Geschäftsreisen: Moderate Preissteigerungen


Die Aussichten für den internationalen Geschäftsreisemarkt sind insgesamt positiv – so der Global Business Travel Forecast 2018 von American Express Global Business Travel (GBT). Die Nachfrage wird getrieben von der stetigen Erholung der Weltwirtschaft sowie der wachsenden Zuversicht von Geschäftsleuten und Investoren.

Die Nachfrage nach Geschäftsreisen begann im vergangenen Jahr, wieder zu steigen, und wird wohl auch in den kommenden zwölf Monaten wachsen, mit bemerkenswerten Gewinnen in Europa und Asien. Die leistungsstarken Volkswirtschaften in China und Indien setzten sich erneut an die Spitze. Die Preise allerdings werden nur marginal steigen, da die Leistungs-träger ihre Kapazitäten rasch ausbauen, um im Wettbewerb um Marktanteile die Nachfrage zu bedienen.

Trotz der jüngsten wirtschaftlichen Fortschritte auf vielen globalen Märkten bleibt in einigen Bereichen eine gewisse Zurückhaltung spürbar. Geopolitische Instabilität in Kombination mit Tendenzen zu protektionistischer Wirtschaftspolitik hat zu einer unterschwelligen Unsicherheit in der Wirtschaftswelt geführt.

Einige der wichtigsten Ergebnisse der Prognose
Flug: Während die starke Nachfrage die Flugtarife wahrscheinlich in allen Regionen nach oben treibt, halten Überkapazitäten auf bestimmten Strecken, die aggressive Expansion von Low-Cost-Carriern und niedrige Ölpreise sie gleichzeitig in Schach. Full-Service-Fluggesellschaften werden ihre Tarife weiter in Einzelleistungen aufsplitten und Premium-Economy-Angebote einführen, um besser mit Low-Cost-Carriern konkurrieren zu können.

Hotel: Das Hotelgeschäft wird wahrscheinlich weltweit anziehen. Niedrige bis moderate Preiserhöhungen, angetrieben durch die erstarkende regionale Wirtschaft, stehen gegen kräftige Investitionen in neue Hotelangebote. Die Gesamtkosten allerdings werden wohl weiter steigen, da viele Hotels Zusatzentgelte und strengere Stornierungsregeln einführen, um die Profitabilität zu stärken.

Mietwagen: Nach Jahren ohne Wachstum oder mit Rückgängen werden Mietwagentarife wahrscheinlich steigen, da Unternehmen ihr Flottenmanagement optimieren und gleichzeitig die Betriebskosten Druck auf die Preisfindung ausüben. Allerdings wird der Wettbewerb hart bleiben. Ohne signifikante Preiserhöhungen wenden sich Mietwagenanbieter erneut Zusatzangeboten und Zusatzentgelten zu, um die Wirtschaftlichkeit zu steigern.

David Reimer, General Manager und Senior Vice President North America von American Express Global Business Travel, erwartet, dass diese Entwicklungen es Travel Managern erlauben werden, 2018 eher die Reiseprozesse statt die bloßen Kosten ins Zentrum zu stellen. „In diesen Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs sollten Travel Manager ihre Geschäftsreisenden mit den Tools und Services ausstatten, die sie nicht nur zufrieden stellen, sondern auch die Einhaltung der Vorgaben unterstützen und übermäßige Risiken mindern“, sagt er. „Geschäftsreisen sind ein wichtiger Wachstumsfaktor, und jetzt bietet sich die Gelegenheit, das mit stärker strategisch und auf die Reisenden ausgerichteter Planung zu bekräftigen.“

Europa, Naher Osten, Afrika
Die Entscheidung Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen – allgemein als Brexit bekannt –, könnte das Reisen der gesamten Region betreffen, da Flugverkehr und Passagiernachfrage sich möglicherweise ändern. Die Flugtarife britischer Airlines bleiben wohl unverändert. Flug- und Bahnanbieter, die diese Region bedienen, werden die Brexit-Verhandlungen verfolgen, um die Auswirkungen auf ihren Betrieb zu ermitteln, da Grenzkontrollen und Luftverkehrsrechte vor dem Stichtag im Frühjahr 2019 neu definiert werden.

Für Europa werden beträchtliche Erhöhungen der Hotelraten erwartet, außer für Großbritannien und Spanien, da der Tourismus sich schneller entwickelt als die beschränkten Kapazitätszuwächse. Auch der Mietwagenmarkt hat von der steigenden Nachfrage profitiert, die Nachfrage wird leicht weiter zunehmen. Allerdings wird der aggressive Wettbewerb unter den Mietwagenanbietern sowie das veränderte Mobilitätsverhalten der Millennials (gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen, öffentliche Verkehrsmittel) relativ stabile Preise bewirken.

Amerika: US-Nachfrage kühlt etwas ab, Lateinamerika legt zu
In Nordamerika wird die Außenpolitik der USA 2018 eine große Rolle spielen. Die Neuverhandlung von Außenhandelsabkommen wird möglicherweise die internationale Reisenachfrage beeinflussen. US-Fluggesellschaften, die bereits jetzt auf einigen internationalen Strecken mit schwächelnder Nachfrage und Überkapazitäten zu tun haben, gewichten das Inlandsgeschäft neu mit zusätzlichen Verbindungen zu sekundären, kleineren Zielen. Der direkte Wettbewerb zu Low-Cost-Carriern wird dazu beitragen, die Flugpreis-steigerungen 2018 moderat zu halten. In Lateinamerika werden die Flugpreise auf Grund von Gesetzesänderungen und wachsender Nachfrage nach internationalen Flügen wahrscheinlich leicht steigen.

Die Hotelbetreiber in den USA werden es 2018 mit sinkenden Gästezahlen aus dem Ausland und Überkapazitäten in vielen großen Städten zu tun bekommen. Die Raten werden im Durchschnitt lediglich drei Prozent über dem Vorjahr liegen – allerdings mit signifikanten regionalen Unterschieden, so dass beispielsweise im Silicon Valley die Raten weiter steigen werden. Kanada wird von dieser Unsicherheit profitieren und die Nachfrage – vor allem von US-Besuchern – das Angebot in wichtigen Regionen wie Vancouver, Montreal und Toronto bei weitem übersteigen. Das führt zu hohen einstelligen Preiserhöhungen. Die Hotelraten in Lateinamerika werden 2018 im Allgemeinen stabil bleiben, auch wenn sie in Argentinien und Peru auf Grund der vielversprechenden wirtschaftlichen Aussichten deutlich steigen werden.

Dem Mietwagenmarkt in Nordamerika steht kein leichtes Jahr bevor, die Preise aber werden zum ersten Mal seit mehreren Jahren leicht steigen. Trotz des starken Wettbewerbs unter den Mietwagenanbietern werden verbesserte Flottensteuerung und wachsender Kostendruck zu höheren Preisen beitragen, insbesondere für kleinere Kunden. Mitfahr-Angebote wie Uber und Lyft werden weiterhin nur wenig Auswirkungen auf die Mietwagen-Nachfrage haben, da sie ergänzende Services bieten, die eher zu Kurzreisen und städtischen Ziele passen. Ihr Fokus auf Komfort und mobile Technologien aber bringt die Anbieter dazu, den Blick auf die Verbesserung der Reiseprozesse zu richten. Auch für Lateinamerika erwartet GBT wegen des Wirtschaftswachstums leichte Ratensteigerungen, trotz des Wettbewerbs durch Low-Cost-Anbieter.

Asien/Pazifik: Wachstum mit starker Nachfrage in China, Indien und Südostasien
Stark wachsende Volkswirtschaften im Großteil der Region Asien/Pazifik und eine boomende Mittelklasse bringen eine höhere Nachfrage nach Reisen mit sich. China bleibt einer der wichtigsten Treiber dieses Wachstums, ein Nachlassen der chinesischen Wirtschaftsleistung hätte Auswirkungen in der ganzen Region. Die Flugpreise bleiben im Vergleich zu 2017 relativ stabil, da politische Stabilität und eine starke Nachfrage in China und Indien durch groß-flächige Überkapazitäten und eine geringere Nachfrage in Japan und Australien ausgeglichen wird. Die chinesischen Inlands-Fluggesellschaften stehen zudem im Wettbewerb mit dem sehr schnell ausgebauten Hochgeschwindigkeits-Bahnnetz, das mehr als zwei Drittel der weltweiten Kapazitäten bereitstellt und bis 2020 um weitere 50 Prozent wachsen soll.

Die Hotelraten der Region werden allgemein zulegen, da wachsende Zuversicht und ein florierender Tourismussektor die Nachfrage steigern, auch wenn das von Land zu Land stark variiert. Nur in Südkorea werden die Raten voraussichtlich sinken, im Wesentlichen ein Ergebnis der Tourismus-Beschränkungen in China.

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