Expertenbefragung zur Kontraktlogistik
Trotz krisenbedingter Wachstumsschwächen sieht die Branche der Kontraktlogistik optimistisch in die Zukunft. Es wird erwartet, dass weitere betriebliche Funktionen an Kontraktpartner ausgelagert werden, um sich auf Kernkompetenzen zu fokussieren. Besonders große Potenziale werden der Kliniklogistik, Luxusgüterproduzenten und Non Food/FMCG, aber auch Automotive und Industriegütern zugeschrieben. Gerade bei dem letzten Bereich besteht ein Outsourcing-Nachholbedarf.
Die Expertenbefragung „M&A in der Kontraktlogistik“ von Deloitte zeigt: Branchenexperten sehen Wachstumspotenziale bei Mehrwertdienstleistungen wie Montageservice und E-Commerce. Dies sind auch die attraktivsten Bereiche für Mergers & Acquisitions – der Konsolidierungsdruck in der Branche wird gegenwärtig allerdings für gering gehalten. Weitere Wachstumsfelder in der Kontraktlogistik sind Reverse Logistics und Supply-Chain-Design beziehungsweise Kliniklogistik und Luxusgüter als Industriesegmente interessant.
„Die Branche hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen – immer mehr Unternehmen lagern immer größere Teile ihrer logistischen Wertschöpfung aus. Mit der Heterogenität dieser Leistungen steigen jedoch die Ansprüche an die Kontraktdienstleister. Anbieter sehen sich strategischen Herausforderungen ausgesetzt, die vielfach Anlass für Unternehmenskäufe und -übernahmen sein werden“, sagt Stephan Brunke, Partner im Bereich Corporate Finance von Deloitte.
Partner mit weitem Aufgabenspektrum
Das Leistungsspektrum hat sich in den letzten Jahren enorm erweitert. Zum Transportgeschäft kommen heute Services wie das Management entsprechender Informationsflüsse und des Personal-, Finanz- und Energiebedarfs sowie der Mehrwertdienste. Im Extremfall übernimmt der Kontraktpartner sogar die Organisation der kompletten Wertschöpfungskette. Die Beziehungen zum Auftraggeber sind meist langfristiger Natur, die Dienstleistungen sehr individuell und nur schwer skalierbar. Insgesamt beschränkt sich jedoch der Einfluss der Kontraktlogistiker gegenwärtig und auf mittelfristige Sicht auf Unternehmensentscheidungen im logistiknahen Bereich, so eine der zentralen Ergebnisse der Befragung.
Wachstum ist nicht gleich Rendite
Branchenunabhängige Wachstumsfelder sind, getrieben vom Internethandel, die Bereiche Reverse-Logistics sowie Supply-Chain-Design. Nicht zuletzt bieten auch E-Commerce und Montageservice bei den Mehrwertdiensten nennenswerte Wachstumschancen. Jedoch, das zeigt sich insbesondere bei Reverse Logistics und Montageservice, geht eine hohe Wachstumserwartung nicht immer mit einer erwarteten Steigerung der Profitabilität einher, vor allem in Bereichen mit wenig komplexer Tätigkeit. Als besonders profitabel gelten dagegen hoch individualisierte Bereiche der Einzelkonfektionierung/Verpackung sowie Warenaufbereitung/Fehlerkorrektur.
Kostengetriebene Konsolidierungswelle bereits abgeebbt?
Die Branchenexperten erwarten erhebliche Kostensteigerungen beim Transport, unter anderem durch Energiepreise und Regulierungsmaßnahmen. Die Konsequenzen gerade für kleinere Anbieter haben jüngst in der Transportbranche zu Konsolidierungsbewegungen geführt – eine Fortführung dieser Tendenz in der Kontraktlogistik sehen die Befragten jedoch nicht. Von Kostensteigerungen weitgehend unberührt bleiben hingegen klassische Bereiche wie Lager- und IT-Kosten.
Grüne Zukunft
Technologische Treiber sind laut der Befragten vor allem die RFID-Technik sowie Green Logistics. Ihre effiziente Nutzung wird künftig über geschäftlichen Erfolg und Misserfolg der einzelnen Kontraktlogistiker entscheiden. Generell kommt intelligenten IT-Lösungen eine immer stärkere Schlüsselrolle zu, wobei größere Anbieter eher zu Eigenentwicklungen, kleinere hingegen zu Standardlösungen tendieren.
„Wenn es in nächster Zeit zu M&A-Aktivitäten kommt, dann vor allem, um neue Märkte beziehungsweise neue Geschäftssegmente zu erschließen. Mögliche Degressionseffekte spielen kaum eine Rolle, wichtiger ist die Schaffung eines margenintensiven, differenzierten Dienstleistungsangebots. Die Mehrheit zieht hierfür Übernahmen gegenüber eigenem Ressourcenaufbau vor“, so Stephan Brunke.
Die vollständigen Ergebnisse der Expertenbefragung stehen in einem 22-seitigen pdf-Dokument auf der Internetseite von Deloitte zum Download zur Verfügung:
M&A in der Kontraktlogistik
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