Fertigung: Automation sichert Existenz

27. März 2008 · Märkte ·  

Zukünftig werden die Großen nicht die Kleinen fressen, sondern die Schnellen die Langsamen. So lautet ein bekannter Spruch, der die Notwendigkeit von unternehmerischer Flexibilität und Schnelligkeit unterstreicht. Besonders für mittelständische Unternehmen sind diese Fähigkeiten oftmals entscheidende Überlebensfaktoren. Hinzu kommt der Kostendruck eines Hochlohnlandes, der Großkonzerne aktuell zu Standortverlagerungen ihrer Produktion bewegt. Zukunftsorientierte Einkäufer finden wie die Spezialisten aus Anwendung und Entwicklung auf den demnächst stattfindenden Messen Factory Automation in Hannover und der Automatica in München eine Vielzahl moderner Fertigungslösungen und Automationskonzepte. Dabei geht es stets um technische und prozessuale Optimierung. Beim Thema Fertigungsoptimierung denkt der Laie sofort an die Fließbandproduktion großer Autokonzerne oder Elektronikhersteller. Derartige Produktionsanlagen sind meist Einzwecklösungen, die auf extrem hohe Stückzahlen ausgerichtet sind. Durch starre aber hoch automatisierte Transfer- und Montagestraßen werden die hohen Stückzahlen erreicht. Ein großer Nachteil solcher Anlagen ist ihre fehlende Flexibilität. Für ihren Zweck sind sie optimal, jedoch für eine andere Produktion fast gänzlich unbrauchbar. Und genau diesen Nachteil gleichen die mittelständischen Zulieferer von Großkonzernen wieder aus. Die immer stärker werdende Produkt-differenzierung wird von ihnen gesichert, während beispielsweise ein Automobilbauer selbst seine Fertigungstiefe reduziert. Den Baugruppen- und Systemlieferanten obliegt dabei keine einfache Lohnfertigung wie früher, sondern die komplette Übernahme von Entwicklung, Konstruktion und Produktion. Diese Entwicklung hat die Produktwert-schöpfung mehr in Richtung der Zulieferer verschoben.

Flexible Anlagen sichern Investitionen
Die Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer liefern ein fast unübersehbar breites Spektrum an Lösungen fürs Produzierende Gewerbe. Gerade im deutschen Musterländle Baden-Württemberg zeigen sich die Folgen des Maschinenbau-Höhenflugs. 2008 wird das sechste Wachstumsjahr in Folge sein, wodurch Fachkräfte rar geworden sind. „Wir könnten noch schneller wachsen, wenn wir mehr Mechaniker, Elektriker und Ingenieure finden würden“, klagt Dieter Manz, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Manz Automation. „Wir haben schon Teile der Produktion nach Ungarn verlagert, weil dort Personal einfacher zu bekommen ist.“ Manz gehört zu den vielen Mittelständlern, die in ihrer Nische global agieren und führend sind. Unser erfolgreicher Maschinen- und Anlagenbau (Stichwort Export-weltmeister) wird in der öffentlichen Debatte hierzulande häufig als Beispielargument für den möglichen Einklang von hohen Personalkosten und wirtschaftlichem Erfolg angeführt. Denn genau diese Branche macht seit Jahren das, was auch der Maschinenbauexperte der Deutschen Bank, Josef Auer, rät: „Im globalen Wettbewerb sollten die deutschen Hersteller statt zu verlagern, ihre Arbeitskostennachteile durch moderne Fertigungstechnik und Automatisierung kompensieren.“ Modulare aber hoch automatisierte Fertigungszellen stehen heute ganz hoch im Kurs. Sie sind derzeit die optimalen Lösungen für Komponenten- und Systemlieferanten, die fertigungstechnisch oft schnell reagieren müssen. Starre Lösungen wären für sie absolute Investitionsruinen. Die modularen Anlagen ermöglichen sowohl die Einbindung in bestehende Fertigungsstraßen als auch die spätere Umrüstung und Weiterverwendung in anderen Produktionsprozessen. Nur so ist die zunehmend notwendige Flexibilität bei kleiner werdenden Losgrößen und steigender Variantenvielfalt zu erreichen. Spezialisten der Fertigungsautomatisierung kombinieren Zuführ-, Beladungs-, Förder-, Bearbeitungs-, Entlade- und Palettierungskomponenten zu kompletten Fertigungsstraßen. Dabei verlagert sich die Tätigkeit der Mitarbeiter mehr in den Steuerungs- und Überwachungsbereich der Systeme. Es ist natürlich nicht sinnvoll, einen Mitarbeiter durch Bearbeitungsautomaten von Arbeiten zu befreien und ihn während dieser Zeit untätig warten zu lassen. Daher sind effizientere Bearbeitungsmaschinen nur ein Glied einer guten Gesamtlösung. Gerade die Schnittstellen, Übergabe- oder Bestückungs-prozesse fügen die Einzelteile zum optimal funktionierenden System zusammen. Automatisierte Fertigungsanlagen lassen sich mit vergleichsweise geringer Personaldecke auch leichter im Zwei- oder Drei-Schicht-Betrieb fahren. So kann im Ergebnis trotz des enormen Kostendrucks eine hochproduktive Fertigung auch in Deutschland zukünftig ihre Berechtigung finden.

Link-Tipps

http://tinyurl.com/26gr8s
Die Factory Automation 2008, Internationale Leitmesse der Fertigungsautomation, öffnet vom 21. bis 25. April im Rahmen der Hannover Messe.

www.automatica-muenchen.de
Die nur alle zwei Jahre stattfindende Automatica, Fachmesse für Automation und Robotik, findet 2008 vom 10. bis 13. Juni in München statt.

www.mesago.de/de/SPS/main.htm
In Nürnberg läuft vom 25. bis 27. November die SPS/IPC/DRIVES 2008, Fachmesse für elektrische Automatisierungstechnik, die sowohl Systeme als auch Komponenten präsentiert.

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