Verpackungsbrache wächst
Schauen Sie sich doch einmal ihre Umgebung an. Finden Sie einen Gegenstand, der im Laufe seines Produktlebens noch nie verpackt war? Fast jeder Artikel, ob Füllfederhalter, Schreibtischleuchte oder selbst der Firmenwagen vor dem Bürofenster war schon einmal oder mehrfach verpackt. Dementsprechend vielfältig, groß und bedeutend ist die Verpackungsindustrie. In Deutschland ist sie mit ungefähr 400.000 Beschäftigten der fünftgrößte Industriezweig. 2006 wuchs die mengenmäßige Produktion an Packmitteln um fünf Prozent auf 17,6 Millionen Tonnen an. Der Wert lag mit 27,6 Milliarden Euro sogar um knapp neun Prozent über dem des Vorjahres.
Deutlich wird die starke deutsche Stellung bei der Marktbetrachtung für Verpackungs-maschinen. Mit 34 Prozent aller weltweiten Exporte dominieren deutsche Unternehmen, gefolgt von italienischen (mit 26 Prozent), den knapp 13 Milliarden starken Weltexportmarkt für Verpackungsmaschinen. Rund 90 Prozent der in Deutschland produzierten Verpackungsmaschinen werden exportiert.
Wertvolle Verpackungen
Verpackungen sind heute deutlich wertvoller und anspruchsvoller als in früheren Zeiten. In Deutschland entfallen bereits rund zwei Prozent des Warenwertes auf die Verpackung. In verpackungsintensiven Industriezweigen wie der Nahrungsmittel- oder Kosmetikbranche sind es sogar zwischen sieben und acht Prozent des Gesamtwertes. Vom rein funktionalen Charakter ist die Verpackung egal welcher Art mittlerweile weit entfernt. Jede Verpackung ist Image- und Qualitätsträger. Selbst Industriemaschinen, einfache Bauteile oder Schrauben differenzieren sich heute auch durch die Wertigkeit und Intelligenz der Verpackungs-gestaltung. Unbedruckte Verpackungen kommen daher immer seltener vor. Sobald die Verpackung auch direkte Kaufanreize am Point of Sale (POS) liefern soll, muss die Botschaft, der Druck und die Materialanmutung auf höchstem Niveau sein.
Wir haben die einzelnen Packmittel anhand des Werkstoffs näher unter die Lupe genommen: Den volumenmäßig größten Anteil an allen Verpackungen haben Produkte aus Papier, Pappe und Karton mit 8,3 Mio. Tonnen (46%). Danach folgen die Packstoffe Glas mit 3,9 Mio. Tonnen (22%), Kunststoffe mit 3,8 Mio. Tonnen (22%) und Metalle (Aluminium und Blech) mit 1,7 Mio. Tonnen (10%). Nach dem Wert geordnet dominieren Kunststoffe mit 12 Mrd. Euro, Papier, Pappe und Karton mit 8,9 Mrd. Euro, Metalle mit 5,1 Mrd. Euro und Glas mit 1,6 Mrd. Euro. Damit ist die Verpackung für die Grundstoffe Pappe, Karton und auch Kunststoff das wichtigste Einsatzgebiet. Etwa ein Drittel der gesamten Kunststoffproduktion wird zu Beuteln, Tüten, Hüllen, Folien, Blistern, Flaschen, Kanistern und Ähnlichem verarbeitet. Alle Grundstoffe sowie die Energiekosten haben sich im laufenden Jahr überdurchschnittlich verteuert. Da nur ein Teil der gestiegenen Kosten über steigende Preise an die Kunden weitergegeben wurde, sind die Margen der Produzenten kleiner geworden. Im Wellpappenbereich sind die Preise für den Basisrohstoff Wellpappenrohpapier in den letzten zwei Jahren um 50 Prozent gestiegen. Im Kunststoffbereich kommen der hohe Ölpreis und die Energiekosten besonders zum Tragen. Ein großer Vorteil der deutschen Verpackungswirtschaft ist die international hohe Recyclingquote bei allen Grundstoffen. Hier hat die Verpackungsverordnung ihre ordnungspolitische Wirkung nicht verfehlt. Rasselstein, Deutschlands einziger Hersteller von Verpackungsstahl, hat für gebrauchte Weißblechverpackungen die bislang höchste Quote von 86 Prozent erreicht. Insgesamt fast 530 tausend Tonnen gebrauchter Weißblechverpackungen konnten ohne große Verluste zu neuem Qualitätsweißblech recycelt werden. Interessant ist die Tatsache, dass dem Verbraucher die Kreislaufwirtschaft zwar wichtig ist, dies jedoch nicht zu Mehrwegverpackungen führen muss. Die Quote der Mehrweg-Getränkeverpackungen ist auf einen niedrigen Wert von knapp über 30 Prozent gefallen. Besonders die mit Pfand belegten Einweg-PET-Verpackungen sind für diese Entwicklung verantwortlich. Mit einer besseren Umweltbilanz schneiden Getränkekartons ab. Mit 65 Prozent Sammelquote liegt auch dieser Wert erfreulich hoch. Beim Recycling werden die Grundstoffe Zellstoff (75-80%), Polyethylen (PE, 21%) und Aluminium (4%) komplett wiederverwertet. Der Zellstoff wird der Papierindustrie zugeführt und das PE sowie das Aluminium landen in der Zementindustrie als Heizmittel beziehungsweise Bauxit-Ersatz. Beim Altpapier liegt die Rücklaufquote bei 80 Prozent. Die im Handel gebrauchten Wellpappenverpackungen werden hingegen fast vollständig erfasst und wiederverwertet.
Lifestyle-Verpackungen
Für die Konsumgüterverpackungen spielt Recycling zumindest im ersten Leben keine Rolle. Hier kommen die aufwändigsten und modernsten Verfahren zur Veredelung des Grundstoffs zum Zuge. Das Endprodukt soll dem Verbraucher den entscheidenden Kaufimpuls am Point of Sale geben. Zugegebenermaßen funktioniert die Strategie nach wie vor gut. Eine wertige Verpackung wird durchgängig einer weniger attraktiven vorgezogen, obwohl der Käufer weiß, dass die Aufwändigkeit der Verpackung den objektiven Produktnutzen keineswegs steigert. Es geht aber auch nicht um messbare Kriterien, sondern um reine Verkaufspsychologie. Daher arbeiten die renommierten Verpackungshersteller im Parfüm-, Schmuck- oder hochpreisigen Lebensmittelbereich alle mit Werbe- und Verkaufsprofis zusammen. Jüngst hat erst ein neues „hochwertiges Premium-Lifestyle Getränk“ (laut Hersteller) namens „true fruits Smoothies“ den deutschen Verpackungspreis und den internationalen WorldStar Award 2007 der World Packaging Organisation (WPO) erhalten. Die schlichten Fruchtsaftfläschchen sind ein Verpackungs-Volltreffer. Die jüngste Studie „Shopper am POS“ von ProCarton belegt die besondere Bedeutung einer multisensorisch stimulierenden Verpackung für eine Kaufentscheidung. Zudem gehen die Testpersonen gerade beim Erstkauf nach dem Erscheinungsbild der Verpackung.
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