EMI: Rekordverdächtig lange Lieferzeiten

6. Oktober 2017 · Beschaffungsprozess, Märkte, Preise, Statistik, Unternehmen ·  

Die deutsche Industrie ist im September so kräftig gewachsen wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Das signalisiert der finale saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI). Er verbesserte sich gegenüber August um 1,3 Punkte und erreichte mit 60,6 den höchsten Wert seit April 2011. Produktion und Beschäftigung legten sogar noch stärker zu als im August. Rekordverdächtig lange Lieferzeiten deuten jedoch auf erhebliche Lieferschwierig-keiten hin, und der Anstieg der Einkaufspreise hat sich ebenfalls erheblich beschleunigt.

Der PMI-Hauptindex setzt sich aus den Unterindizes Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten und Vormateriallager zusammen und spiegelt das Ergebnis der September-Umfrage zur Konjunkturlage der Industrie Deutschlands in einem Wert wider.

„Der EMI scheint im Moment nur einen Weg zu kennen – und der führt nach oben. Der anhaltend robuste Aufschwung lässt uns voller Zuversicht in das 4. Quartal blicken“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes des Bundes-verbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Etwas Sorge bereiteten dagegen die erneut gestiegenen Einkaufspreise. Einen der Hauptgründe dafür sieht Grobosch in den seit Jahresbeginn wieder anziehenden Preisen für Industrierohstoffe.

„Der EMI hat zuletzt wieder deutlich an Fahrt aufgenommen. Die deutsche Industrie läuft rund, beschleunigt sich sogar noch“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, auf Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Die deutsche Wirtschaft sei somit breit aufgestellt. Die Verbraucher blieben in bester Konsumlaune, die Bauwirtschaft sei weiter stark und auch die Investitionen würden dynamischer. Im laufenden Jahr wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt Traud zufolge voraussichtlich sogar die Marke von zwei Prozent überschreiten. 2018 sei mit einem fast genauso hohem Wachstum zu rechnen. „Daran wird auch die Ende Oktober zu erwartende Ankündigung der EZB, den Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik vorzunehmen, nichts ändern“, sagte die Helaba-Bankdirektorin dem BME.

Nach Ansicht von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, „bekommt die Konjunktur im Herbst noch einmal einen richtigen Schub. Dieser wird auch die Aktienmärkte weiter treiben.“ Die Daten des EMI deuteten auch darauf hin, dass langsam die Inflation anziehe. „Damit könnte es etwas turbulent werden an den Finanzmärkten im kommenden Jahr“, sagte Kater.

Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick
Industrieproduktion: Die Industrieproduktion wurde im September so kräftig ausgeweitet wie seit knapp sechseinhalb Jahren nicht mehr.

Auftragseingang: Beim Auftragseingang verbuchten die deutschen Industrieunternehmen im Berichtsmonat das zweithöchste Plus seit April 2011; es wurde lediglich übertroffen vom Zuwachs im Juni dieses Jahres. Wie bereits seit Jahresanfang ging von den Exportmärkten auch im September ein starker Nachfrageimpuls aus. Unterm Strich fiel das Exportorderplus zwar etwas niedriger aus als im August, es blieb jedoch überdurchschnittlich hoch. Besonders gefragt waren deutsche Industrieerzeugnisse in Asien.

Beschäftigung: Der kräftige Auftragsschub zog den stärksten Beschäftigungsaufbau seit Mai 2011 nach sich. Am meisten neue Stellen wurden diesmal im Investitionsgüterbereich geschaffen, dicht gefolgt vom Vorleistungsgüterbereich.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Der Kostenanstieg erreichte ein Fünfmonatshoch und fiel stärker aus als im bisherigen Jahresdurchschnitt. Verteuert haben sich laut Befragten neben Chemikalien auch Energie und zahlreiche Metalle, darunter Aluminium, Kupfer, Messing und Stahl. Der Anstieg der Verkaufspreise beschleunigte sich den zweiten Monat in Folge und fiel so stark aus wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Ausschlaggebend hierfür war der rasante Kostenauftrieb, den die Unternehmen an ihre Kunden weiterzugeben bestrebt waren.

Jahresausblick: Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen im September sogar noch optimistischer aus als in den beiden Vormonaten. Der entsprechende Teilindex notiert aktuell nur knapp unter dem Rekordhoch von Anfang 2014. Immerhin fast 40 Prozent der Befragten erwarten, dass sich der gegenwärtige Wachstumstrend fortsetzen wird. Einige hingegen sehen den Markt zunehmend gesättigt und gehen eher davon aus, dass das hohe Niveau nicht gehalten werden kann.

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