Stabilisierung des Lagerzyklus im Stahlmarkt
„Nach dem tiefen Sturz 2009 mit einem Minus von 28 Prozent auf knapp 33 Millionen Tonnen Rohstahl wird die Stahlproduktion in Deutschland 2010 wieder wachsen. Wir erwarten eine Zunahme zwischen 10 und 15 Prozent auf dann 36 bis 38 Millionen Tonnen“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereiningung Stahl, am 21. Dezember in Düsseldorf.
Trotz dieser positiven Erwartung würden die Rahmenbedingungen für die Stahlunter- nehmen in Deutschland auch im kommenden Jahr unverändert herausfordernd sein: Nachfrage und Produktion blieben bei Eintreffen der Prognose noch unterhalb ihres langfristigen Trends. „Eine Rückkehr zum Trendwachstum ist frühestens 2011 zu erreichen“, hofft der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.
Der erwartete Zuwachs 2010 gründe sich vor allem auf die Stabilisierung des Lagerzyklus. In der ersten Jahreshälfte 2009 hatte der Abbau von Lagerbeständen bei Stahlhändlern und Stahlverarbeitern die Stahlkonjunktur erheblich belastet. Beim Stahlbedarf wurde nur Stagnation unterstellt. Zwar hätten sich bei vielen stahlverarbeitenden Branchen in den letzten Monaten die Signale gemehrt, dass der Tiefpunkt durchschritten sei. „Die Lage ist jedoch weiterhin fragil und der Erholungsprozess noch nicht selbsttragend“, sagte Kerkhoff.
2010 lägen Aufwärtschancen und Risiken dicht nebeneinander. Auf der einen Seite scheine eine bessere Entwicklung möglich, sofern sich die Weltkonjunktur zügiger als erwartet erholt, das Vertrauen auf den Finanzmärkten sich festigt und die Zuversicht der Verbraucher erhalten bleibt. Sorge bereite auf der anderen Seite die sich zuspitzende Finanzierungs- situation in einigen stahlverarbeitenden Branchen.
Risiken für die Stahlkonjunktur ergeben sich auch aus volatilen Rohstoffpreisen, die trotz der veränderten konjunkturellen Lage nach wie vor auf einem im langjährigen Vergleich sehr hohen Niveau liegen.
Weltweit erhole sich die Stahlnachfrage derzeit schneller als erwartet. Eine besondere Rolle komme China zu, wo das Stahlmarktvolumen in diesem Jahr – dank eines umfangreichen, auch auf die Stahlindustrie zugeschnittenen Konjunkturprogramms – um mehr als 20 Prozent wächst. Auch 2010 werde der chinesische Stahlmarkt, wenn auch abgeschwächt, weiter wachsen.
In den meisten anderen aufstrebenden Volkswirtschaften, insbesondere in Asien, Südamerika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika, nimmt die Stahl- konjunktur ebenfalls im kommenden Jahr wieder mehr Fahrt auf. Die Welt-Stahlnachfrage werde voraussichtlich bereits in 2010 wieder zu dem Vorkrisen-Niveau aus dem Jahre 2007 zurückkehren.
„Im nächsten Jahr gehen weiterhin erhebliche Risiken vom Außenhandel aus“, prognos- tiziert Hans Jürgen Kerkhoff. Weltweit nähmen die Rohstahlkapazitäten zu. Allein in China würden 2010 weitere 40 Millionen Tonnen Rohstahl zusätzlich produziert werden können. Ein erneutes Anziehen der chinesischen Exporte, die 2009 stark abgenommen haben, scheine daher möglich. Anzeichen für eine erneute Trendwende im chinesischen Außenhandel seien bereits seit August erkennbar.
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