Systemwechsel zur offenen Kalkulation


Nach „IFRS“ sind Leasingverbindlichkeiten künftig keine Betriebskosten, sondern Schulden. Die neue Bilanzierungsvorschrift öffnet die Tür für gravierende Veränderungen im Fuhrpark-Einkauf. Das macht die Einkäufer unversehens zu Hauptakteuren im Fuhrparkgeschehen, denn die einzelnen Leistungen und Kosten werden erkennbar und mit Wettbewerbsangeboten vergleichbar.

Wenn Leasingverträge für Firmenfahrzeuge verhandelt werden, sitzen CFO und Einkaufsleiter meistens am Katzentisch. Zu besprechen gibt es ohnehin nicht viel, außer vielleicht, bei welchem Italiener der Abschluss gefeiert werden soll. An den offerierten Konditionen etwas auszusetzen, ist denkbar schwierig. „Um die Belastung der eigenen Mitarbeiter auf einem Minimum zu halten, wird bei Leasing-Flotten oftmals die Full-Service-Strategie eingeschlagen. Das bedeutet, dass der Leasingvertrag neben der Finanzierungsrate jegliche Dienstleistungen wie den Werkstattservice, das Reifenmanagement bis hin zur Verwaltung der KFZ-Steuer, enthält“, erläutert Tatjana Afeld (M.Sc.), Strategische Einkäuferin bei der Kerkhoff Negotiate & Contract GmbH.

Mit anderen Worten: Der Leasingkunde kennt zwar die Höhe der Rate, weiß aber nicht, wie sich diese zusammensetzt. Ob ihr etwa ein zu niedrig angesetzter Fahrzeugrestwert oder zu teuer kalkulierte Serviceleistungen zugrunde liegen. Theoretisch könnte man die Full-Service-Pakete einzelner Leasinganbieter vergleichen, aber die unterscheiden sich in so vielen Details, dass sogar die meisten Fuhrparkmanager vor dieser Aufgabe kapitulieren. Afeld: „Hohe Kosten entstehen dabei durch versteckte Margen der Leasing-und Servicegeber – aus unserer Sicht die sogenannte Bequemlichkeitspauschale“. Wegen der fehlenden Transparenz wird Full-Service-Leasing von Fuhrparkexperten auch pointiert als „Blackbox“ bezeichnet.

Die neuen Richtlinien für die Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen – „IFRS 16/Leasing“ – bringen Licht ins Dunkle. Leasing wird zukünftig wie eine Finanzierung gesehen und nicht mehr als eine in der Gewinn- und Verlustrechnung zu verbuchende Betriebs-ausgabe. Ab dem Geschäftsjahr 2019 müssen sämtliche Leasingverbindlichkeiten von über 5.000,00 EUR Gegenstandswert und einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr im Jahresabschluss als Schulden ausgewiesen werden. Dafür ist es erforderlich, die Services vom Leasing zu trennen.

Fuhrpark-TCO-Beispiel


Die Grafik zeigt die Kostenstruktur eines gemischten Fuhrparks – europäisches Unternehmen – ca, 70% PKW/30% NFZ – Daten anonymisiert.

Das macht die CFOs und Einkäufer unversehens zu Hauptakteuren im Fuhrparkgeschehen, denn die einzelnen Leistungen und Kosten werden erkennbar und mit Wettbewerbsangeboten vergleichbar. Der Finanzer muss zudem künftig ein Nutzungsrecht und eine anteilige Verbindlichkeit, Jahr für Jahr abgezinst, bilanzieren; die Services werden – wie bisher – im Aufwand gebucht. Der Einkäufer wiederum kauft die einzelnen Komponenten separat ein. Er kann dabei seine Kompetenzen und Erfahrungen voll ausspielen und beste Preise verhandeln.

„Laut Benchmarkanalysen lassen sich durch die Entbündelung bei der Finanzierung 13 % bei den Services weitere 7 %, das heißt summa summarum bis zu 20 Prozent Kosten einsparen“, weiß Majk Strika, Geschäftsführer der ARI Fleet Germany GmbH, der deutschen Tochter eines weltweit tätigen Fuhrparkmanagement-Dienstleisters. Auch bei der Finanzierung biete der Markt inzwischen Alternativen zu dem bis heute dominierenden, teuren „Closed-End“-Modell.

Bei diesem bindet sich der Leasingnehmer an einen Zeitvertrag mit fixen Parametern. Änderungen etwa der Laufzeit oder der Kilometerleistung wie sie immer häufiger durch Markt- bzw. Auslastungsschwankungen erforderlich werden, werden von Leasinggesellschaften mit zum Teil stattlichen Umschreibungsgebühren oder Vertragsstrafen sanktioniert oder der Kunde leistet – im Fall stillschweigender Vertragsverlängerungen bei gleichbleibender Leasingrate – Übertilgungen (siehe Tabelle „Modellwechsel beim Leasing“). Hinzu kommt das weithin bekannte Ärgernis der Berechnung sogenannter „Rückgabeschäden“. Diese Kosten können die TCO zusätzlich um sechs bis acht Prozent pro Jahr belasten. Und am Ende entdeckt der Leasingnehmer nicht selten auf Vermarktungsplattformen im Internet, dass der Leasinggeber beim Weiterverkauf des Fahrzeugs einen überraschend hohen Erlös erzielt. Dann war der kalkulierte Restwert offenbar zu niedrig angesetzt bzw. die jahrelang gezahlte Leasingrate zu hoch.

Finanziell attraktiver sind so genannte „Open-End“-Leasingverträge. „Bei ihnen wählt der Leasingnehmer die Finanzierungsdauer. Er kann sie seinem Bedarf flexibel anpassen und das Fahrzeug zurückgeben, ohne Strafzahlungen leisten zu müssen oder saftige Rechnungen für noch so kleine Schrammen zu erhalten“, erläutert Majk Strika von Ari Fleet. Bei Vertragsende rechne der Leasinggeber ganz einfach den Verkaufserlös mit dem verbliebenen Buchwert auf.

„Beim Leasing entsteht Transparenz nur durch eine offene Ausweisung der Vertragsparameter. So zum Beispiel durch den Vergleich des angesetzten Restwertes mit den tatsächlich erzielten Vermarktungserlösen sowie der Kosten des laufenden Unterhalts und natürlich deren Abrechnung nach tatsächlichem Aufwand“, so Experte Strika.

Laut dem Experten stehen sowohl die Fuhrparkfinanzierung als auch das -management vor einem Systemwechsel mit weitreichenden Einspareffekten. Das gilt aber nicht nur für IFRS-Bilanzierer, sondern für gleichermaßen für die große Mehrheit der Unternehmen, die ihren Jahresabschluss nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) erstellen.

Quelle der Grafik und Tabelle: Ari Fleet Germany GmbH/Beispiel: ARI FlexLease

von Manfred Godek

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