Frankreich: Rekorddefizit im Außenhandel

25. September 2008 · Länder ·  

Frankreichs Bruttoinlandsprodukt soll 2008 real nur um 1 Prozent wachsen und die Prognose für 2009 sieht nicht rosiger aus. Damit verschärfen sich die Probleme im Staatshaushalt und erschwert wird die mit Brüssel abgestimmte Rückführung des Defizits auf Null bis 2012. Die Handelsbilanz verzeichnete im 1. Halbjahr 2008 ein Defizit von 24 Milliarden Euro. Parallel wächst das Interesse französischer Unternehmen an Investitionen im Ausland.
 
Nach Einschätzung der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) sieht die Regierung den wesentlichen Grund für den Konjunktureinbruch in der Abschwächung der Weltkonjunktur, die ein abwartendes Verhalten der Unternehmen und eine vorsichtigere Konsumneigung bewirken. Eine Rezession schließt die Regierung aber aus und warnt vor Panik. Auch die Banque de France prognostizierte für das 3. Quartal noch ein positives BIP-Wachstum, wenn auch nur von 0,1 Prozent. Für BNP Paribas scheint die französische Wirtschaft aber klar in eine Phase der Rezession eingetreten zu sein – als logische Konsequenz nicht nur der internationalen Wirtschaftskrise, sondern auch der nationalen Strukturprobleme.
 
Premierminister François Fillon appelliert, die Priorität auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu legen. Ein staatlich finanziertes Konjunkturprogramm zur Belebung der Nachfrage lehnt er ab. Die Produktion der Industrie war im 2. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1,6% rückläufig, was auch für das 3. Quartal nichts Gutes verheißt. Bis auf die Ausrüstungsgüter (+0,9%) schrieben alle Sektoren negative Zahlen: Agrar- und Nahrungsmittelindustrie (-1,6%), Konsumgüter (-1,9%), Automobilindustrie (-5,8%), Zwischenprodukte (-1,9%), Energie (-0,1%) und Baugewerbe (-1%). Die Perspektiven im Flugzeugbau sind durch die Euro-Dollar-Parität belastet, bei den Ausrüstungsgütern (Mechanik, Elektronik, Werkzeugmaschinen) gibt die sinkende Kapazitätsauslastung Anlass zur Sorge. Lichtblick bleibt im Wesentlichen nur der Schiffbau, wo die Werft Saint-Nazaire in diesem Jahr bis zu 8.000 neue Arbeitsplätze einrichten will.
 
Die Beschränkung des öffentlichen Haushaltsdefizits auf 2,5% des BIP erscheint damit aussichtslos, ebenso die Zielvorgabe von 2% für 2009. 2008 wäre die Regierung bereits zufrieden, wenn sie das Ergebnis des Vorjahres von 2,7% halten könnte – als das BIP-Wachstum aber noch überraschende 2,1% erreichte. Auf der Ausgabenseite besteht kaum Manövriermasse, während gemäß dem letzten Budgetbericht auf der Einnahmeseite ein Ausfall von 3 Mrd. bis 5 Mrd. Euro befürchtet wird. Insgesamt könnte im Haushalt ein zusätzliches Loch von rund 7 Mrd. Euro klaffen und das Defizit mehr in Richtung von 3% des BIP schieben.
 
Die Handelsbilanz verzeichnete im 1. Halbjahr ein Defizit von 24 Mrd. Euro, was gegenüber dem 1. Halbjahr 2007 einer Steigerung um 54% entsprach. Auf Jahresbasis belief sich der Fehlbetrag bis Juni 2008 auf 48 Mrd. Euro und lag damit deutlich über dem Defizit des Gesamtjahrs 2007 (39 Mrd. Euro). Der Export legte dabei um 4,9% zu, die Analysten von Euler-SFAC prognostizieren für das Gesamtjahr 2008 ein Exportwachstum von 4,3% und für 2009 von 3,9%.
 
Parallel dokumentiert die Bilanz der ausländischen Direktinvestitionen eindeutig das wachsende Interesse der französischen Unternehmen an einer Produktion im Ausland. Bis Mitte 2008  beliefen sich die französischen Auslandsinvestitionen über ein Jahr gerechnet auf 189 Mrd. Euro, was deutlich über den Ergebnissen der beiden Vorjahre 2007 (+15%) und 2006 (+100%) lag. Im Gegenzug investierten ausländische Unternehmen bis Juni 2008 auf Jahresbasis nur 109 Mrd. Euro in Frankreich.

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