Strategische Allianz von Daimler und Evonik
Die Evonik Industries AG, Essen, und die Daimler AG, Stuttgart, wollen den Energiespeicher der Zukunft gemeinsam entwickeln. Die Daimler AG übernimmt 49,9 Prozent an der Li-Tec Vermögensverwaltung GmbH. Li-Tec Zellen sollen kurzfristig in Elektrofahrzeugen von Mercedes-Benz Cars eingesetzt werden.
Damit sei ein wichtiger Meilenstein für die Serienfertigung von Elektrofahrzeugen erreicht. Evonik habe auf dem Weg zur Technologieführerschaft in den vergangenen Jahren rund 80 Millionen Euro investiert. „Evonik ist das einzige Unternehmen, das eine kommerzielle Serienfertigung für Batteriezellen dieser Art auf die Beine stellen kann“, so Werner Müller, Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries AG. „Wir werden auch weiterhin konsequent in relevante Zukunftstechnologien investieren. Mehr als 600 Patente zu batteriegetriebenen Fahrzeugen haben Daimler-Ingenieure in den letzten 30 Jahren angemeldet – davon über 230 auf dem Gebiet der Lithium-Ionen-Technologie“, sagt Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars.
Als Erfolgsfaktor für die weitere Entwicklung wird die zum Evonik-Konzern gehörende Li-Tec gesehen. Zum 15. Dezember 2008 übernimmt die Daimler AG 49,9 Prozent an der Li-Tec Vermögensverwaltung GmbH (Li-Tec). Evonik Industries AG hält bereits 50,1 Prozent. Beide Partner streben die Beteiligung eines dritten Gesellschafters für Li-Tec an, der über Kompetenzen in der Systemintegration Elektrik/Elektronik verfügt. Darüber hinaus werden die Unternehmen zusammen ein Joint-Venture gründen, mit klarem Fokus auf der Entwicklung und Produktion von Batterien und Batteriesystemen für automobile Anwendungen. An diesem Joint-Venture werden Daimler 90 Prozent und Evonik 10 Prozent halten.
Die vom Joint-Venture produzierten Lithium-Ionen Batterien sollen sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeug-Bereich verbaut werden. Die verfügbaren Kapazitäten von Li-Tec und dem Joint-Venture sind zunächst auf den Bedarf der Daimler AG konzentriert. Darüber hinaus ist aber auch der Verkauf von Zellen und Batteriesystemen an Dritte vorgesehen.
„Mit uns gibt es den Elektroantrieb für alle – alltagstauglich, sicher, bezahlbar“, sagte Evonik-Chef Müller. Die heutigen Li-Tec-Zellen sind aufgrund des technischen Konzeptes mit einem keramischen Separator von Evonik am besten für Elektrofahrzeuge geeignet. Die im weltweiten Vergleich führende Flachzelle ermöglicht eine hohe Energiedichte bei gleichzeitig kompakten Abmessungen und hervorragender Sicherheit, die beim Einsatz von Batterien mit hoher Energiedichte oberste Priorität haben muss. Die Lithium-Ionen Flachzellenbatterie der ersten Generation soll kurzfristig bei Elektroautos von Mercedes-Benz Cars eingesetzt werden.
Daimler betreibt bereits seit Ende der 1970er Jahre intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu batteriebetriebenen Fahrzeugen. Dazu gehört neben Fahrzeugkonzepten auch die Weiterentwicklung einzelner Schlüsselkomponenten wie Elektromotoren oder Energiespeicher. „Der Energiespeicher ist das Herzstück der Fahrzeug-Elektrifizierung und damit die Schlüsselkomponente für nachhaltige Mobilität“, so Zetsche. Weitere Fortschritte bei der Speicherung von elektrischer Energie im Auto verspricht das von Daimler in die Kooperation eingebrachte Konzept der Rahmenflachzelle. Diese ist nach dem Grundprinzip eines Brennstoffzellen-Stacks konstruiert und ermöglicht eine standardisierte Fertigung innerhalb eines Baukastensystems.
„Mit unserem gemeinsamen Engagement bestätigen wir einmal mehr die Innovationsstärke der deutschen Industrie“, so Müller und Zetsche bei der Pressekonferenz. „Gleichzeitig schreiben Daimler und Evonik damit ein weiteres Stück Industriegeschichte. Wir holen eine Technologie zurück nach Deutschland, die es hier schon lange nicht mehr gegeben hat.“
Der Wandel in der Automobilindustrie steigert die Nachfrage für saubere und effiziente Fahrzeuge. Prognosen zufolge soll das Marktvolumen für leistungsstarke Lithium-Ionen Batterien im nächsten Jahrzehnt die Schwelle von zehn Milliarden Euro übersteigen, das für Batteriematerialien vier Milliarden Euro.
Allein in Deutschland sollen nach dem Willen der Bundesregierung bis zum Jahr 2020 mindestens eine Million Elektroautos das Straßenbild in Städten prägen. „Von dieser Entwicklung wird die Kooperation stark profitieren“, sagte Müller. Die Zahl der Arbeitsplätze allein für die Schlüsseltechnologie von Evonik soll langfristig von heute gut 100 auf über 1.000 ansteigen. „Das ist auch ein klares Bekenntnis zum Ausbau der Produktion in Deutschland“, so Müller. Er ergänzte: „Auf unserem Weg zur europäischen Nummer eins unter den Herstellern von Lithium-Ionen Batteriekomponenten sind wir ein großes Stück vorangekommen. Unseren Technologievorsprung wollen wir in der Partnerschaft mit Daimler weiter ausbauen.“
Im nächsten Jahr will Mercedes-Benz mit dem ersten Hybrid starten, dem S 400 BlueHYBRID, der weltweit sparsamstem Luxuslimousine mit Ottomotor. Vorgesehen sind auch Serienfahrzeuge mit Brennstoffzelle sowie mit rein batterie-elektrischem Antrieb. Ihre Alltagstauglichkeit hat Daimler eigenen Angaben zufolge im Rahmen zahlreicher Flottenversuche und Infrastrukturprojekte erfolgreich erprobt, unter anderem mit dem smart electric drive in London. Mit „e-mobility Berlin“ und „e-mobility Italy“ starteten weitere Daimler Großprojekte für Elektrofahrzeuge in diesem Jahr.
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