Öko-Einkauf bietet Sparpotenzial
In öffentlichen Dienst kommt ein systematisches Umweltmanagement beim Einkauf bislang zu kurz. Deutsche Behörden berücksichtigen ökologische Aspekte bei der Beschaffung seltener als öffentliche Einrichtungen anderer europäischer Länder.
Während der Anteil der umweltfreundlichen Güter am öffentlichen Beschaffungsvolumen im Vereinigten Königreich 74 Prozent erreicht, liegt der Vergleichswert für Deutschland nur bei 30 Prozent. Dies geht aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor. Im Durchschnitt kommen die sieben analysierten EU-Staaten auf eine Quote von 45 Prozent.
„Auf Ausgaben des öffentlichen Sektors für Waren und Dienstleistungen entfallen etwa 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in der Europäischen Union. Eine konsequent an ökologischen Kriterien ausgerichtete Einkaufspolitik hätte daher erhebliche Bedeutung für Umwelt- und Klimaschutz“, sagt Stefan Calvi, verantwortlich für den Bereich Sustainable Business Solutions (SBS) Advisory bei PwC in Deutschland.
Im Jahr 2006/2007 brachte der Einkauf umweltfreundlicher Waren und Leistungen („Green Public Procurement“) gegenüber einer rein konventionellen Beschaffung in den sieben analysierten EU-Staaten eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 25 Prozent. Mit einer Emissionsreduzierung um 47 Prozent fiel der Einspareffekt in den Niederlanden am deutlichsten aus, während die öffentliche Hand in Deutschland den CO2-Ausstoß durch umweltfreundliche Beschaffung nur um neun Prozent senken konnte.
Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht ist der Einkauf ökologisch vorteilhafter Produkte für die öffentliche Hand nicht teurer, sondern im Gegenteil sogar günstiger als die Beschaffung konventioneller Waren und Dienstleistungen: „Dem höheren Einkaufspreis für umweltfreundliche Güter stehen in der Regel niedrigere Betriebskosten gegenüber. Das lässt sich insbesondere für die Bereiche Bau und Transport nachweisen“, sagt Stefan Calvi. Die erzielten Einsparungen beliefen sich im Durchschnitt der sieben Länder auf 1,2 Prozent, im Vereinigten Königreich sogar auf 5,7 Prozent. In Deutschland lag das realisierte Einsparvolumen bei gut 0,3 Prozent.
An der Studie beteiligten sich 1.105 öffentliche Institutionen in Deutschland, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Österreich, Schweden und dem Vereinigten Königreich. Die Einrichtungen sollten für zehn ausgewählte Produktgruppen angeben, ob und in wie weit ökologische Kriterien bei der Beschaffung berücksichtigt wurden. Im Jahr 2010 soll die Umfrage wiederholt und auf alle 27 EU-Mitgliedsstaaten ausgedehnt werden.
Umweltmanagement kommt zu kurz
Zwar achten die meisten befragten öffentlichen Institutionen bei der Beschaffung auch auf ökologische Kriterien. Ein systematisches Umweltmanagement beim Einkauf ist jedoch die Ausnahme. Im Länderdurchschnitt verfügen nur 24 Prozent der Befragten über eine entsprechende Einrichtung (Deutschland: neun Prozent).
Umweltaspekte in ihren Einkaufsrichtlinien haben 71 Prozent der öffentlichen Einrichtungen (Deutschland: 72 Prozent) aufgenommen, aber nur in 31 Prozent der Verwaltungen existiert ein Aktionsplan mit konkreten Zielvorgaben für die Beschaffung umweltgerechter Waren und Dienstleistungen (Deutschland: 20 Prozent).
Jede fünfte öffentliche Institution berücksichtigt Umwelteigenschaften bei der Beschaffung selten oder sogar nie. Überdurchschnittlich schwach schneidet hier Finnland ab (46 Prozent), während in Dänemark nur sechs Prozent der öffentlichen Einrichtungen selten ökologische Aspekte in die Kaufentscheidung einbeziehen. In Deutschland werden Umwelt- und Klimaschutzaspekte von 16 Prozent der befragten Institutionen weitgehend ignoriert.
Nachholbedarf bei regenerativen Energien
Weit über 90 Prozent der CO2-Emissionen öffentlicher Einrichtungen entfallen auf den Verbrauch von Strom und Heizenergie. Entsprechend hoch ist das Einsparpotenzial durch eine umweltgerechte Beschaffung. Strom aus erneuerbaren Energiequellen beispielsweise fließt noch längst nicht in jeder öffentlichen Einrichtung. In Deutschland hat nur jede vierte Behörde (26 Prozent) einen entsprechenden Liefervertrag abgeschlossen, während im Vereinigten Königreich immerhin zwei von drei Einrichtungen ihren Strom ganz oder zumindest teilweise von alternativen Anbietern beziehen. Führend sind Österreich (88 Prozent) und die Niederlande (80 Prozent).
Die Studie „Collection of statistical information on Green Public Procurement in the EU“ steht kostenfrei unter folgendem Link zur Verfügung: www.pwc.de/de/sustainability
Bild: Ökologische Produkte sind nicht nur unter Umwelt- und Tierschutzaspekten wichtig, sondern sie sind günstiger in der Beschaffung als der Einkauf konventioneller Waren
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