Gegebenheiten sprechen für steigende Strompreise


Im August sind vor allem die Strompreise für Industrie- und Gewerbebetriebe deutlich gestiegen. Nicht nur die Börsenpreise, auch die realisierten Einkaufskonditionen für die Unternehmen stiegen teils kräftig an. Diese Entwicklung hatten die Experten der ISPEX AG bereits im Vormonat erwartet. Die Gaspreisentwicklung zeigte sich dagegen etwas stabiler. Hier endete aber zumindest vorerst der fallende Preistrend. Die Experten der ISPEX AG haben für den ISPEX Energiepreisindex die Preisentwicklungen für Strom und Gas auf dem deutschen Energiemarkt im August analysiert. Während beim Strom noch kein Ende der Preissteigerungen in Sicht ist, steht vor der weiteren Gaspreisentwicklung ein Fragezeichen, so die Schlussfolgerung aus der Analyse.

Die Strompreise ziehen an den Börsen kräftig an
Nach den stetig leicht steigenden Preisen der letzten Monate, stieg der Strompreis an den Börsen gleich zu Beginn des Monats kräftig an. Die Preise liegen nach dem Anstieg nahezu auf dem Preisniveau der ersten Hälfte des Jahres 2015. Damals setzte im August eine Talfahrt ein, die sich bis in den März 2016 fortsetzte. Seit der Trendwende in jenem März steigen die Preise, abgesehen von kurzen fallenden Phasen. Sie erreichten nun ihren vorläufigen Höhepunkt.

Einen zusätzlichen Schub erhielten die Strompreise an den europäischen Strombörsen zur Jahreswende. Damals mussten einige französische Kernkraftwerke unplanmäßig vom Netz genommen werden und die Spotpreise zogen schlagartig an. Eine ähnliche Situation scheint sich dieser Tage zu wiederholen. Unregelmäßigkeiten bei der Dokumentation einiger Bauteile in französischen Kernkraftwerken nähren die Spekulationen, die französische Aufsichts-behörde könnte erneut eine ungeplante Revision anordnen. „Die Folge wären erneut steigende Preise. Darauf hat der Markt bereits reagiert und vor allem die kurzfristigen Preise mit Aufschlägen versehen“, erläutert Energieexperte Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der ISPEX AG.

Höhere Börsenpreise sorgen für teurere Lieferkonditionen
Die steigenden Börsenpreise sorgten im August dafür, dass Unternehmen schlechtere Konditionen mit höheren Strompreisen angeboten wurden. Der ermittelte Durchschnittspreis stieg von 3,31 Cent je Kilowattstunde im Vormonat auf 3,55 Cent je Kilowattstunde im August.

Der starke Preisanstieg im August führte dazu, dass das Preisniveau gegenwärtig über demjenigen zu Beginn des letzten Monats liegt. Selbst wenn es sich nun auf diesem Level stabilisiert, dürfte es zu einem erneut gestiegenen Preisniveau für die Unternehmen führen. Aktuell sprechen die Gegebenheiten eher für weiter steigende Preise. Zusätzlich dürfte eine nach dem Ende der Sommerferien gestiegene Nachfrage auftreten und aufgrund des erhöhten Nachfrageaufkommens bei den Energielieferanten zu einem geringeren Wettbewerb führen. Dies spricht zusammen mit der Börsenpreisentwicklung, für weiter kletternde Preise.
„Die steigenden Preise bekommen derzeit vor allem die Kunden zu spüren, die über Einkaufsgemeinschaften die aktuellen Börsenpreise direkt erhalten. Von Monat zu Monat mussten sie immer weiter steigende Preise hinnehmen“, erklärt Energieexperte Arnold. Unternehmen, die dieser Verschlechterung der Einkaufskonditionen entgehen wollen, bliebe nur der Wechsel zu anderen Anbietern, die eine Preisgarantie durch eine Fixierung der aktuellen Preise anbieten.

„Das gilt ganz ähnlich für Unternehmen mit flexiblen Lieferverträgen. Hier sollte zeitnah geprüft werden, ob die Obergrenze des verfügbaren Budgets erreicht wird. In diesem Fall müssten Unternehmen schnell handeln und die noch ausstehenden Mengen beschaffen“, so Stefan Arnold.

Auch Erdgas vor der Trendwende zu steigenden Preisen?
Die Frage, ob die Phase fallender Gaspreise ein Ende hat, konnte auch im August nicht einheitlich beantwortet werden. Die Preise für ganze Lieferjahre stiegen in der ersten Augusthälfte durchweg an. Das bestätigte die Vermutung, dass auch die Gaspreise wieder steigen könnten. Erst in der Monatsmitte kam es zu unterschiedlichen Entwicklungen der Preise für die einzelnen Lieferjahre. Während die Folgejahre 2018 und 2019 auf einem mehr oder weniger stabilen Niveau blieben, gaben die entfernteren Jahre 2020 und 2021 wieder nach.

Leicht steigende Gaspreise drehen fallenden Trend
Die steigende Tendenz der Gaspreise in den vergangenen Monaten schlug nun im August auch auf die von den Energieversorgern angebotenen Endkundenpreise für Industrie und Gewerbe durch. Die Unternehmen erhielten im August Angebote von durchschnittlich 1,73 Cent je Kilowattstunde. Das bedeutet einen leichten Anstieg von 0,03 Cent je Kilowattstunde.

Das aktuelle Preisniveau liegt zwar über demjenigen des Jahres 2016. Allerdings war im letzten Jahr Gas außerordentlich günstig und auf einem historischen Tiefstand. Die gegen-wärtigen Preise können im Vergleich zu den Jahren zuvor aber noch immer als günstig bezeichnet werden. Nur die Kunden, die zu den besonders niedrigen Preisphasen des Vorjahres für nur ein Jahr abgeschlossen hatten, sind jetzt unter Zugzwang. Sie müssen höhere Preise hinnehmen.

„Unternehmen sind bei der Beschaffung ihrer Gasmengen derzeit in einer recht komfortablen Situation. Einerseits kann das insgesamt nach wie vor niedrige Preisniveau genutzt werden, um sich weiter einzudecken“, erklärt Energieexperte Arnold. Andererseits bestehe angesichts der jüngsten Entwicklung der Großhandelspreise auch kein Zugzwang. Denn von plötzlich stark steigenden Preisen sei kaum auszugehen.

„Die sinnvollste Empfehlung für Unternehmen ist in der aktuellen Situation, sich mit einem kurz laufenden Vertrag einzudecken und den Markt weiter zu beobachten. Wenn der Markt dann Tendenzen zu weiter steigenden Preisen erkennen lässt, kann dann schnell ein entsprechender Folgevertrag für die weiteren Lieferjahre geschlossen werden“, rät Stefan Arnold.

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