ZVO: Steigende Kosten trüben Stimmung


Getragen von einer guten Auftragslage in der Galvano- und Oberflächentechnik geht der Zentralverband Oberflächentechnik e.V. (ZVO) mit 29 Ausstellern auf seinem Gemeinschafts-stand in die diesjährige HANNOVER MESSE vom 24. bis 28. April. Die eigentlich gute Stimmung der Branche wird jedoch durch steigende Kosten und regulative Auflagen getrübt.

WELT DER OBERFLÄCHE erstmals im Rahmen der Industrial Supply
Seit 1986 präsentiert die Galvano- und Oberflächentechnik ihre Leistungen auf der HANNOVER MESSE am Gemeinschaftsstand WELT DER OBERFLÄCHE. In diesem Jahr wird sie erstmals innerhalb der Leitausstellung Industrial Supply, dem Zulieferbereich unter dem Dach der HANNOVER MESSE, ausstellen. In Halle 6 wird die SurfaceTechnology Area, zu der auch der ZVO-Gemeinschaftsstand B/40 gehört, näher an ihre Abnehmer heranrücken und von einer erhöhten Besucherfrequenz mit 96 Prozent Fachbesuchern profitieren.

Die in der Industrial Supply vertretenen Unternehmen aus dem Bereich Massivumformung, Blechumformung, Drehteilfertigung, Gießereiprodukte, Befestigungstechnik, Bedienelemente, Verschlusstechnik, Werkstoffe, Leichtbau sowie Klebe- und Fügetechnik repräsentieren für die Galvano- und Oberflächentechnik elementare Teilbereiche der Wertschöpfungskette. Den Fachbesuchern der Industrial Supply aus dem In- und Ausland präsentieren die teilnehmen-den Anbieter der WELT DER OBERFLÄCHE ihr Leistungsspektrum von der Vorbehandlung über die Beschichtung und Nachbehandlung bis hin zur industriellen Teilereinigung. Sie geben Antworten auf die ständig wachsenden Anforderungen an die Galvano- und Ober-flächentechnik. Dabei geht es neben der Anpassung an die Entwicklung im Zusammenhang mit Industrie 4.0 etwa um die Vermeidung kritischer Rohstoffe, wie sie zum Beispiel die REACH-Verordnung fordert, aber auch um die generelle Reduktion von Ressourcen-verbräuchen von Chemikalien und Energie oder durch die Kreislaufführung von Industrie-abwässern.

Galvano- und Oberflächentechnik entwickelt sich positiv
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, vor denen die HANNOVER MESSE stattfindet, sind für die deutsche Galvano- und Oberflächentechnik positiv. Getragen von der allgemeinen wirtschaftlichen Situation ist der Umsatz der deutschen Galvanotechnik als ein wesentliches Segment innerhalb der Branche „Oberflächenveredelung und Wärmebehandlung“ im vergangenen Jahr um 2 Prozent, also leicht gestiegen. Für das laufende Jahr wird ein Branchenwachstum von 3 Prozent erwartet. Diese Erwartung basiert auf den Prognosen der wichtigsten Abnehmersegmente und der nach wie vor positiven Grundstimmung der deutschen Wirtschaft. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Bedeutung der Galvano- und Oberflächentechnik als Schlüsseltechnologie in nahezu allen Wirtschaftsbereichen zunimmt. Ob zuvorderst die Automobilproduktion, ob moderne Medizintechnik, Bauwirtschaft, Sanitär-industrie, Elektrotechnik und Elektronikindustrie oder auch die Herstellung von Modeschmuck – all das ist ohne neuere Verfahren der Oberflächentechnik und der Oberflächenveredelung nicht denkbar. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Herstellung technologischer Spitzen-erzeugnisse in Deutschland. Die durch galvanische Schutzschichten verhinderten Korrosionsschäden ersparen vielen Industrieländern Kosten in Höhe von 3 bis 5 Prozent des BIP.

Den Gesamtumsatz der Branche statistisch zu erfassen, ist schwierig. Bei verschiedenen Erhebungen werden gerade kleinere Unternehmen der überwiegend klein- und mittel-ständisch geprägten Branche oft nicht berücksichtigt. Aktuell dürfte der Branchenumsatz bei etwa 7,5 Milliarden Euro liegen. Damit ist Deutschland das führende Land für Oberflächen-veredelung in der Europäischen Union.

Die Investitionsfähigkeit der Branche könnte jedoch durch steigende Kosten und permanente Anpassungsmaßnahmen durch kontinuierlich strengere Umweltauflagen eingeschränkt werden.

REACH beschäftigt die Branche
Die Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe stellt die Branche, vor allem Mittelstandsbetriebe, vor eine Herausforderung und bindet Ressourcen, die später in der technischen Weiterentwicklung fehlen. So tickt derzeit die Uhr für die freie Verwendung von Chromtrioxid in der EU, das eine wichtige Rolle bei der Verchromung spielt. Das sogenannte „Sunset Date“, also das Datum, ab dem Chromtrioxid ohne gültige Zulassung nicht mehr verwendet oder in Verkehr gebracht werden darf, ist der 21. September 2017. Zahlreiche Hersteller- und Anwender-Konsortien haben Zulassungsanträge für Chromtrioxid eingereicht. Die ECHA-Komitees (European Chemical Agencys) haben zwischenzeitlich in abschließenden Empfehlungen befürwortet, dass die Europäische Kommission sechs Anwendungen genehmigen soll. Laut dieser Empfehlungen sind bei einer weiteren Verwendung von Chromtrioxid in der EU die Risiken für die menschliche Gesundheit deutlich geringer als der Gesamtnutzen der Weiterverwendung.

Unsicher ist jedoch, ob die Zulassungsentscheidungen bis 21. September 2017 vorliegen – auch wenn ECHA und EU Kommission laut REACH-Verordnung eine Entscheidungsfrist zu wahren haben. Da Chromtrioxid aber der erste große Stoff ist, für den ein Autorisierungs-verfahren erfolgen muss, und es zudem mehrere unterschiedliche Zulassungsanträge für identische Anwendungen gibt, ist damit zu rechnen, dass diese Frist überschritten wird und die Entscheidungen bis zum Sunset Date nicht vorliegen werden. Sollte es zu einer Verspätung kommen, sieht REACH jedoch vor, dass diejenigen nachgeschalteten Anwender, die von den Antragstellern direkt oder indirekt beliefert werden, ihre Verwendung über das Ablaufdatum hinaus bis zur Entscheidung der Kommission fortführen können.

Aber auch die Zulassung wird zu einer Veränderung der Arbeitsschutzmaßnahmen führen. Und die Pflicht, alternative Verfahren auf ihre Eignung zu prüfen, bleibt für alle Beteiligten der Lieferkette von der zugelassenen Verwendung unberührt. Ferner ist davon auszugehen, dass empfohlene Risikominimierungsmaßnahmen, die künftig über die Sicherheitsdatenblätter kommuniziert werden, auch von den deutschen Behörden zur betrieblichen Umsetzung vorausgesetzt werden.

Rohstoffpreise beeinflussen die Margen
Auch die schwankenden Rohstoffpreise setzen die Galvano- und Oberflächentechnik als Schlüsseltechnologie des Produzierenden Gewerbes unter Druck und drohen, die Margen der mittelständischen Galvaniken, Beschichter und Stückverzinker aufzufressen.

Der Preis für Zink beispielsweise, das in der Oberflächentechnik vor allem zum Korrosions-schutz eingesetzt wird, ist seit Anfang 2016 um 75 Prozent auf aktuell rund 2.800 Dollar pro Tonne gestiegen. Damit nähert sich der Preis dem höchsten Stand seit fast zehn Jahren. Auch Kobalt geht derzeit durch die Decke: Seit Jahresbeginn ist der Preis für eine Tonne Kobalt um über 60 Prozent gestiegen. Seit Sommer 2016 hat er sich auf mittlerweile über 50.000 Dollar pro Tonne mehr als verdoppelt. Und das ist Prognosen zufolge erst der Anfang. Kobalt wird in der Galvanotechnik an verschiedenen Stellen eingesetzt, beispielsweise zur Steigerung der Korrosions- und Temperaturbeständigkeit in dreiwertigen Passivierungen für Zink- und Zinklegierungsschichten. Außerdem findet es Verwendung bei der Farbgebung und Härtesteigerung in Goldbädern und vereinzelt noch als Legierungselement in Zinkschichten. Aber auch andere Rohstoffpreise steigen weiter, etwa für Kupfer oder für Chromerz, was in der Folge auch zu einem Preisanstieg für Chromtrioxid führen wird. Insgesamt erhöhte sich der HWWI-Rohstoffpreisindex im Februar um 0,5 Prozent (in Euro: +0,2 Prozent) und damit den dritten Monat in Folge. Der HWWI-Index für Industrierohstoffe stieg im Februar 2017 um 5,3 Prozent .

Auch die steigenden Strompreise im Zusammenhang mit der Energiewende belasten die Branche, insbesondere die stromintensiven Unternehmen, die nicht von der Besonderen Ausgleichsregelung der EEG-Umlage profitieren. Immerhin kann in manchen Unternehmen der Energiekostenanteil bis zu 23 Prozent betragen. Und die Beschaffungskosten für Industriestrom werden in Deutschland aufgrund der Erhöhung der EEG-Umlage in 2017 um 0,53 ct / kwh auf 6,88 ct / kwh ( + 8,3 % i.V. zu 2016) weiter steigen. Weiterer Kostenfaktor sind die Netzentgelte, die von 2016 auf 2017 um 12,46 Prozent gestiegen sind und 40 bis 45 Prozent vom eigentlichen Strompreis ausmachen. Selbst bei sinkenden Strompreisen erfolgt also keine Kompensation, da die eigentlichen Kostentreiber im EEG und in den hohen Netzentgelten liegen.

So steht zu befürchten, dass die aufgrund des schnellen technologischen Fortschritts wachsenden Investitionsbedürfnisse und -anforderungen von den mittelständischen Unternehmen der Galvano- und Oberflächentechnik nicht ausreichend erfüllt werden können.

Internationale Ausrichtung
Globale Verfügbarkeit spielt auch in der Galvano- und Oberflächentechnik eine immer größere Rolle. Daher ist der überwiegende Teil der Branchen-Unternehmen bereits europa- oder auch weltweit tätig. Der Schwerpunkt liegt auf Europa und hier insbesondere auf Ländern wie Österreich, Schweiz, Niederlande, Frankreich, Italien und Spanien. Daneben gewinnt der asiatische Markt zunehmend an Bedeutung. Dort sind es vor allem Kunden aus China, aber auch aus Südostasien. Es folgen Nordamerika oder – wenn auch vereinzelt – Brasilien, Russland oder Australien.

Ein exzellenter Einstieg in neue Märkte sind Messen mit vielfältiger internationaler Beteiligung. Die Erkundung neuer Märkte im internationalen Kontext ist deshalb ein wichtiges Ziel, das die ZVO-Mitgliedsunternehmen auf der HANNOVER MESSE verfolgen.

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