Europäischer Arbeitskostenvergleich des IMK
Deutschland liegt bei den Arbeitskosten für die Privatwirtschaft weiterhin im Mittelfeld der europäischen Staaten – an achter Stelle.
2007 sind die deutschen Arbeitskosten erneut weitaus langsamer gestiegen als im Durchschnitt von EU und Eurozone. Dieser Trend zeigt sich seit rund einem Jahrzehnt sowohl für das Verarbeitende Gewerbe als auch für den Dienstleistungssektor und dürfte sich 2008 fortgesetzt haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung auf Basis der aktuellen europäischen Daten.
Im vergangenen Jahr mussten deutsche Arbeitgeber in der Privatwirtschaft (Industrie und privater Dienstleistungsbereich) 28 Euro pro geleistete Arbeitsstunde aufwenden. Höher liegen die Arbeitskosten in sieben Ländern: In Dänemark, Schweden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, den Niederlanden und Finnland müssen zwischen 34,30 Euro und 28,10 Euro pro Stunde ausgegeben werden. Geringfügig niedriger als in der Bundesrepublik sind die Aufwendungen pro Stunde in Österreich (27,50 Euro) und in Großbritannien (26,70 Euro). Einen deutlicheren Abstand gibt es zu den „alten“ EU-Mitgliedern in Südeuropa sowie zu den neuen mittel- und osteuropäischen EU-Ländern. Auch diese Differenz ist 2007 erneut etwas kleiner geworden: Während die Arbeitskosten in der EU-27 um durchschnittlich 3,7 Prozent und in der Eurozone um 2,6 Prozent stiegen, betrug der Zuwachs in Deutschland lediglich 1,2 Prozent.
Damit setzte sich ein Trend fort, der seit Mitte der neunziger Jahre anhält und sich auch bei den für die internationale Wettbewerbsfähigkeit wichtigeren Lohnstückkosten zeigt. Deutlich aufgeholt haben auch im vergangenen Jahr die mittel- und osteuropäischen Länder, in denen die Arbeitskosten um zehn bis 30 Prozent zunahmen.
Die IMK-Forscher nutzen für ihre Studie, die am 25. November 2008 als IMK Report erschienen ist, die neuesten verfügbaren Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Deren Arbeitskostenstatistik erlaubt einen Vergleich auf breiterer Basis als Datenquellen, auf die sich beispielsweise das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) bislang gestützt hat. Zu den Arbeitskosten zählen neben dem Arbeitnehmerentgelt die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen sowie als Arbeitskosten geltende Steuern.
Deutschland rangierte bei industriellen Arbeitern und Angestellten mit Arbeitskosten von 32 Euro pro geleistete Arbeitsstunde 2007 EU-weit an vierter Stelle – ebenso wie im Jahr zuvor. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr lag mit 1,4 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt sowohl des Euroraums als auch der EU insgesamt. Die Bundesrepublik ist Teil einer größeren Gruppe von Industrieländern, deren Arbeitskosten im Verarbeitenden Gewerbe mit 29 bis 36 Euro pro Stunde über dem Euroraum-Durchschnitt liegen. Zu ihr zählen auch die nordischen Länder, die Benelux-Staaten, Frankreich und Österreich. Im privaten Dienstleistungssektor liegen die deutschen Arbeitskosten und damit die Löhne hingegen mit 25,60 Euro lediglich an zehnter Stelle in der EU. Das ist nur wenig mehr als der Durchschnitt im Euroraum.
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