Stahl- und Metallverarbeiter gut gerüstet

28. Oktober 2008 · Märkte ·  

Über 90 Prozent der Inhaber und Geschäftsführer der deutschen Stahl- und Metallverarbeitung sehen ihre Unternehmen für die kommenden zwölf Monate gut aufgestellt. Das hat eine nicht-repräsentative Blitzumfrage unter den Mitgliedsfirmen des WSM Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung, Düsseldorf, ergeben. Zwar erwartet jeder zweite Befragte, dass die aktuelle Finanzkrise in den kommenden Monaten zu einer allgemeinen Kreditklemme führen könnte. Allerdings berichtet derzeit nur jedes zehnte befragte Unternehmen von erschwerten Bedingungen bei der Kreditaufnahme oder von Versuchen der Banken, bestehende Konditionsvereinbarungen nachzuverhandeln. „Die Unternehmen unserer Branche haben sich in den vergangenen Jahren gut aufgestellt und Vorbereitungen für schwerere Zeiten getroffen. Für die meisten sind es daher auch nicht Auswirkungen der Finanzkrise, die sich nun ankündigen, sondern ein normaler zyklischer Abschwung“, sagt Ulrich Galladé, Präsident des WSM Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung.

Die Finanzkrise sei eine Krise des Finanzsektors. „Dort ist viel Vertrauen verspielt worden – nicht dagegen in der deutschen Industrie“, so Galladé. Insbesondere kritisiert Galladé das Rating von Bankprodukten: „Hätten Banken und Ratingagenturen die Ansprüche und Forderungen nach Bonitätsprüfungen, Zertifizierungen, Sicherheiten etc., die sie an ihre Unternehmenskunden stellen, bei sich selbst angewendet, dann hätten wir heute keine Finanzmarktkrise. Da ist mit zweierlei Maß gemessen worden.“

Für den kommenden Abschwung sei der industrielle Mittelstand in Deutschland insgesamt gut aufgestellt. Auch ohne die derzeit diskutierten staatlichen Hilfen. Galladé: „Wir brauchen keine Konjunkturprogramme und Subventionen, wir brauchen Entlastungen. Die Entlastungen werden umgesetzt in Innovationen und schaffen die Voraussetzungen für den Aufschwung nach dem Abschwung.“ Konkret fordert der WSM die Abschaffung – und nicht nur die Abschmelzung – der Erbschaftssteuer. „Der Verzicht auf die Erbschaftssteuer wäre ein starkes Signal an den Mittelstand, das Vertrauen in die Politik stärken und für Wachstum sorgen würde.“ Oder die angedachte Ausweitung des CO2-Emissionshandels auf den Mittelstand: „Allein die bürokratischen Anforderungen hätten schwerwiegende Folgen für viele Unternehmen, die in keinem Verhältnis zum Klimanutzen stünden“, sagt Galladé. Gleiches gelte für die geplante Ausweitung der Börsenbilanzstandards IAS/IFRS auf mittelständische, börsenunabhängige Unternehmen. Galladé: „Die aktuelle Krise zeigt uns, dass diese Bilanzierungsregeln sehr unvollkommen sind. Entsprechend falsch wäre es, sie einfach auf den börsenunabhängigen Mittelstand zu übertragen.“

An die Gewerkschaften appelliert Galladé, die aktuelle Tarifforderung von 8 Prozent ad acta zu legen: „Wir wollen Arbeitsplätze sichern. Nur darüber können wir aktuell reden und da ist die Zukunft entscheidend. Nicht das, was war. Ausbleibende Aufträge, politisch gewollte Belastungen in 2009, etwa bei den Energiekosten, und der anstehende Abschwung – das passt nicht zu Forderungen nach Lohnerhöhungen. Das Fass ist jetzt schon voll.“

Noch seien die Unternehmen der Branche zwar gut ausgelastet. Die Produktion konnte in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch einmal um 4,1 Prozent zulegen, der Umsatz stieg entsprechend um 4,2 Prozent. Und noch seien die Auftragsbücher nicht abgearbeitet.

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Allerdings zeige die Entwicklung bei den Auftragseingängen, dass das überdurchschnittliche Wachstum der vergangenen Jahre nicht gehalten werden kann: Von Januar bis September konnten die Unternehmen lediglich 0,3 Prozent mehr Aufträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnen. Galladé: „Wir bewegen uns auf einem hohen Niveau, daher ist die Entwicklung der Auftragseingänge nicht dramatisch. Allerdings gibt es Anzeichen aus der Branche, dass das laufende vierte Quartal den bislang guten Jahresschnitt doch relativ stark belasten könnte.“ Der WSM bleibe zwar bei seiner Prognose, dass das Produktionswachstum 2008 bei 4 Prozent liegen wird, „aber niemand kann derzeit genau sagen, was in den nächsten Wochen noch passieren wird. Daher ist dies aus heutiger Sicht eine eher optimistische Prognose“, so Galladé. Für 2009 erwarte der WSM maximal eine Stagnation der Produktion auf dem Niveau von 2008 – „wenn denn die Rahmenbedingungen stimmen“.

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