Lieferanten- und Risikomanagement bei Leica

8. August 2017 · Beschaffungsprozess, IT&TK, Länder, Unternehmen ·  

Die modernen und globalen Liefernetzwerke sind komplex und störungsanfällig. Wie viele Unternehmen war auch die Leica Camera AG von der Flut in Thailand oder der Erdbeben-Katastrophe in Japan mit ansässigen Lieferanten in diesen Regionen betroffen. Als Konsequenz aus den überstandenen Krisen formulierte das Unternehmen Anforderungen an ein ganzheitliches Supply Chain Risk Management: Leica wollte den manuellen Aufwand reduzieren, die Informationsbeschaffung automatisieren, ein präventives Vorsorge und Frühwarnsystem zur Sicherung der Versorgung einrichten, alle Lieferanten bis in die zweite Ebene monitoren und das Risikomanagement in das Lieferantenmanagement integrieren.

Die Lösung
Die Leica Camera AG überwacht Risiken entlang der weltweiten Lieferketten bis in die Sub-Lieferantenstrukturen. Hierbei werden auch Produktionsstätten und logistische Knotenpunkte berücksichtigt. Um die monetären Auswirkungen möglicher Risiken auf Umsatz und Unternehmenserfolg zu kennen, bewertet Leica die Kritikalität und mögliches Schadens-ausmaß. Durch gezielte Maßnahmenplanung lässt sich die Risikoprävention und Krisen-reaktion effektiv steuern. Das Risikomanagement ist zusätzlich in die Sourcing- und Lieferantenmanagement-Prozesse mit eingebunden und im Tagesgeschäft des Einkaufs etabliert.

Mit dem ganzheitlichen Risikomanagement-Ansatz schafft die Leica Camera AG Transparenz über Gefährdungen und Abhängigkeiten. Ein Frühwarnsystem ermöglicht ein schnelles Eingreifen, um die Unterbrechung der Lieferkette zu verhindern. Zusätzlich werden Maßnahmen im Rahmen der Risikoprävention und Lieferantenentwicklung geplant und umgesetzt – das stellt die Produktion langfristig sicher und hält die Qualität auf hohem Niveau.

Risikoüberwachung und -bewertung bis in die Sub-Lieferantenstrukturen
Die Leica Camera AG überwacht aktuell alle direkten Lieferanten im riskmethods Risk Radar. Folgende Funktionen nutzt Leica, um das Risikomanagement erfolgreich in der Praxis umzusetzen:
• Visualisierung von Lieferketten auf der interaktiven Weltkarte zur Identifizierung von Risiken und Abhängigkeiten
• Risiko-Scorecard mit über 80 Risikoindikatoren (Lieferanten-, Standort-, Länder-, Waren-gruppenrisiken) zur Abdeckung aller relevanter Risiken
• Automatisierte Anbindung von Datenquellen sowie riskmethods Risk Intelligence Service mit Überwachung von Online, News und Sozialen Medien im gesamten World Wide Web zur Identifikation von aktuellen und sich künftig abzeichnenden Risikosituationen
• 100% automatisiertes Frühwarnsystem mit Noise-Cancellation ermöglicht den Fokus auf die relevante Risikoüberwachung aller versorgungs- und imagerelevanten Aspekte abzudecken

Leica hat den riskmethods Supply Chain Identification Service in Anspruch genommen, um die Lieferanten der Tier-Zwei-Ebene identifizieren zu lassen und so Transparenz entlang der kompletten Lieferkette zu schaffen.

”Risikomanagement ist für uns keine Stand-Alone-Lösung, sondern fester Bestandteil und wettbewerbsentscheidender Baustein im strategischen Einkauf,“ so Ulrich Weigel, Bereichsleiter Einkauf & Vice COO, Leica Camera AG

Transparenz durch Bewertung des Schadensausmaßes
Für die Leica AG ist es nicht nur relevant Risiken frühzeitig zu identifizieren, sondern auch die monetären Konsequenzen bei einem möglichen Lieferantenausfall zu kennen. Nur so können faktenbasiert geeignete Präventionsmaßnahmen sowie Abläufe für den Krisenfall aufgesetzt werden. Eine erste Evaluierung ergab: Bei einigen strategischen Lieferanten waren extrem hohe Abhängigkeiten gegeben und eine Ersatzbeschaffung würde mindestens zwölf Monate dauern. Leica führt die Bewertung von Kritikalität und Schadensausmaß im riskmethods Impact Analyzer durch und ergründet so die Anzahl der qualifizierten Alternativlieferanten, den Wiederherstellungszeitraum (Total Time to Recovery) sowie die Substituierbarkeit bzw. den Verlagerungszeitraum (Relocation Time).

Die Ergebnisse der Kritikalitätsbewertung aus dem Impact Analyzer werden mit dem Risk Score aus dem Risk Radar (Gefährdung) kombiniert und anhand einer Portfolio-Grafik dargestellt. Leica verzahnt das Vorgehen mit dem strategischen Warengruppenmanagement und führt diese Vorgehensweise für jede Warengruppe durch.

Zusammenspiel von Lieferanten- und Risikomanagement
Risikomanagement bedeutet für Leica die Basis für robuste und flexible Supply Chains und ist daher Teil des strategischen Sourcings und Lieferantenmanagements. Im Rahmen von Sourcing und Lieferantenauswahl werden Risikoprofile potenzieller Lieferanten analysiert. Darüber hinaus fließen Risikoinformationen in die Lieferantenentwicklung ein, um langfristige Maßnahmen mit Lieferanten zu planen. Leica hat die Lieferantenentwicklung zudem erweitert um risikomindernde Maßnahmen – zur Risikoprävention und zur schnellen Krisenreaktion.

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