Logistik in der Cloud – worauf zu achten ist


Eines ist allgegenwärtig: Die Anforderungen an die Logistik steigen weltweit. Kunden fordern immer schnellere und flexiblere Lieferungen. Und wie reagieren Logistiker? Sie vernetzen ihre Supply Chain und suchen nach der Nadel im Heuhaufen, wenn es um die Optimierung ihrer Lieferkette geht. Um die dabei entstehende Datenflut zu bewältigen, setzen viele Unter-nehmen auf das Outsourcing ihrer IT-Leistungen. Doch worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl ihres Cloud-Anbieters achten? Und wann sind die sensiblen Daten in der digitalen Wolke wirklich sicher?

Fakt ist: 82 % der Unternehmen haben Teile ihrer IT bereits ausgelagert. Am häufigsten werden externe IT-Dienstleister von Unternehmen aus der Transport- und Logistikbranche (82 %) sowie dem Handel (83 %) in Anspruch genommen. Diese Zahlen aus dem Bitkom Digital Office Index 2016 belegen ein Umdenken der deutschen Logistikunternehmen, das vor einigen Jahren noch nicht zu erwarten war. Aufgrund des enormen Optimierungsdrucks in der Logistik entwickeln Unternehmen immer neue Lösungen, um die Lieferkette noch effizienter zu gestalten. Smart und kommunizierend sollen alle Stationen der Wertschöpfungskette sein. Die dabei entstehenden Daten lassen sich nur mit IT-Infrastrukturen beherrschen, die technisch auf dem neuesten Stand sind.

Zur Unterstützung einer smarten Logistikwelt müssen IT-Infrastrukturen einige grundlegende Anforderungen erfüllen. An vorderster Stelle stehen die Flexibilität und die Skalierbarkeit der IT-Strukturen. „Die IT muss sich dem Wachstum des Unternehmens anpassen“, erklärt Jens Heinrich, Geschäftsführer von Ehrhardt + Partner Xtended (EPX), den „Pay as you grow“-Gedanken dahinter. In seinem Job beschäftigt er sich täglich mit den IT-Strukturen in der Logistik. Deshalb weiß er: „Eine hohe Performance und die permanente Verfügbarkeit der Daten sind unverzichtbar.“ Unternehmen benötigen einen sicheren Zugriff auf ein geschütztes und zentrales System. Idealerweise ist die IT-Struktur auch orts- und zeitunabhängig mit mobilen Endgeräten ansteuerbar. Mobile Betriebssysteme funktionieren heute schon nach dem innovativen „Bring your own device“-Konzept. Mitarbeiter haben damit im besten Falle sogar von ihrem Smartphone aus Zugriff auf Lagerprozesse. „Jedes Unternehmen muss sich überlegen, ob es eine solche IT-Infrastruktur selbst aufbauen kann oder lieber mit ganz-heitlichen Lösungsexperten zusammenarbeitet“, sagt Heinrich.

Auf das Kerngeschäft konzentrieren
Viele Logistiker haben selbst nicht das Know-how, um eine funktionierende IT-Infrastruktur aufzubauen oder aufrechtzuerhalten. Installationen, Updates, zeitintensives Management und die Anschaffungskosten von immer neuer Hardware stellen Unternehmen vor große Hürden. Externe Dienstleister ermöglichen deshalb insbesondere kleineren Unternehmen den Zugriff auf technische Lösungen, deren Entwicklung und Instandhaltung in der Regel weit über die Möglichkeiten einer unternehmenseigenen Fachkraft hinausgehen. Deshalb mieten Logistiker IT-Kapazitäten in der Cloud. „Die Serverschränke stehen in Hochsicherheitsrechenzentren. Benötigt ein Unternehmen weitere Kapazitäten, wird einfach ein neuer Platz in der Cloud freigeschaltet“, erklärt Heinrich. So sparen Unternehmen die Anschaffung von teurer Hardware. Durch den ständigen Support des Dienstleisters sind Sicherheit und der professionelle Betrieb der IT-Struktur jederzeit gegeben. „Der Logistiker konzentriert sich dann voll und ganz auf sein Kerngeschäft“, sagt Heinrich.

Bei der Auswahl des richtigen IT-Partners müssen Unternehmen einige grundlegende Entscheidungen treffen. Wo sollen die Daten verwaltet werden? Gibt es von diesem Ort geschützte Verbindungen zum Logistikzentrum? Und reicht die Performance sicher aus? „Die IT ist heute unternehmenskritisch. Steht sie einige Stunden lang nicht zur Verfügung, kann das zu Lieferschwierigkeiten oder Produktionsausfällen führen“, erklärt Jens Heinrich. Um das zu vermeiden, werden die Daten idealerweise in Deutschland gehostet und über gelenkte Datenleitungen mit den Standorten des Kunden verbunden. Aufgrund der Speicherung der Daten in einem deutschen Rechenzentrum sowie der Punkt-zu-Punkt-Übertragung der Daten über gelenkte Leitungen fallen diese unter den besonderen Schutz des deutschen Daten-schutzrechts. Für eine ausreichende Performance der Systeme sorgen hochredundante Server, wie beispielsweise die IBM-Pureflex-Systeme. Nur mit doppelt abgespeicherten Daten lassen sich Ausfälle im Logistikablauf vermeiden. Spezialisierte Anbieter spiegeln alle Daten an verschiedenen Orten. Im Brandfall oder bei einer anderen Katastrophe schalten die Server direkt auf die Backups um. Eine sensible Brandfrüherkennung und hochmoderne Lösch-anlagen schützen im Notfall die Daten. Die Stromversorgung muss ebenfalls hochredundant sein. Ein Stromausfall kann zu einem erheblichen Datenverlust führen. Moderne Rechen-zentren verfügen beispielsweise über Notstromdieselaggregate, die für bis zu vier Tage eine autonome Stromversorgung sicherstellen. Zusätzlich zu den technischen Sicherungen gibt es auch physische Schutzeinrichtungen: Sicherheitszäune, Stahldraht und Blitzableiter sind heute der Standard. Idealerweise gewährt ein Zutrittskontrollsystem nur autorisierten Nutzern Zugang. Solche Rechenzentren sind Tier-3+-klassifiziert sowie nach der ISO-Norm 27001 zertifiziert. Ein hoher Schutz ist somit gewährleistet.

Prozessoptimierung mit der Cloud
Die Entscheidung für eine passende IT-Infrastruktur öffnet Unternehmen neue Türen. Mit Hilfe eines in der Cloud gehosteten Supply-Chain-Execution-Systems (SES) oder anderer Software wie beispielsweise Lagerverwaltungssystemen lassen sich auch alle Daten von weiteren Logistikelementen in der Cloud erfassen. „Alles, was sich bewegt, kommuniziert idealerweise mit einer zentralen Software, die in der Cloud liegt. Mit dem dabei entstehenden Datenschatz lässt sich ein Mehrwert generieren, der die Leistungsfähigkeit von Logistikern erheblich steigert“, sagt Jens Heinrich. „Aus diesen zentralen Datenquellen heraus werden künftig viele innovative Lösungen entstehen.“ Experten fassen dieses Thema unter dem Stichwort Predictive Analysis zusammen. Erfahrungswerte in Form von gesammelten Daten werden genutzt, um Vorhersagen für künftige Entscheidungen zu treffen. So werden nach und nach alle logistischen Prozesse wie beispielsweise Platzbelegungen im Lager optimiert, um etwa den Kommissionieraufwand zu minimieren. Auch moderne Apps, die LKW-Fahrer auf ihren Touren unterstützen, profitieren von der zentralen Datenanalyse. In Echtzeit bekommt der Fahrer Informationen zu seiner Route. Änderungen im Lieferablauf kann er dann sofort berücksichtigen. Die Gedanken der Entwickler führen längst schon weit über die Welt der Logistik hinaus, wie Heinrich erklärt: „Immer öfter werden ganze ERP-Systeme nach diesem Muster in die Firmen-Cloud ausgelagert.“

Umdenken in den Unternehmen
Die Akzeptanz von Cloud-Lösungen steigt derzeit von Woche zu Woche. „Früher galt die Cloud als unsicher. Heute ist es umgekehrt: Die Lösungen in der Cloud erfüllen meist wesentlich höhere Sicherheitsstandards als selbst betriebene Lösungen“, sagt Heinrich. „Seitdem Cloud-Lösungen im privaten Bereich ohne Probleme funktionieren, findet auch bei vielen Unternehmen ein Umdenken statt.“ Für die Zukunft sind noch weitere Steigerungen der Geschwindigkeit zu erwarten. Auch die Netzabdeckung wird immer besser. „Die Cloud ist Teil der Zukunft“, ist Heinrich überzeugt. „Das Private Hosting ist für Unternehmen strategisch bedeutend. Auf Dauer führt kein Weg an der Cloud vorbei.“

Bild: Zur Unterstützung einer smarten Logistikwelt müssen IT-Infrastrukturen einige grundlegende Anforderungen erfüllen; Foto: Ehrhardt + Partner GmbH & Co. KG/ iStock/12349037_lowres_lowres

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