Gesetzesänderung: Weniger Zeitarbeitnehmer?


Die Nachfrage nach Zeitarbeit war im Jahr 2016 auf stabil hohem Niveau. Von diesem Trend konnten die führenden 25 Anbieter profitieren und ihre Umsätze durchschnittlich um 6,5 Prozent steigern. Die Zahl der von den Top 25 beschäftigten Zeitarbeitnehmer stieg im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 4,3 Prozent. Für 2017 rechnen die führenden Unternehmen mit einem weiteren Umsatzwachstum von 6,1 Prozent, das deutlich über dem erwarteten Marktwachstum von 2,9 Prozent liegen würde. Für 2018 wird jedoch ein Rückgang der Zahl der Zeitarbeitnehmer prognostiziert als Folge der Gesetzsänderungen, die zum 1. April 2017 in Kraft getreten sind.

Marktvolumen nach Umsatz stieg im Jahr 2016 um 6,0 Prozent
Nach Schätzungen von Lünendonk stieg die Zahl der Zeitarbeitnehmer in Deutschland im Jahr 2016 um 4,6 Prozent. Bezogen auf den Umsatz wuchs das Marktvolumen der Zeitarbeit 2016 damit um 6,0 Prozent auf 32,2 Milliarden Euro. Auf der Basis der im Jahr 2016 für 2015 veröffentlichten amtlichen Zeitarbeitnehmerzahlen wurde die Schätzung für das Marktvolumen 2015 nachträglich auf 30,4 Milliarden Euro angepasst.

Gesetzesänderungen führen spätestens ab 2018 zu großen Herausforderungen
Während die Erwartungen für das Jahr 2017 seitens der Top 25 noch von positiven Erwartungen geprägt sind, stehen für 2018 erhebliche Herausforderungen in Folge der Gesetzesänderungen bevor. Sie betreffen gleichermaßen die Anbieter als auch viele Kundenunternehmen.

„Besonders das Thema Equal Pay dürfte gleiche Wettbewerbsbedingungen in der Wirtschaft einschränken“, analysiert Hartmut Lüerßen, Partner von Lünendonk. Hintergrund ist, dass beispielsweise bei den Top 25 durchschnittlich etwa lediglich 49 Prozent der Zeitarbeitnehmer in Branchen eingesetzt werden, für die Branchenzuschlagstarife verhandelt wurden. Bei der Anwendung von Branchenzuschlagstarifen soll, so die aktuellen Verhandlungsziele, Equal Pay als umgesetzt gelten. Einsatzunternehmen in Branchen ohne Branchenzuschlagstarif hingegen müssten entweder mit den Gewerkschaften eigene Equal-Pay-Zusatztarife entwickeln oder ebenfalls sehr aufwändig für die Einsätze die relevanten Equal-Pay-Lohnbestandteile ermitteln und dokumentieren. „Weil das Gesetz hier keine abschließende Gebrauchsanweisung liefert, dürften viele Einsatzunternehmen und Zeitarbeitsanbieter die Risiken fehlerhafter Equal-Pay-Ermittlungen vermeiden“, erläutert Lüerßen. „Dann enden die Einsätze bei diesen Unternehmen nach neun Monaten. Zum Vergleich: In der Metall- und Elektroindustrie sollen 48 Monate Höchstüberlassungsdauer möglich sein, die auf der Basis des TV LeiZ auch einfach umzusetzen sein werden“, so Lüerßen weiter.

Angesichts dieser Herausforderungen rechnen die führenden Zeitarbeits- und Personal-dienstleistungs-Unternehmen mit einem Rückgang der Zahl der Zeitarbeitnehmer in der Größenordnung von 5,8 Prozent. Damit wären mehr als 57.000 Zeitarbeitnehmer im Jahr 2018 von Arbeitslosigkeit bedroht.

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