Wettbewerbsdruck bei Energielieferanten


Die Strom- und Gaspreise sind im März wieder gesunken. Unternehmen können aus dem Wettbewerbsdruck, der durch die sinkenden Preise bei den Lieferanten entstanden ist, Nutzen ziehen. Das ergab die Analyse der Strom- und Gaspreise für Industrie und Gewerbe für den aktuellen ISPEX Energiepreisindex.

Strompreis fällt im März auf Januarwert
Nachdem die Strompreise im Februar etwas angestiegen waren, fielen sie im März wieder auf den Januarwert. ISPEX ermittelte einen durchschnittlichen Preis von 3,20 Cent je Kilowatt-stunde. Im Februar waren es noch 3,38 Cent je Kilowattstunde gewesen.

Im Verlauf der letzten drei Monate lagen die Strompreise unter den durchschnittlichen Preisen im November und Dezember 2016. Im Vergleich zum ersten Quartal 2016 waren sie jedoch signifikant höher. Diese Entwicklung führte dazu, dass sich viele Unternehmen mit einem neuen Liefervertrag Zeit ließen. Die Aussicht auf sinkende Preise wurde nun allerdings von der Sorge abgelöst, dass sich die Strompreise doch wieder an dem höheren Niveau des letzten Jahres orientieren könnten. Aus diesem Grund ist die Nachfrage nun doch wieder gestiegen.

„Aus der aktuellen Situation sollte aber nicht automatisch gefolgert werden, dass die höhere Nachfrage auch zu höheren Preisen führt. Das Preisniveau wird vielmehr vom Handel an den Großhandelsplätzen und Börsen beeinflusst und die Preise dort reagieren mehr auf andere Gegebenheiten“, erläutert Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der ISPEX AG, die aktuelle Lage.

Ganz im Gegenteil ist die momentane Situation sehr komfortabel für Gewerbe- und Industriekunden. Durch die anfängliche Zurückhaltung der Kunden ist unter den Lieferanten ein lebhafter Wettbewerb entflammt. Der Druck, Kunden für sich zu gewinnen, ist groß. Das wird an der äußerst regen Teilnahme der Lieferanten an Auktionen und Online-Ausschrei-bungen deutlich. „Unternehmen sollten die Wettbewerbssituation derzeit ausnutzen und über Online-Plattformen Ausschreibungen im Idealfall im offenen Auktionsverfahren mit laufender Auswertung der abgegebenen Angebote durchführen“, rät Energiepreisexperte Arnold.

Strompreise unterliegen nur leichten Schwankungen
Die steigenden Preise im Februar wurden Anfang März erwartungsgemäß zunächst gebremst, bevor sie zum Ende des Monats wieder signifikant anstiegen. Im Vergleich zum deutlich turbulenteren Jahr 2016 sind die Schwankungen der Strompreise in den ersten drei Monaten des Jahres sehr gemäßigt, eine wirkliche Richtung zeichnet sich noch nicht ab. Die Lieferfristen spielen hierbei eine größere Rolle als die Kursschwankungen an der Börse. Für 2018 müssen Unternehmen momentan deutlich tiefer in die Tasche greifen als für Lieferungen in den Jahren 2019 und 2020.

„Den Strommärkten fehlen derzeit nachhaltig wirkende Impulse in die eine oder andere Richtung. Umso größere Bedeutung kommt der regelmäßigen Marktbeobachtung zu, da jedes Zeichen sofort in Preisänderungen mündet und auch erhebliche Schwankungen auslösen könnte“, weiß Stefan Arnold.

Die Interpretation der Marktindikatoren lassen keine steigenden Strompreise vermuten. Es sei denn, der Kohlepreis stabilisiert sich und steigt leicht, was wiederum einen steigenden Strompreis nach sich zöge. Er könnte daher im April leicht zulegen, aber nicht dauerhaft und nicht so hoch wie in der letzten Märzwoche.

Gaspreise sinken wieder
Auch bei den Gaspreisen fand eine Senkung auf Januarniveau statt. Der durchschnittliche Preis, der von ISPEX berechnet wurde, fiel von 1,84 Cent je Kilowattstunde auf 1,75 Cent je Kilowattstunde. Dieser Wert spiegelt allerdings nur im Ansatz die Beschaffungspreise an der Börse wider. Diese fielen nämlich signifikant im Laufe des Monats und pendelten sich zum Monatsende auf deutlich niedrigerem Niveau ein als zum Märzanfang oder Jahresbeginn. Dadurch werden sich die derzeitigen Rahmenbedingungen der Gaslieferverträge weiterhin verbessern.

Die Beschaffungssituation im Bereich Gas ist fast die gleiche wie auf dem Strommarkt: Die Unternehmen haben zu Beginn des Jahres gezögert, Lieferverträge abzuschließen, da das Preisniveau höher als zu Jahresende lag. Seit im Februar die Preise sanken und sich dieser Trend im März fortsetzte, werden die Unternehmen nun zur Erleichterung der Lieferanten wieder aktiv.

„Die Beteiligung bei Ausschreibungen ist auch bei Gas derzeit sehr gut, wobei erstaunliche Preisunterschiede zwischen den Lieferanten zu beobachten sind. In dieser Marktsituation sollte deshalb eine Ausschreibung möglichst im offenen Verfahren durchgeführt und nicht nur mit dem bestehenden Gaslieferanten nachverhandelt werden“, empfiehlt Marktexperte Stefan Arnold.

Gaspreise sind an der Börse großen Schwankungen ausgesetzt
Seit der letzten Februarwoche sanken die Gaspreise kontinuierlich, bis sie in der letzten Märzwoche wieder deutlich anstiegen. Ursächlich sind die derzeitigen Entwicklungen der Öl- und Kohlepreise auf dem Weltmarkt. So sank der Ölpreis Anfang März überraschend. Der seit Januar stabile Wert von 55 US-Dollar je Barrel der Sorte Brent fiel auf 52 US-Dollar je Barrel. Ende März stieg er ebenso unerwartet wieder an und beeinflusste damit auch den Gaspreis. Hinzu kommt das derzeit niedrigere Gasmengenangebot, verursacht durch Lieferausfälle aus Norwegen. Daher lag der Spotmarkt höher als der Terminmarkt und beeinflusste ihn so positiv.

„Gerade Unternehmen mit offenen Rahmenverträgen, die flexibel bewirtschaftet werden, sollten derzeit über den Kauf zumindest einer Tranche nachdenken. Damit kann die Chance des gefallenen Preisniveaus genutzt werden. Zudem bleiben Kaufoptionen erhalten, wenn im Laufe des Jahres nochmals Preissenkungen einsetzen sollten. So kann das Beschaffungs-risiko adäquat verteilt werden“, gibt Stefan Arnold zu bedenken.

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