite für kriselnde Staaten vor, fügte Gysi hinzu. Hilfreich sei zudem eine Schuldenkonferenz für die gesamte Eurozone. Davon würde vor allem das hochverschuldete Griechenland profitieren. Die Bürger der EU müssten sich entscheiden, ob sie künftig ein Europa der Demokratie oder des nationalen Autoritarismus haben wollen.

Sieger des diesjährigen BME-Innovationspreises ist die Jokey Group. Der nordrhein-westfälische Hersteller von Kunststoffverpackungen für die abfüllende Industrie erhielt die Auszeichnung für die erfolgreiche Neuausrichtung seiner Beschaffung. Das 53. BME-Symposium Einkauf und Logistik findet vom 14. November bis 16. November 2018 in Berlin statt.

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