Herausforderung Material-Revisionierung


In der Fertigungsindustrie ist die Revisionierung von Materialien, Stücklisten und Dokumenten eine alltägliche Aufgabe. Unternehmen nutzen meist die logistische Funktion Änderungsdienst („Engineering Change Management“, ECM) um Änderungen an produktionsbezogenen Daten zu dokumentieren. Diese allgemeine Funktion wird in der Standardsoftware „SAP Enterprise-Ressource-Planning (ERP)“ unter dem Modulnamen „LO-ECH“ zur Verfügung gestellt. Die Funktionalität unterstützt Änderungen von relevanten Objekten wie z.B. Materialien, Stücklisten, Aufgabenlisten oder auch Dokumenten mit einer genauen Dokumentation auf Attributsebene. Ein Beispiel verdeutlicht, wie das in der Praxis funktioniert:

Wird bei einer Lochplatte, vom Objekttyp Material, die Anordnung der Löcher rekonstruiert, muss die CAD-Zeichnung angepasst werden. Dokumentiert wird dies, indem das Revisionslevel der CAD-Zeichnung erhöht wird. Falls sich die Lochplatte in einer Stückliste befindet, müssen alle abhängigen Materialien ebenfalls revisioniert werden. Die Anpassung des CAD-Dokuments und der Stücklisten erfolgt im ERP-System in der „ERP Central Component (ECC)“. Hat ein Unternehmen ein Stammdatensystem im Einsatz, fällt die Änderung des Materials jedoch unter dessen Governance. Das Material bzw. dessen Revisionslevel werden also nicht im ERP-, sondern im Stammdatensystem, z.B. SAP MDG, angepasst. Wenn Daten wie die CAD-Zeichnung einer Lochplatte geändert und revisioniert werden, gilt das auch für den Materialstammdatensatz. Diese parallele Änderung ist zwingend erforderlich, da sich nur so Datenmissstände vermeiden lassen. Sobald also ein Objekt mit einer Änderungsnummer revisioniert wird, werden dessen Daten in ECC und MDG über das Revisionslevel des ECM automatisch miteinander verknüpft. Hier ist es wichtig, dass nicht zwingend Attribute des Materials geändert werden müssen, um das Revisionslevel zu erhöhen. Das SAP-System stellt diese Funktionalität standardmäßig bereit. Ein Blick auf das in der Fertigungsindustrie weit verbreitete Konzept des Product-Lifecycle-Management (PLM) macht allerdings deutlich, warum eine über den Standard hinausgehende Integration zwischen ECM und MDG sinnvoll ist.

Nach dem PLM-Konzept besitzt jedes Material einen Status, der die aktuelle Lebensphase beschreibt. Verwaltet wird das Material im Stammdatensystem. Die möglichen Dokumente sowie Stücklisten, in denen das Material relevant ist, werden im ECC gepflegt. Angenommen ein Material besitzt im PLM den Status „aktiv“ und es muss aus produktionstechnischen Gründen abgeändert werden. Im Einsatz befindet sich ein ECM, welches die Änderungen mit Hilfe der Änderungsnummer dokumentiert. Die im ECM erstellte Änderungsnummer wird dem Material zugeordnet und dessen Revisionslevel im MDG erhöht. Bei einer Änderung des Materials sieht das PLM-Konzept eine Statusänderung als zwingend erforderlich an, z.B. auf „in Revision“, da diese Information wichtig für die Produktion ist. So kann beispielsweise entschieden werden, dass nur noch dringliche Aufträge produziert werden. Weniger dringliche Aufträge können auf die Freigabe der neuen Revision warten.

Die Anforderungen bei Stücklistenänderungen sind komplexer. Ändert sich ein Material in der unteren Fertigungsebene, zieht sich die Revisionierung durch die gesamte Produktionstiefe im ECC. Dies bedeutet, dass alle betroffenen Materialien im MDG zugleich geändert werden müssen.

Interessant wird das Zusammenspiel, wenn das Stammdatensystem als eigenständiges System (HUB-Szenario) betrieben wird. Hier muss gewährleistet werden, dass der Änderungsnummernstamm an alle Systeme, die revisionieren dürfen, verteilt wird. Bei dem Einsatz eines PLM muss ebenfalls das Statuskonzept berücksichtigt werden. Nur so ist es möglich, die relevanten Objekte wie z.B. ein Material über heterogene Systeme hinweg zu revisionieren.

Das Zusammenspiel von ECM und MDG unter Berücksichtigung des Produktlebenszyklus-managements ist alles andere als trivial. Um Materialrevisionen über verschiedene Systeme hinweg akkurat durchführen zu können, ist es zwingend erforderlich, frühzeitig eine vollständige Übersicht zu erlangen und ein vollständiges Integrationskonzept zu entwickeln.

von Felix Schneider, Camelot ITLab GmbH

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