Einkauf 4.0: Rollenwandel im Einkauf


Einkauf 4.0 ist das Thema, das die Einkaufsabteilungen umtreibt. Der Einkauf ist im Wandel. Wenn auch so manches Unternehmen noch bei selbst gefühlten 3.0 steht, alle holen Informationen ein, vernetzen sich und starten die ersten Projekte. Die Transformation verpflichtet alle Systembeteiligten, auch die Lieferanten. Vier Sichtweisen von Verantwort-lichen.

Für Mirko Neumann, EVP Global Supply Chain Management von Ebner Industrieofenbau, ist „Industrie 4.0“ ein Schlagwort der deutschen Bundesregierung, das erst befüllt werden muss. Gemeinsam mit dem VP Josef Prucha ist das große Ziel, mit 4.0 die Prozesskosten entscheidend zu senken. Gestärkt sehen sich beide von der Geschäftsführung: „Unser Geschäftsführer steht der Digitalisierung und neuen Technologien sehr offen gegenüber.“

Strategische Ansätze: ein großer oder viele kleine Schritte
Ähnlich ist das auch beim Pumpenhersteller KRAL AG. Drei Jahre lang hat sich das Unternehmen mit allen Prozessen auseinandergesetzt und Transparenz in sämtliche Bereiche gebracht. Das Ziel: innerhalb der nächsten 24 Monaten soll das Unternehmen zum bestautomatisiertesten und digitalisierten Unternehmen im österreichischen Vorarlberg werden.

Thomas Blum, der Supply Chain Manager steckt diesbezüglich auch die Ziele für die Lieferanten sehr hoch. Künftig sieht er die Überwachung von Lieferzeiten nicht mehr als Aufgabe des Einkaufs, sondern stellt die Lieferanten vor einen völligen Paradigmenwechsel. „Die digitale Anbindung ist für unsere Lieferanten sicher nicht einfach, aber unumgänglich,“ so Blum.

Einen komplett anderen strategischen Ansatz hat der deutsche Waffenhersteller Carl Walther GmbH gewählt. Schrittweise werden einzelne Prozesse im Einkauf digitalisiert, um nach und nach für das Tagesgeschäft mehr Zeit zu gewinnen.

Trotzdem dürfen sich für den Einkaufsleiter Simon Nitschke keine Insellösungen entwickeln: „Der Einkauf ist gefordert, Daten in viele Richtungen zu kommunizieren – sowohl unternehmensintern als auch nach außen mit den Lieferanten. Das muss ein durchgängiger digitaler Prozess sein. Ziel ist ein E-Procurement-System über alle Prozesse zu legen, in das unter anderem die interne Logistik bis hin zur Montagelinie erfasst.“

Herausforderung liegt in der Vielfältigkeit
Es gibt ihn nicht. Den Einkaufsprozess. Da die Prozessschritte und Schwerpunkte in jedem Unternehmen unterschiedlich angelegt sind, gestaltet sich auch die Umsetzung von Einkauf 4.0 in jedem Unternehmen individuell. „Der Workflow muss jeweils angepasst werden, so Stephan Berghoff, Einkaufsleiter der Cyklop GmbH, die Maschinen für die Verpackungs-industrie produziert.

Es gibt auch nicht das 4.0-Tool. Laufend entstehen Neuentwicklungen, die entscheidende Vorteile bieten. Start-ups setzen auf zusätzlichen Datengewinn, flexiblere Analysemöglich-keiten und einfachere Anbindungen. Auch hier ist jedes Unternehmen einzeln gefordert, die optimale Lösung für sich zu finden.

Rollenwandel im Einkauf
Der Einkauf 4.0 fordert ein Umdenken. Es ist fast so, als ob der Einkäufer eine völlig neue Rolle einnimmt. Dabei geht es nicht nur um den Wandel vom operativen in Richtung strategisch, analytischen Einkäufer, wie der BME in seiner Vorstudie proklamierte.

Viel schwieriger ist der Wertewandel, der mit der Veränderung verknüpft ist. Der meist sehr introvertierte Einkäufer, sieht sich damit konfrontiert, seine Stärke im Beziehungsaufbau zu finden. Die Daten, die bisher seine Domäne und auch ein Machtfaktor waren, werden nun digital transportiert und analysiert.

Gefordert ist eine Generation mit Share-it-Mentalität. Das ist gerade für die Einkäufer der Generation einfacher, die mit Facebook und anderen sozialen Medien aufgewachsen sind. Genau hier hat Stephan Berghoff in seinem Team mit einer Potentialanalyse angesetzt. Künftig gibt eben nicht mehr jeder Einkäufer die Daten ein, sondern Tätigkeiten werden nach Stärken und Interessen aufgeteilt.

Ratschlag aus der Praxis
Die Ist-Analyse oder wie Thomas Blum es bezeichnet – die Unternehmensdiagnose – steht im Mittelpunkt. Nur wer seine Prozesse inklusive der im Kopf der Einkäufer befindlichen Daten analysiert, wird langfristig mit einem zentralen Wissensmanagement seine Partner im Eco-System auf Spur bringen.

von Ira Shanker, CEO der Tech2select GmbH in Österreich

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