Professionalität zahlt sich für Einkäufer nicht aus

Branche, Alter, Geschlecht, Unternehmensgröße und weitere Sekundärmerkmale entscheiden über die Bezahlung österreichischer Einkäufer. Keinen messbaren Einfluss hat dagegen der Professionalisierungsgrad der Einkaufsabteilung. Das ist das Ergebnis der Einkäufer-Gehaltsstudie 2016 in Österreich des Forum Einkauf im ÖPWZ sowie der Personal- und Change-Management-Beratung Penning Consulting.

„Professionalisierung zahlt sich für Einkäufer nicht aus“, sagt Stephan Penning, Studienleiter und Geschäftsführer von Penning Consulting. Grundsätzlich gilt: Wer älter ist, verdient mehr. Wer in einem größeren Unternehmen arbeitet, verdient mehr. Wer männlich ist, verdient deutlich mehr. Ein Zusammenhang zwischen den Reifegraden von Einkaufsabteilungen – von einem einfachen, durch interne Bedarfsträger gesteuerten Einkauf bis hin zu einem hoch professionell geführten, teilautomatisierten Einkauf – und dem Gehaltsniveau über alle Hierarchieebenen hinweg ist jedoch statistisch nicht signifikant nachweisbar. Penning sagt: „Unternehmen setzen die falschen Anreize, verschenken Leistungspotenzial und verlieren so bares Geld.“

Gehaltsniveau wird durch Unternehmensgröße, Geschlecht und Branche bestimmt
Im Durchschnitt beziehen Einkaufschefs ein Bruttojahresgehalt inklusive aller variablen Bestandteile in Höhe von 84.527€, strategische Einkäufer 58.908€, Facheinkäufer 46.152€ und Sachbearbeiter 39.775€. Vor allem bei den Einkaufsleitern macht sich die Größe des Unternehmens, für das sie tätig sind, in ihrem Gehalt bemerkbar. So verdienen 78 Prozent der Chefeinkäufer in großen Unternehmen mit mehr als tausend Mitarbeitern mehr als 90.000€, davon 44 Prozent sogar mehr als 120.000€. In kleinen Unternehmen mit weniger als tausend Mitarbeitern verdienen dagegen gerade einmal 1,5 Prozent der Einkaufsleiter mehr als 120.000€ und nur 32 Prozent mehr als 90.000€. Insgesamt liegt der Mittelwert bei großen Unternehmen bei 124.167€, bei kleinen Unternehmen bei 79.039€. So entscheidet die Unternehmensgröße auf der Leitungsebene über eine durchschnittliche Gehaltslücke von rund 45.000€.

Eine ähnlich große Kluft tut sich auf, wenn man die Positionen nach Geschlechtern differenziert. So hat bereits im Jahr 2013, in der letzten Einkäufer-Gehaltsstudie, eine Differenz von 8.889€ zwischen männlichen und weiblichen Einkaufschefs bestanden. Diese hat sich noch einmal deutlich erhöht: Männer in der Führungsposition verdienen durchschnitt-lich 24.557€ mehr als ihre weiblichen Kolleginnen. Und das, obwohl es insgesamt auf der Ebene der Einkaufsleitung nur 9,3 Prozent Frauen gibt. Insgesamt beziehen männliche Einkäufer durchschnittlich ein Gehalt von 74.703€, Einkäuferinnen nur von 52.840€. „In der Öffentlichkeit reden Unternehmen zunehmend über die Relevanz von Diversity, insbesondere von Frauen in der Wirtschaft. Dies erscheint als bloße Rhetorik, wenn man die Realität im Unternehmensalltag betrachtet. Gerade diejenigen Frauen, die sich bis auf die Leitungsebene durchbeißen, werden nicht für ihren Einsatz belohnt. Dabei ist diese ausgeprägte Gehalts-differenz sachlich nicht begründbar“, sagt Stephan Penning.

Deutliche Unterschiede lassen sich zudem in den Branchen feststellen. So liegt der Gehalts-durchschnitt über alle Positionen hinweg in der Automobil- (97.011€) und der Chemieindustrie (94.333€) besonders hoch, in IT-Unternehmen (47.000€) oder der öffentlichen Hand (43.800€) wird deutlich schlechter vergütet.

Vergütung stagniert – trotz steigender Gehaltserwartungen am Bewerbermarkt
Trotz der hohen Nachfrage nach Einkäufern auf dem Arbeitsmarkt, ist das Gehaltsniveau insgesamt über die letzten fünf Jahre nicht gestiegen. So verdienen Einkaufschefs mehr oder weniger das gleiche wie im Jahr 2011, strategische Einkäufer nur rund neun Prozent und Facheinkäufer drei Prozent mehr. Einzig bei Sachbearbeitern ist das Gehalt in fünf Jahren um mehr als 20 Prozent gestiegen. „Diese Erkenntnis hat uns sehr erstaunt“, sagt Stephan Penning. „ Österreichischen Unternehmen ist es zwar gelungen, die Besetzungszeiten für Einkaufsleiter aufgrund von professionalisierten Rekrutierungsprozessen deutlich zu verkürzen. Gleichwohl haben uns viele Befragte von nach wie vor anhaltenden Schwierig-keiten berichtet, Vakanzen zügig und zielgerichtet zu besetzen. Und das bei gleichzeitiger Erwartungshaltung deutlich höherer Vergütung seitens der Kandidaten.“ Insgesamt haben 57 Prozent der Befragten angegeben, dass die Gehaltsvorstellungen gestiegen sind. „Dies steht allerdings im Kontrast zu den stagnierenden Gehaltsniveaus der Einkäufer. Es ist zu erwarten, dass es Unternehmen nach wie vor schwer fallen wird, ihre Stellen zu besetzen. Und dass sich vor allem sehr gute Kandidaten kaum bereit sein werden, sich zu einem anderen Arbeitgeber zu bewegen.“

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