Welche Rolle nimmt der CPO in Zukunft ein?

10. Juli 2018 · Beschaffungsprozess, Märkte, Unternehmen ·  

In den letzten 20 Jahren hat sich der Einkauf langsam und stetig von einem taktischen, manuellen Prozess zu einer strategischen, digitalen Funktion entwickelt. Mittlerweile steigt das Tempo: Nach den Ergebnissen einer neuen weltweiten Umfrage der Hochschule Würzburg-Schweinfurt mit Unterstützung von SAP Ariba sehen führende Einkaufsorgani-sationen die Digitalisierung als Zukunft. Sie investieren stark in Technologien, die über die Automatisierung hinausgehen und Kosten sparen. Außerdem führt dieser Wandel des Einkaufs dazu, dass Innovationen vorangetrieben und höhere Ziele angestrebt werden können. Welche Rolle wird der Chief Procurement Officer (CPO) in Zukunft einnehmen?

Digitalisierung? Ja!
83 Prozent der Studienteilnehmer sind der Meinung, dass die Digitalisierung einen großen Einfluss auf die Bereiche Einkauf, Supply Chain und Finanzen haben wird. Trotz des Bewusstseins verfügen aber bisher nur 5 Prozent über hochautomatisierte Systeme und Prozesse. Und mehr als die Hälfte der Unternehmen arbeitet immer noch mit nur leicht automatisierten Prozessen. Die Investitionen in innovative Technologien sind in vollem Gange. Ziel ist es, nicht nur den Automatisierungsgrad zu erhöhen und Kosten zu sparen, sondern auch Innovationen voranzutreiben und Missstände in der Lieferkette aufzudecken. Deshalb steht bei der Mehrheit der Unternehmen die Automatisierung auf der Agenda für die nächsten Monate und Jahre. Das bestätigt auch Dr. Karsten Machholz, Professor für Strategische Beschaffung und Supply Chain Management an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt: „Einkaufsleiter auf der ganzen Welt glauben, dass die Digitalisierung wichtiger denn je ist. Sie haben bereits erste Schritte unternommen, um die digitale Transformation in ihrem Unternehmen voranzutreiben und um möglichst schnell von ihrem Mehrwert profitieren zu können.“

Welche Investitionen sind notwendig?
Aktuell werden überwiegend Trend-Technologien für das Internet der Dinge und die Industrie 4.0 eingesetzt (22%), aber die Zukunft sieht der Einkauf in Roboter- und Automatisierungs-systemen (RAP) sowie in dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Dies spiegelt auch das Ergebnis für geplante Investitionen wider: In den nächsten Monaten wollen 20 Prozent der befragten Einkaufsorganisationen insbesondere in RAP investieren.

Punktlösungen werden mehr und mehr der Vergangenheit angehören, denn das Procurement entwickelt sich weg von seiner isolierten Funktion – von taktisch zu strategisch. Die Funktion erfordert eine vernetzte Herangehensweise, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Integrierte Plattformen und Business Netzwerke sorgen für eine umfassende Transparenz und durch einen intelligenten Datenfluss, der Sourcing, Bestellungen, Fakturierung und Zahlungen in einem geschlossenen Kreis miteinander verbindet, können Einkäufer optimale Entscheidungen treffen.

Mehr technologische Unterstützung und hochpersonalisierte Tools führen zu einer Beschleunigung der Prozesse, mehr Effizienz, einer besseren Einhaltung der Compliance sowie einer deutlich höheren Produktivität. Die Fortschritte bei der Benutzeroberfläche (UI) und der Benutzererfahrung (UX) in Verbindung mit Visualisierungs- und KI-Tools werden eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierung spielen, denn dadurch können Daten besser verstanden und interpretiert werden, was zu einer besseren und zeitnahen Entscheidungsfindung führt.

AI, Roboter und Co.
Roboter werden auch in Zukunft den Einkäufer nicht ersetzen, aber mit künstlicher Intelligenz und Machine Learning werden ihnen intelligente und effiziente Assistenten zur Verfügung gestellt. Wie die Studie zeigt, erwarten CPOs künftig schnellere und intelligentere Informationssysteme. Deshalb werden auch 60 Prozent der Befragten in diese Bereiche stark investieren: 20 Prozent sehen großes Potenzial in Roboter-Prozessautomatisierung, 17 Prozent setzen auf künstliche Intelligenz und Cognitive Computing, 15 Prozent wollen maschinelles Lernen fokussieren und 9 Prozent glauben an das Potenzial von Chat-Bots.

Talent Management wirkt dem Fachkräftemangel entgegen
Mangelnde Analysen, schlechte Datenqualität sowie Budgetrestriktionen blockieren einen erfolgreichen Wandel. Hinzu kommt der steigende Fachkräftemangel, der eine der größten Herausforderungen der Zukunft ist. Denn der Mensch ist der wichtigste Faktor für Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit. Eine Talent-Management-Strategie muss daher auch auf der Liste des Einkaufsleiters stehen. Die optimale und umfassende Förderung von Rollen, Fähigkeiten und Wissen ist die beste Lösung fehlende Qualifikationen auszugleichen. Der Einkauf wird durch die digitale Transformation revolutioniert, was ganz neue Möglichkeiten für Fachleute in diesem Bereich zur Folge hat.

Der neue CPO: Das gute Gewissen zählt mehr denn je
Die Kostensenkung steht im Einkauf nach wie vor an erster Stelle. Aber auch 88 Prozent der befragten Führungskräfte haben höhere Ziele, wie die Beseitigung von Zwangsarbeit, Konfliktmineralien und Armut in ihren Lieferketten. Sie sehen den Wert darin, ihren Unternehmen zu helfen und Gutes zu tun.

Dank der Transparenz und umfassenden Einblicke, die ein Netzwerk bietet, lässt sich genau nachvollziehen, wer wofür zuständig und verantwortlich ist, ob ein Lieferant über Governance-Strukturen verfügt, die beispielsweise Zwangsarbeit, Menschenhandel und inhumane Arbeitsbedingungen ausschließen oder ob er schonend mit natürlichen Ressourcen umgeht.

In den nächsten zehn Jahren werden die Unternehmen mehr Chancen sehen als in den letzten beiden Jahren zusammen. Durch den Einsatz digitaler Technologien und Strategien kann der Einkauf die Führung bei der Maximierung dieser Möglichkeiten übernehmen und über Kosteneinsparungen und Prozesseffizienz hinausgehen, um Zusammenarbeit, Innovation und Wettbewerbsvorteile zu fördern.

von Dr. Marcell Vollmer, Chief Digital Officer, SAP Ariba

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