Gehaltshochburgen

27. März 2008 · Märkte ·  

Wer strategisch einkauft, der sollte auch seine Arbeitskraft strategisch verkaufen. Eine gute Arbeit verdient gutes Gehalt. Doch was tun, wenn sich schon seit Jahren auf diesem Gebiet nichts bewegt? In Deutschland ist das Gehalt nicht nur ein Tabuthema, über das selten mit Freunden oder Bekannten gesprochen wird. Auch in den Unternehmen selbst wird gern ein Bogen um Gehaltsgespräche gemacht. Der positive Fall ist das regelmäßige institutionalisierte Gespräch, bei dem Mitarbeiter und Vorgesetzte sich offen über die Entwicklung von Leistung und Vergütung austauschen. Der allgemein übliche Fall in den Leitungsebenen der deutschen Unternehmen sieht allerdings anders aus.

Gehaltsverhandlung kein Thema
43 Prozent der deutschen Fach- und Führungskräfte haben mit ihrem Vorgesetzten noch nie ihr Gehalt verhandelt. Das ergab eine internationale Umfrage des Online-Stellenportals StepStone, an der alleine in Deutschland 9.711 Menschen teilnahmen. 38 Prozent der Befragten verhandeln ihr Einkommen ein Mal im Jahr, 14 Prozent alle zwei Jahre. Lediglich fünf Prozent besprechen das Thema mehr als ein Mal jährlich mit ihrem Chef. Im internationalen Vergleich verhandeln nur die italienischen Fach- und Führungskräfte ihr Gehalt noch seltener als die deutschen. Im Gegensatz dazu stehen die Schweden und Franzosen: Sie besprechen zu 61 Prozent beziehungsweise 65 Prozent jährlich die Höhe ihres Einkommens mit ihren Vorgesetzten. Im europäischen Durchschnitt verhandeln 43 Prozent der Fach- und Führungskräfte ihr Gehalt ein Mal pro Jahr, 40 Prozent haben dies bisher noch nie getan. Wenn das Gehaltsgespräch trotz guter Argumente nichts bringt und die Unzufriedenheit so groß wird, dass der Blick über den Tellerrand des eigenen Unternehmens wandert, dann kommt bei der Karriereplanung auch der Ort ins Spiel. Dieser beeinflusst die Höhe der Vergütung: So verdient laut einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum beispielsweise ein Münchner Ingenieur in einer Führungsposition durchschnittlich 117.800 Euro im Jahr, während sein Kollege in Leipzig nur auf 70.300 Euro kommt. In Großstädten und Ballungszentren wie München, Düsseldorf, Frankfurt und Köln werden tendenziell die höchsten Gehälter gezahlt. Im ländlichen Raum und in Ostdeutschland ist die Vergütung am geringsten. „Es entwickeln sich zunehmend branchenspezifische Vergütungshochburgen, das heißt die gleiche Position wird je nach Arbeitsort unterschiedlich vergütet. Wer in Deutschland heute zu den Spitzenverdienern gehören möchte, sollte nicht nur hinterfragen, ob er den richtigen Job in der richtigen Branche ausübt, sondern vielmehr, ob er auch in der richtigen Stadt arbeitet – nämlich dort, wo der Verdienst innerhalb einer Branche überdurchschnittlich ist“, sagt Christian Näser,  Vergütungsexperte bei Kienbaum.

Spitzenstandorte nach Branchen
IT-Führungskräfte verdienen in Nordrhein-Westfalen am besten. Eine Führungskraft aus Düsseldorf hat in der Regel ein Viertel mehr auf dem Konto als der Durchschnitt (Jahresgesamtbezüge 131.000 Euro). Auch in Frankfurt, Hamburg und Berlin verdienen Führungskräfte der IT mehr als ihre Kollegen in anderen Teilen Deutschlands. In Hannover und Nürnberg dagegen fällt die Vergütung von IT-Spezialisten unterdurch-schnittlich aus. „Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Größe der Stadt, der jeweiligen Branche und der Gehaltshöhe“, sagt Christian Näser. Während Sekretärinnen in Berlin mit 33.900 Euro und damit unterdurchschnittlich vergütet werden, können sich IT-Führungskräfte in der Hauptstadt über ein überdurchschnittliches Jahreseinkommen von 109.200 Euro freuen.

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