Viel Arbeit für Roboter

16. Mai 2008 · Länder, Märkte ·  
 
Sie wuchten schwere Lasten, helfen im Alltag oder beraten sogar im Baumarkt – die Roboter waren die Stars der Hannover Messe 2008. In den Hallen, in denen die Aussteller modernste Service-Roboter, fahrerlose Transportsysteme und andere High-Tech-Helfer zeigten, war kaum noch ein Durchkommen. Die Besucher drängten sich im Sonderausstellungsbereich „Mobile Roboter & Autonome Systeme“. Hier fanden die Robo Cup German Open statt, bei denen selbstständig agierende Roboter gegeneinander Fußball spielten. Die Aussteller zeigten, wie künftig humanoide Roboter, fahrerlose Transportsysteme und andere High-Tech- Lösungen unseren Arbeits- und Lebensalltag verändern werden. Viele Tätigkeiten erledigen sie nicht nur präziser. Sie werden künftig auch dem Menschen helfen, indem sie ihm körperlich extrem schwere oder sogar gefährliche und gesundheitsschädliche Tätigkeiten abnehmen. Entsprechend nimmt die Nachfrage nach Robotern und intelligenten Lösungen in der Automatisierungstechnik zu. Der Fachverband Automation im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI), Frankfurt am Main, rechnet 2008 für die elektrische Prozessautomation mit einer Umsatzsteigerung von sieben bis acht Prozent. Auf der ganzen Welt stehen nach Schätzungen des Statistical Departments der International Federation of Robotics (IFR) rund eine Million Industrieroboter im Dienst des Menschen. Eine Zahl, die in den nächsten Jahren laut IFR noch stark zunehmen wird. Japan ist die führende Industrienation bei humanoiden, Mikro- und großen Industrie-Robotern. Das Land der aufgehenden Sonne, das sich unter dem Motto „Cooperation through Innovation“ auf der Messe präsentierte, ist weltweit der größte Exporteur dieser Produkte. Nicht nur die Industrieproduktion oder die Baubranche, auch den Alltag der Japaner prägen zunehmend Service-Roboter – beispielsweise im Haushalt oder in der Altenpflege. Doch auch die deutschen Aussteller brauchten sich nicht zu verstecken. Die heimische Automatisierungsbranche präsentierte industrielle Spitzentechnologie. Ein Beispiel ist die IBG Automation GmbH: An ihrem Stand konnten die Besucher den von der Firma Kuka entwickelten 6-Achs-Roboter „Titan“ bestaunen. Mit einer Tragekraft von einer Tonne ist er der stärkste Industrieroboter der Welt – und hat bereits einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde. In einer Demonstration griff sich der Titan eine Fahrzeugkarosserie und nahm – im Zusammenspiel mit einem weiteren Roboter und einem hoch präzisen Kamerasystem der Isra Vision AG – komplexe Prüf- und Montagevorgänge vor. Die Future-Shape GmbH aus Höhenkirchen- Siegertsbrunn vereinfacht die Roboternavigation und die Lokalisation von mobilen Objekten in geschlossenen Räumen durch integrierte RFIDTags (Radio Frequency Identification) im Fußboden. Roboterfahrzeuge benötigen dazu lediglich ein RFID-Lesegerät und eine Art Landkarte für ihre Steuerung mit dem Verzeichnis der Tags im Boden. Damit kann, immer wenn ein Tag in die Reichweite der Leseantenne kommt, die exakte Position bestimmt werden. Der Hersteller hat eine robuste Verkapselungstechnik entwickelt, mit der man RFID-Tags im Raster in verschiedene Unterlagen integrieren kann und sie vor mechanischer Belastung und Feuchtigkeit geschützt sind. Das Underlay kann unter allen Bodenbelägen wie Terrazzo, Steinplatten, Fliesen, Linoleum, PVC oder Teppich verlegt werden und ist für Fußbodenheizung geeignet. Die Rollen werden mit einem Mapping der integrierten RFID-Tags geliefert und sichern damit eine schnelle Installation und leichte Kartierung vor Ort, so der Hersteller. Für Einkäufer bietet die Automatica in München vom 10. bis zum 13. Juni einen Marktüberblick rund um Roboter und Prozessautomation. Hersteller wie ABB, Fanuc, Kuka, Motoman und Co. wollen sich auf der international erfolgreichsten Vertriebsplattform von der besten Seite zeigen. Das Geld für ihre Neu- und Weiterentwicklungen haben die Robotik-Unternehmen in den letzten Jahren verdient. Der Branchenumsatz im Bereich Robotik und Automation ist in Deutschland 2007 um 15 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro gewachsen. Nicht nur die Automobilindustrie, sondern auch andere Branchen wie Hersteller von Kunststoffprodukten, Metallprodukten sowie Lebensmittel- und Getränkehersteller, die Pharmaindustrie, Elektro-/Elektronikindustrie sowie die Medizintechnik investieren kräftig in die Produktivität ihrer Anlagen. Die hohen Auftragseingänge aus dem In- und Ausland machen nach Schätzung des VDMA in diesem Jahr ein weiteres Wachstum von zehn Prozent auf 9,2 Milliarden Euro möglich. Motor des Aufschwungs ist die Robotik mit glänzenden Bilanzen. Die Hersteller von Robotern und Robotik- Systemen in Deutschland blicken auf eines der erfolgreichsten Jahre zurück. Der Umsatz auf diesem Gebiet ist in 2007 um 22 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gestiegen. Für 2008 wird mit einem Zuwachs von zwölf Prozent gerechnet. Im Vorfeld der Automatica wurden einige spektakuläre Neuigkeiten bekannt. Kleine, schnelle Roboter zeigen sich, aber auch branchenspezifische Schweiß- oder Lackierroboter sowie Powermaschinen. Was auf den Branchentreffen im Frühjahr vereinzelt vorgestellt wurde, wird in München auf der internationalen Fach messe der Branche in geballter Form dem Fachpublikum gezeigt. Auffällig bei den angekündigten Neuheiten ist ein Trend, der seit Jahren propagiert wird, aber erst jetzt so richtig „zum Tragen“ kommt: Mehr Traglast bei weniger Eigenmasse sorgt für dynamischere Roboter. Neue Antriebskonzepte machen zudem noch höhere Beschleunigungen und Achsgeschwindigkeiten möglich. Dabei muss aber selbst der technikverliebte Erfinder immer die praktische Umsetzung im Auge behalten: Zwei Antriebe pro Achse werden aus Kostengründen wohl nie Standard werden. Technisch möglich ist es jedoch – bei Speed-orientierten Anwendungen ist der nötige Schub nunmehr sicher. Ebenfalls aus der Praxis kommt die Forderung nach Modellen mit hohlem Arm und hohlem Handgelenk. Grund ist die einfachere, geschützte Verlegung von Kabeln, Energie- und Medienleitungen. Immer mehr Anlagenplaner müssen sich schon im Stadium der Offline-Programmierung mit frei fliegenden Kabeln und Schläuchen befassen – die Konzentration auf Bahnschweißen genügt nicht mehr. In  der Lebensmittelindustrie, einem stark wachsenden Anwendungsbereich, sind in hohlen Armen verlegte Leitungen schon wegen der vereinfachten Reinigungsmöglichkeit ein Muss. Auch wenn die Instandhaltungskosten tendenziell niedriger liegen werden, weil durch die Verlegung weniger Schäden auftreten, kommt jedoch nur ein Teil aller Anwendungen für solche Roboter in Frage. Denn die saubere Lösung kostet in aller Regel ein paar Euro mehr. Unübersehbar wird der mit 1.000 Kilogramm Traglast bislang stärkste Roboter der Welt, der Titan von Kuka, in München große Aufmerksameit auf sich ziehen. Eine Traglast von wenigstens 700 Kilogramm wird schon heute in mehreren Branchen gefordert, sei es um in der grobkeramischen Industrie oder bei Getränkeherstellern ganze Lagen zu palettieren oder auch um Karosserieteile wie komplette Unterböden zu handhaben. 

 

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