Kampf um die Talente

16. Mai 2008 · Länder, Märkte ·  

Der bestehende Fachkräftemangel in Deutschland droht sich aufgrund der demografischen Entwicklung weiter zu verschärfen. So werden bis zum Jahr 2010 jährlich etwa 37.000, nach 2015 sogar 43.000 Ingenieure altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Pro Jahr schließen aber nur etwa 40.000 junge Leute ihre  ingenieurwissenschaftlichen Studien-gänge ab – diese decken somit gerade einmal den Ersatzbedarf der Unternehmen. Internationale Daten der OECD bestätigen das Problem. Danach steht hierzulande aktuell weniger als ein Ingenieur im Alter zwischen 25 und 34 Jahren zur Verfügung, um einen 55- bis 64-jährigen Ingenieur zu ersetzen, wenn dieser in den Ruhestand geht. In Schweden, Portugal und Irland dagegen gibt es für jeden älteren Ingenieur mehr als vier Nachwuchs-kräfte; Frankreich und Großbritannien kommen immerhin auf etwa zwei Nachrücker je Senior-Ingenieur. Ein Grund für diese Situation: Deutsche Studenten meiden den steinigen Weg eines anspruchsvollen Ingenieur-Studiums. Zwischen 1998 und 2005 sank die Absolventenzahl in den relevanten Fächern um etwa zwölf Prozent auf gut 38.000. Zur selben Zeit verzeichnete Schweden ein Plus von mehr als 80 Prozent, Irland von etwa 50 Prozent. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat in Kooperation mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) 2.700 Unternehmen zur aktuellen Situation des Ingenieur-arbeitsmarktes befragt. Die Ergebnisse, die IW-Geschäftsführer Dr. Hans-Peter Klos anlasslich der Hannover Messe prasentierte, sind derart drastisch, dass jedes technisch ausgerichtete Unternehmen daraus Schlussfolgerungen für die Personalplanung ziehen muss. Drei von zehn Ingenieure beschäftigenden Unternehmen haben aktuell offene Stellen für Ingenieure zu besetzen. Insbesondere die Elektroindustrie und der Fahrzeugbau, aber auch die Branchen Forschung und Entwicklung sowie Datenverarbeitung und Datenbanken suchen besonders intensiv neue Ingenieurmitarbeiter. Der branchen-übergreifend hohe Anteil Ingenieure suchender Unternehmen spiegelt die seit Jahren steigende Fachkräftenachfrage im Ingenieurbereich wider. Im Branchendurchschnitt konstatieren nahezu zwei Drittel aller Ingenieure beschäftigenden Unternehmen aktuell eine schlechte oder sehr schlechte Verfügbarkeit von Ingenieuren. Selbst in der Bauwirtschaft haben sich inzwischen in einzelnen Bereichen ernstzunehmende Engpasse entwickelt. Ein derart ausgeprägter Engpass ist für den gesamten Akademiker-arbeitsmarkt singular. Im Jahr 2007 musste knapp jedes fünfte Ingenieure beschäftigende Unternehmen aufgrund der Ingenieurlücke Auftrage absagen. In jedem dritten Ingenieure beschäftigenden Unternehmen hat sich die Durchführung eines solchen Projekts verzögert. Eine Verlagerung der von Ingenieurengpassen betroffenen Unternehmensabteilungen ins Ausland wird hingegen nur von einem sehr geringen Anteil der Unternehmen in Erwägung gezogen. Als unmittelbare Konsequenz der Ingenieurlucke entging den Unternehmen im letzten Jahr Wertschöpfung von mindestens 7,2 Milliarden Euro.

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