Effizienz-Reserven auf der Spur
Al Gore hat mit seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ die Gefahren der Klimakrise einer breiten Weltöffentlichkeit vor Augen geführt. Für Unternehmen ist die CO2-Problematik aber nur ein Aspekt, wenn es um die ökologische Betrachtung des gesamten Unternehmens geht. Um Produkte oder Produktionsprozesse umfassend bewerten und optimieren zu können, bedarf es geeigneter Analysesoftware, die nicht nur die Vielzahl aller eingesetzten Materialien, Mengen, Produktionsanlagen und Energie erfasst und in Beziehung setzt, sondern auch nach unternehmensspezifisch definierten Kriterien bewertet. Stoffstrom-Management heißt diese Gesamtbetrachtung einer Produktion. Die ifu Hamburg entwickelte die Software Umberto, mit der die komplexe Stoffstromanalyse durchgeführt wird und die Ergebnisse auch aussagekräftig visualisiert werden können. Ellen Petersen sprach mit Jan Hedemann, Geschäftsführer der ifu Hamburg GmbH, über dieses Thema.
Petersen: Green IT war das Schwerpunktthema auf der CeBIT 2008. Seit 15 Jahren entwickeln Sie Lösungen für effiziente Stoff- und Energieflüsse. Warum ist das Thema heute für Unternehmen so wichtig?
Jan Hedemann: Unter ‚GreenIT‘ werden ja gemeinhin energieffizientere Hardware oder der Einsatz von weniger toxischen Substanzen in den Komponenten verstanden. Wir entwickeln hingegen Softwarelösungen für den betrieblichen Umweltschutz. Angesichts steigender Rohstoff- und Energiepreise und der Klimaproblematik muss jedes produzierende Unternehmen sich neuen Herausforderungen stellen und benötigt dafür Software-unterstützung.
Petersen: Ihr Unternehmen bezeichnet sich als Stoffstromspezialist. Was bedeutet das konkret?
Hedemann: Mit unseren Softwarelösungen lassen sich in produzierenden Unternehmen die Stoff- und Energieströme – also Rohstoffe, Energie, Abfälle, Emissionen etc. abbilden und unter Umwelt- und Kostengesichtspunkten analysieren und optimieren. Daneben beraten wir mit unserer langjährigen Erfahrung die Betriebe natürlich auch beim Aufbau eines Stoffstrom-Managements.
Petersen: Sie sagen, dass Unternehmen mit Ihrer Software Umberto effizienter und umweltgerechter produzieren können. Wie wird dieses Ziel erreicht?
Hedemann: Die Produktionsprozesse im Betrieb werden mit Umberto zunächst grafisch abgebildet und spezifiziert. Unbekannte Mengenströme lassen sich berechnen und unter Umwelt- und Kostengesichtspunkten analysieren. Im nächsten Schritt überlegt man durch Szenariovergleiche, wie sich das System zum Beispiel durch effizientere Prozesse optimieren lässt.
Petersen: Lässt sich das dann erzielte Analyseergebnis auch monetär beziffern?
Hedemann: Natürlich. Parallel zu den Mengen lassen sich auch immer die Kosten darstellen. Das ist ja für ein Unternehmen der ausschlaggebende Faktor. Wir haben Kunden, die sagen, sie hätten durch die umgesetzten Maßnahmen mit zum Teil geringen Investitionen schon mehr als 1,5 Millionen Euro eingespart.
Petersen: In Ihrer Kundenliste befinden sich viele Großunternehmen. Ist Umberto auch für den Mittelstand interessant?
Hedemann: Sicherlich ist Umberto auch für den Mittelstand geeignet. Hier sind allerdings die sehr speziellen Branchenanforderungen zu beachten.
Petersen: Spüren Sie durch verschärfte Umweltrichtlinien eine verstärkte Nachfrage?
Hedemann: Klar spielen EU-Verordnungen und deren nationale Umsetzung eine Rolle. Deren Anforderungen werden von den Unternehmen natürlich umgesetzt. Stoffstrom-Management ist aber kein ‚Muss‘, sondern eine freiwillige Sache. Wenn die Firmen erkannt haben, dass sich durch effizienten Einsatz von Rohstoffen und Energie deutlich Kosten sparen lassen, dann ist das ein viel größerer Treiber.
Petersen: Welche Fachbereiche bei Ihren Kunden bringen Umberto-Projekte im Regelfall ins Rollen?
Hedemann: In der Regel sind es die verfahrenstechnischen Abteilungen, teilweise auch das Controlling oder strategische Planer. Überraschenderweise weniger das Umweltmanagement.
Petersen: Und welche Stellung nimmt die Einkaufsabteilung in den Projekten ein?
Hedemann: Da wir unsere Softwarelizenzen direkt vertreiben, und es in diesem sehr speziellen Feld auch keine anderen Anbieter gibt, werden die Anforderungen der Fachabteilung meist direkt an den Einkauf weiter-gegeben. Bei Softwareentwicklung ist oft bereits ein konkretes Budget eingestellt, innerhalb dessen wir unsere Lösungen realisieren müssen. Das ist nicht immer einfach.
Petersen: Die ifu-Kunden, die Umberto einsetzen, sind weltweit verteilt. Wie realisieren Sie dieses internationale Geschäft als mittelständischer Dienstleister?
Hedemann: Softwarelizenzen vertreiben wir direkt, wobei wir in verschiedenen Ländern auf ‚Umberto Partner‘ setzen. Das sind Consultants, die selbst unsere Software in Beratungs-projekten einsetzen. Für die Visualisierungslösung e!Sankey haben wir erstmals einen reinen Online-Vertrieb versucht – mit Erfolg! Die Software wird nach einem Jahr schon in 35 Ländern eingesetzt.
Petersen: Mitte Februar hat Boeing angekündigt, im Rahmen eines Umweltprogramms, in den nächsten fünf Jahren den produktionsbedingten Energiebedarf, Emissionen und Sonderabfälle um jeweils 25 Prozent zu reduzieren. Könnten Sie sich vorstellen, sich an der Ausschreibung mit Umberto zu beteiligen?
Hedemann: Auf jeden Fall. Das ist eine typische Aufgabenstellung für uns!
Petersen: Welches sind die interessantesten Projekte, die Sie in jüngster Zeit umgesetzt haben?
Hedemann: Unsere Projekte sind alle spannend! Schließlich ist jedes Unternehmen anders. Ob es im Abfall-Bereich ist oder in einer Gießerei. In letzter Zeit haben wir mehrere Projekte in der Chemie-Industrie, die sich speziellen Anforderungen stellen muss. Das ist ein interessantes Feld für uns als Softwareentwickler und Berater.
Link-Tipp
www.ifu.com
Auf der ifu-Website steht neben umfangreichen Informationen sowohl eine Trial-Version der Umberto-Software zum Download als auch ein Link zum E-Shop der Visualisierungssoftware e!sankey bereit.
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