Wie wir täglich einkaufen…und die Konsequenzen



Der Rückblick auf das letzte Weihnachtsgeschäft bringt es deutlich ans Licht: Der stationäre Handel stagniert auf hohem Niveau, wogegen der E-Commerce weiter zulegen kann. Zahl-reiche Studien beleuchten das Shopping-Verhalten der Konsumenten aus unterschiedlichen Blickrichtungen und fördern interessante Zusammenhänge zutage.

So sind die Samstage in der Vorweihnachtszeit eher schwache Verkaufstage im Web und die Sonntage zählen dagegen zu den Umsatzstärksten im Internet. Auch die aus den USA importierten Aktionswochenenden Black Friday, Cyber Monday tragen zu deutlichen Umsatzspitzen bei. Im europäischen Durchschnitt verliert der Offline-Umsatz ein Prozent, während es im Online-Bereich zu einem Anstieg von 15 Prozent kommt. Dieser Trend wird sich auch zukünftig fortsetzen.

Handeln auf allen Kanälen
Das Verschieben von Umsatzanteilen von Offline zu Online muss nicht zwangsläufig ein Verlust für den Händler bedeuten, wenn er sowohl online als auch offline seine Kunden anspricht und die Kanäle geschickt miteinander verknüpft. Innovative Handelsunternehmen kombinieren Webshop und Filialen nahtlos zu einem durchgängigen Shopping-Erlebnis. Erfolgreiche Handelsunternehmen holen ihre Kunden da ab, wo diese stehen.

Konzepte wie „Click & Collect“, Retoure in die Filiale, Events in der Filiale mit Aktionen und Vorführungen, u.v.m. können zur Umsatzsteigerung beitragen. Es werden sich darüber hinaus noch Kanäle entwickeln, die heute noch in den Kinderschuhen stecken, wie z.B. die digitalen Assistenten: Amazon Echo, Google (Home) Assistant, Siri (Apple HomePod) oder der „Dash-Button“: Studien belegen, dass Kunden, die über mehrere Kanäle angesprochen werden, häufiger einkaufen und auch was den Umsatz angeht, deutlich über dem rein stationär versorgten Kunden liegt.

Sonderfall E-Commerce Lebensmittel
Der Umsatz des Lebensmittel-E-Commerce liegt derzeit in Deutschland deutlich hinter dem in anderen Ländern zurück. Führend sind hier in Europa Großbritannien und Frankreich. Eine Ursache hierfür liegt im sehr dichten Filialnetz der Handelsunternehmen in Deutschland, die einen sehr großen Komfort für die Verbraucher bieten. Aber auch hier ist ein Wandel absehbar: Die Anzahl der Lebensmittelgeschäfte sank von 43.867 im Jahr 2006 auf 38.525 in 2014 (Quelle EHI Retail Institute, Köln). Davon sind häufig der ländliche Bereich und weniger die Ballungsräume betroffen. Derzeit fokussieren die E-Commerce-Konzepte ebenfalls eher Ballungsgebiete, um die Lieferkosten auf der letzten Meile zu minimieren. D.h., hier ist der ländliche Bereich tendenziell der Verlierer. In ländlichen Gebieten sind die Kosten für die „letzte Meile“ deutlich höher als in den Ballungsräumen und die Kunden sind (noch) nicht bereit, für den Service der Lieferung mehr zu bezahlen.

Logistik muss das Geschäftsmodell unterstützen
Unabhängig davon, auf welche Weise der Handel sich neu erfindet beziehungsweise wie neue Marktteilnehmer ihre Kunden ansprechen, die logistischen Prozesse müssen dies zu 100% unterstützen.

Die unterschiedlichen Konzepte: Stationärer Handel, „Click & Collect“ mit Abholung in der Filiale oder an Pick-up Points, Retouren-Abgabe in den Filialen und was darüber hinaus angeboten wird, benötigen jeweils angepasste Logistikprozesse, um den geforderten Servicegrad zu erzielen.

Vom Filialisten zum Omni-Channel-Händler
Bei etablierten Unternehmen sind die neuartigen Konzepte in den gegebenen Logistik-strukturen nicht umsetzbar. Beispielsweise ist es ohne weiteres nicht möglich, aus einem Zentrallager aus dem bisher einige hundert Filialen mit Produkten versorgt wurden, Aufträge für den Direktversand zu kommissionieren und Pakete zu versenden. Zu viele Parameter sind dabei zu unterschiedlich (hier nur einige exemplarisch genannt):
– Auftragsanzahl
– Auftragsstruktur (Position, Stück)
– Auftragseingang
– Stück-Kommissionierung vs. Gebindekommissionierung
– Versandeinheiten, Paletten, Rollwagen vs. Pakete, Päckchen, Tüten

Neue Prozesse auslagern?
Eine mögliche Lösung ist, die neuen erforderlichen Prozesse in einen separaten Standort oder auch Bereich zu verlagern und diesen Bereich wie eine Filiale aus dem Zentrallager zu versorgen und dort zum Beispiel mit angepassten Kommissioniermethoden und Packstraßen die Direktbelieferung zu realisieren. Diesen Weg haben zahlreiche Händler eingeschlagen, um kurzfristig auf den „E-Commerce Boom“ zu reagieren.

Bei genauer Betrachtung ist diese schnelle und vergleichsweise einfache Lösung auf Dauer nicht wirtschaftlich. Gründe hierfür sind (unter anderen):
– Mehrfach-Handling der Artikel
– Erhöhung der Bestände
– Interne Transportkosten
– Fehlende Flexibilität

Um langfristig erfolgreich zu sein und auch zukünftig neue Services anbieten zu können, ist es deshalb sinnvoll, alternative Logistiklösungen zu erarbeiten, die voll auf die Omni-Channel-Welt angepasst sind.

Omni-Channel Logistik
Ein integriertes Omni-Channel-Distributionszentrum ist die Lösung, um langfristig die Logistik für alle Kanäle wirtschaftlich abzubilden. Ein solches Distributionszentrum bietet für die einzelnen Kanäle optimale Prozesse, um Filialen und Endkunden gleichermaßen effizient zu beliefern. Für den Bereich Lebensmittel ist dies eine Kombination aus Palettenlager (automatisiert oder nicht) und ACP (Automated Case Picking) für die Kommissionierung von Ganzgebinden von Paletten bzw. Rollwagen. Gleichzeitig dient dieses System als Nachschubsystem für die Kommissionierung von Einzelstücken für den Direktversand. Diese Kommissionierlösung wiederum kann auch für die Einzelstück-Kommissionierung für die Filialen genutzt werden. Denkbar hierfür ist beispielsweise ein ADAPTO Shuttle-System, welches die ergonomischen PICK@EASE-Ware-zur-Person-Arbeitsplätze mit Artikeln versorgt. Für andere Sortimente, wie zum Beispiel Fashion oder auch Teile und Komponenten, gibt es bei Vanderlande ebenfalls Konzepte und Module, um ein Omni-Channel-Distributionszentrum zu konzipieren.

Mehrwert schaffen
Die Erfahrung zeigt, dass es Synergien gibt, die sich erst auf den zweiten Blick ergeben. So glätten oftmals die Filialaufträge die Lastspitzen, die sich bisweilen aus dem Direktversand ergeben oder auch umgekehrt.

von Peter Bimmermann, Business Development Manager Food-Retail, E-Commerce bei Vanderlande

Bild: Ein integriertes Omni-Channel-Distributionszentrum ist die Lösung, um langfristig die Logistik für alle Kanäle wirtschaftlich abzubilden; Foto: Vanderlande Industries GmbH

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