Fast 70% der Einkaufsverantwortlichen aus mittelständischen und großen Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben Zweifel, dass ihre gegenwärtige Lieferantenbasis den Anforderungen der Zukunft gewachsen ist. Das ergab unter anderem eine gemeinsam von OpusCapita und dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) durchgeführte Studie zu Status und Perspektiven der Beschaffung.
An der Befragung nahmen über 100 mittelständische und große Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Einkaufsvolumen zwischen 5 Millionen und 5 Milliarden Euro teil. Befragt wurden in erster Linie CPOs, Einkaufsleiter und Category Manager.
Neben Zweifeln an der ausreichenden Qualität der Lieferantenbasis erkennen die befragten Beschaffungsverantwortlichen weitere Zukunftsrisiken für die Lieferkette in einer mangelnden abteilungsübergreifenden Vernetzung (38%), einer zu geringen operativen Effizienz (37%) und dem Vordringen neuer Technologien (37%). Darüber hinaus sehen sie gewichtige Risikofaktoren im Lieferantenmanagement und gesetzlichen Vorschriften.
Digitale Beschaffungsstrategie: Chance für mehr Effizienz
Zum Thema der Einführung einer digitalen Einkaufsstrategie sind sich die Befragten weitgehend einig und auch auf fast gleicher Ergebnislinie mit dem ProcureCon-Report auf europäischer Ebene. Eine deutliche Mehrheit (77%) begreift die digitale Transformation des Einkaufs als Chance für eine Effizienzsteigerung. 40% erwarten Kostenreduzierungen und 33% erkennen darin eine Möglichkeit zur Verringerung des Maverick Buyings.
Angesichts eines derartigen Ergebnisses bleibt die Frage danach, warum es in vielen Unternehmen noch an einer durchgängigen digitalen Einkaufsstrategie mangelt? Die von OpusCapita und dem BME Befragten sehen die Herausforderungen insbesondere bei der Integration mit dem vorhandenen System (75%), bei der Lieferantenanbindung (64%) und dem nach Meinung der Beschaffungsverantwortlichen unterschätzten Zeitaufwand für die Implementierung (59%).
Mehr Kooperation zwischen Beschaffung und Finanzierung
Eine große Mehrheit der Befragten fordert eine engere Kooperation zwischen Beschaffung und Finanzen – und verbindet damit auch gewichtige Vorteile: Prozess-Harmonisierung (70%), mehr Transparenz (64%, Kostenreduzierung (62%) und effizienteres Cash Management (55%). Doch in der Praxis scheint es mit der Zusammenarbeit in vielen Unternehmen noch zu hapern. 50% der Befragten gaben an, gar keine bzw. nur gelegentliche Kontakte zum Finanzbereich zu pflegen. Man kann das allerdings auch positiv sehen: in der anderen Hälfte der befragten Unternehmen kommen Beschaffer und Finanzverantwortliche bereits wöchentlich (35%) bzw. sogar täglich (15%) zusammen.
Lieferantenfinanzierung mit Nachholbedarf in Sachen Bekanntheit
Supply Chain Financing ist in den DACH-Ländern nach den Studienergebnissen noch wenig bekannt. So wissen über ein Viertel der von OpusCapita und BEM befragten Einkaufs-verantwortlichen mit diesem Finanzierungsmodell nichts anzufangen. Für nahezu jeden dritten Befragten ist das Thema zudem nicht wichtig. 29% bescheinigen dem SCF-Konzept, immerhin eine teilweise Bedeutung. 11% betrachten es sogar als wichtig. OpusCapita sieht dieses Ergebnis als Ansporn, potenzielle Kunden noch ausführlicher über die Vorteile dieses Finanzierungskonzepts zu informieren, mit dem Verkäufer schneller zu Geld kommen und Käufer durch längere Zahlungsziele ihr Working Capital verbessern.
Die kompletten Studienergebnisse können Sie hier downloaden.

