Seegüterumschlag in Hamburg steigt kräftig

Deutschlands größter Universalhafen profitiert von einer erstarkten Weltkonjunktur und erreicht mit 9,4 Prozent ein kräftiges Plus im Seegüterumschlag. Im Hamburger Hafen wurden in der ersten Jahreshälfte 64,1 Millionen Tonnen Seegüter umgeschlagen.

Der Stückgutumschlag brachte Hamburg im ersten Halbjahr 2011 ein starkes Wachstum und erreichte mit 44,7 Millionen Tonnen ein Plus von 15,1 Prozent. Der Massengutum-schlag blieb im gleichen Zeitraum mit 1,8 Prozent leicht unter dem Ergebnis 2010 und erreichte eine Umschlagmenge von insgesamt 19,4 Millionen Tonnen. Der Container-umschlag kletterte mit einem Plus von 17,4 Prozent auf rund 4,3 Millionen TEU (20-Fuß-Standardcontainer). Zusätzliche Umschlagmengen wurden unter anderem durch neue oder erweiterte Liniendienste generiert.

Positive Effekte auf den Hamburger Hafen hatte unter anderem die strategische Aus-richtung der Linienreedereien, die auf der einen Seite die Größeneffekte durch größere Schiffseinheiten für weiteres Wachstum nutzten und auf der anderen Seite Vereinbarungen von Vessel-Sharing-Agreements und Slotcharter-Vereinbarungen trafen. Im ersten Halbjahr konnte Hamburg bereits mehr als 10 neue Liniendienste begrüßen. Gleichzeitig wurden zunehmend in den neuen und bestehenden Liniendiensten größere Schiffseinheiten ein-gesetzt.

Besonders die starke Entwicklung im Import , der insgesamt 37,4 Millionen Tonnen erreich-te, sorgte für ein überdurchschnittliches Wachstum von 11,1 Prozent. Der Export kam im ersten Halbjahr auf 26,7 Millionen Tonnen und verbesserte sich um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Claudia Roller, Vorstandsvorsitzende vom Hafen Hamburg Marketing e.V., berichtete dass beim Containerumschlag in den ersten sechs Monaten des Jahres die Exporte mit 21,4 Millionen Tonnen (+ 13,9 Prozent) nur geringfügig unter den Importen mit 22,1 Millionen Tonnen (+ 17,7 Prozent) lagen. „Der Hamburger Hafen ist mit seinem fast ausgeglichenen Ladungsvolumen auf der Export- und Importseite für Reeder-eien und Kunden ein äußerst attraktiver Hafenplatz in Nordeuropa. Die Umschlagzahlen für das erste Halbjahr sind sehr erfreulich und machen deutlich, dass der Universalhafen Hamburg seine große Bedeutung für die Außenwirtschaft der Bundesrepublik und unserer Nachbarländer weiter ausbaut“, betonte Claudia Roller. Auch Jens Meier, Geschäftsführer der Hamburg Port Authority freut sich über die positive Entwicklung der Umschlagzahlen: „Jetzt zahlt sich aus, dass wir während der Krise unvermindert in die Hafeninfrastruktur investiert haben. Aufgrund des starken Wachstums und der damit verbundenen Heraus-forderungen für die Hafenverkehre müssen wir unser Ausbauprogramm in hohem Tempo fortführen.“ „Wachsende Umschlagmengen machen besonders deutlich, dass der Hafen- und Wirtschaftsstandort Hamburg in seiner Gesamtheit erhalten und zukunftsfähig weiter ausgebaut werden muss. Wir erarbeiten derzeit im Dialog mit der HPA, anderen Behörden, der Hafenwirtschaft, Industrie und Handel sowie Verbänden und Kammern einen auf 15 Jahre ausgelegten Hafenentwicklungsplan. Für den Universalhafen Hamburg wollen wir damit möglichst optimale Rahmenbedingungen schaffen“, erläuterte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch.

Das Wachstum im Containerumschlag ist auf positive Entwicklungen in allen Fahrtgebieten zurückzuführen. So nahm der Containerumschlag im Verkehr mit den europäischen Häfen mit einem Zuwachs von 25,9 Prozent auf 1,2 Millionen TEU überdurchschnittlich zu. Haupt-wachstumsregion waren in den ersten sechs Monaten die Containerverkehre mit Russ-land, Polen und den Baltischen Staaten, die mit einer Zunahme von 50,5 Prozent auf 505.000 TEU anstiegen. Der Containerumschlag mit Russland entwickelte sich im ersten Halbjahr überdurchschnittlich und erreichte ein Volumen von 276.000 TEU. Dies entspricht einem Zuwachs von 45 Prozent. Russland baut damit seine Position als Hamburgs be-deutendster Handelspartner im Europa-Containerverkehr und drittstärkster Handels-partner im weltweiten Containerverkehr aus. Auch der Containerumschlag mit Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden erreichte mit 443.000 TEU ein kräftiges Plus von 13,4 Prozent. Der Hamburger Hafen ist mit rund 154 Feederabfahrten pro Woche Europas führender Feederhafen für die Ostseeregion. Der Feederverkehr via Hamburg legte im ersten Halbjahr um insgesamt mehr als 30 Prozent zu. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass einige Linienreeder verstärkt ihre Transhipment-Verkehre in Hamburg konzentrieren.

Der Containerumschlag mit Nord-, Zentral- und Südamerika verzeichnete im ersten Halb-jahr mit 460.000 TEU einen Zuwachs von 21,2 Prozent. „Wir freuen uns über die sehr gute Entwicklung im Containerverkehr mit den USA, der in den ersten sechs Monaten einen Umschlag von 109.000 TEU erreichte. Dies entspricht einer Zunahme von 47,4 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Damit steigen die USA von Rang 16 auf Rang 9 der wichtigsten Handelspartner im Containerverkehr mit Hamburg. In der ersten Jahreshälfte konnte der Hamburger Hafen bereits zwei zusätzliche Transatlantik-Dienste gewinnen. Ein dritter Nordamerika-Dienst ist Anfang August gestartet und wird weiteres Wachstum generieren“, erläuterte Claudia Roller. Mit einem Containerumschlag von 117.000 TEU via Hamburg verzeichnete auch Afrika einen Zuwachs von 21,2 Prozent. Die für den Hamburger Hafen wichtigste Marktregion Asien entwickelte sich im ersten Halbjahr mit einem Umschlagergebnis von 2,5 Millionen TEU sehr positiv und kam auf ein Plus von 12,9 Prozent im Containerumschlag mit Hamburg. Die Containerverkehre mit China, Hamburgs größtem Handelspartner im Containerumschlag, erreichten rund 1,4 Millionen TEU und damit einen Zuwachs von 14,7 Prozent. Hamburg ist nach wie vor in Europa der führende Umschlagplatz im Containerverkehr mit Asien und China. Ein bedeutender Teil dieser Im- und Export-Container wird als Transhipment-Ladung über die Drehscheibe Hamburg per Feederschiff in die Ostseeregion transportiert.

Der konventionelle Umschlag von Stückgut blieb in den ersten sechs Monaten mit einem Ergebnis von 1,2 Millionen Tonnen (- 6,9 Prozent) unter dem Vorjahresergebnis. In diesem Segment konnte der mit 13,3 Prozent im Export und mit 38,5 Prozent im Import gewachsene Fahrzeugumschlag nicht die Rückgänge im Fruchtumschlag (- 17,5 Prozent) und bei anderer konventioneller Ladung ausgleichen. Das zweite Quartal 2011 brachte aber bereits gegenüber dem ersten Quartal eine Zunahme beim konventionellen Umschlag von 4,2 Prozent, die unter anderem auf steigende Importmengen bei Metallen und Papier zurückzu-führen ist.

Der Massengutumschlag , der in den ersten sechs Monaten in Hamburg ein Ergebnis von 19,4 Millionen Tonnen erreichte, blieb rund 350.000 Tonnen (- 1,8 Prozent) unter dem Vor-jahresergebnis. Der Rückgang ist vor allem auf schwächere Exporte von Getreide zurück-zuführen. Auf der Importseite konnte dagegen mit 14,7 Millionen Tonnen das Vorjahres-ergebnis um 3,3 Prozent verbessert werden. Besonders der Import von Ölfrüchten, Getreide und Futtermitteln brachte unter Berücksichtigung einer Zunahme bei Kohle und Koks dieses gute Ergebnis beim trockenen Massengutumschlag. Der Bereich Flüssigladung blieb mit 6,7 Millionen Tonnen 1,8 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Hier konnten stärkere Importe von Rohöl und Mineralölprodukten den Rückgang auf der Exportseite nicht ausgleichen.

Eine weitere Aufwärtsentwicklung im Seegüterumschlag des Hamburger Hafens ist stark abhängig von einem anhaltend positiven Weltwirtschaftsklima. Dabei schließt Claudia Roller nicht aus, dass die Risiken im Zusammenhang mit der Verschuldungsproblematik Europas und der USA auch Einfluss auf die noch hohe Nachfragesituation der Märkte nehmen kann. Unter dieser Voraussetzung erwartet Claudia Roller 2011 beim Gesamt-umschlag für den Hamburger Hafen ein Ergebnis von rund 131 Millionen Tonnen. Für den Gesamtumschlag rechnet sie 2011 mit einem Zuwachs zwischen acht und zehn Prozent. Bei dem Containerumschlag geht Claudia Roller mit knapp 9 Millionen TEU von einem Jahreszuwachs von mehr als zehn Prozent aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.