Roland Berger Strategy Consultants hat in einer Gemeinschaftsstudie erstmals nach- gewiesen, dass Unternehmen ihre Performance durch „optimalen Supply-Chain-Fit“ steigern können.
Die Studie „Global Supply Chain Management Excellence“ wurde zusammen mit den Universitäten WHU (Otto Beisheim School of Management), Stanford University und ETH Zürich durchgeführt. Sie basiert auf einer Umfrage unter 234 Unternehmen, vor allem der europäischen und US-amerikanischen verarbeitenden Industrie, darunter zahlreiche Blue-Chip-Unternehmen mit einem Umsatzvolumen über 1 Milliarde Euro.
Unternehmen, die ihre Supply Chain entsprechend optimiert haben, erzielen beispiels- weise eine Gesamtkapitalrendite (ROA), die 4 bis 6 Prozentpunkte über der von Unternehmen ohne Supply-Chain-Fit liegt; bei Umsatzwachstum und EBIT-Marge liegt die Verbesserung zwischen 2 bis 8 Prozentpunkte. Betrachtet man die Rendite des eingesetzten Kapitals (ROCE) sind die Werte sogar zwischen 14 und 17 Prozentpunkten höher. Die Studie zieht den Schluss, dass es im Supply Chain Management (SCM) von grundlegender Bedeutung ist, die Struktur der Supply Chain an die Erfordernisse der Produktpalette anzupassen: Standardprodukte erfordern eine möglichst effiziente Supply-Chain-Struktur, bei Spezialprodukten kommt es auf die schnelle Reaktion an.
„Vor allem in den Bereichen Konsumgüter und Elektroanlagen erzielen Unternehmen mit Supply-Chain-Fit erheblich bessere Unternehmenskennzahlen. Bei Elektroanlagen zum Beispiel, liegen die ROA Werte bis zu 10 Prozentpunkte über dem Durchschnitt“, sagt Robert Ohmayer, Verfasser der Studie und Partner im Competence Center Operations Strategy bei Roland Berger Strategy Consultants. „Mit strategischen Entscheidungen zu ihrer Supply-Chain-Struktur nehmen Unternehmen direkt Einfluss auf die beiden Haupttreiber zur Verbesserung des ROA: die Anlagenproduktivität und die EBIT-Marge“, sagt Ohmayer. Die spezifischen Bedürfnisse eines Unternehmens ergeben sich in erster Linie aus den speziellen Eigenschaften seiner Produkte: Standardprodukte mit langer Nutzungsdauer, geringen Kostenschwankungen, guter Prognosegenauigkeit und seltenen Bestellungsänderungen durch die Kunden erfordern eine effiziente Supply-Chain-Struktur mit geringen Kosten, hohem Bestandsumschlag und hoher Kapzitätsauslastung. Nach Kundenspezifikationen gefertigte Produkte zeichnen sich im Gegensatz dazu durch kurze Nutzungsdauer, zahlreiche Produktvarianten, geringere Prognosegenauigkeit und häufigere Änderungen der Bestellungen aus. Deshalb benötigen sie eine reaktionsschnellere Supply-Chain-Struktur mit höherer Liefersicherheit, hohem Pufferbestand, großer Kapazität und hohem Kundenservicegrad. „Die Bayer Schering AG etwa hat ihre Supply Chain strategisch mit Blick auf besondere Reaktionsschnelligkeit optimiert. Dadurch erzielt das Unternehmen hervorragende ROCE-Werte von 25,2 Prozent mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von 7,5 Prozent (2004-2006).“
Der Prozentsatz der Unternehmen, die ihre Supply Chain auf die Erfordernisse ihrer Produkte abgestimmt haben, variiert von 36 Prozent in der Prozessindustrie bis zu 78 Prozent im Bereich Konsumgüter. „Offenbar gibt es in allen Branchen immer noch zahlreiche Unternehmen ohne Supply-Chain-Fit“, sagt Steffen Kilimann, Verfasser der Studie und Project Manager bei Roland Berger. „Und das obwohl der durchschnittliche ROA von Unternehmen mit Supply-Chain-Fit im Zeitraum 2004-2006 für Hersteller von Standardprodukten bei 11 Prozent und für Hersteller von Spezialprodukten bei 9 Prozent lag. Das sind 6 beziehungsweise 4 Prozentpunkte mehr als bei Unternehmen ohne Supply-Chain-Fit.“ Vergleichbare Ergebnisse wurden zum Beispiel für Umsatzwachstum und EBIT-Marge ermittelt: Unternehmen mit Standardprodukten und optimierter Supply Chain erzielten 14 Prozent Umsatzwachstum (gegenüber 6 Prozent) und 10 Prozent EBIT-Marge (gegenüber 6 Prozent). Hersteller von Spezialprodukten hatten ein Umsatzwachstum von 13 Prozent (gegenüber 8 Prozent) und eine EBIT-Marge von 10 Prozent (gegenüber 8 Prozent).
Während sich die Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren bei der Optimierung ihrer Supply Chain vor allem auf die Einsparung von Kosten konzentrierten, stehen jetzt Verbesserungen bei Nachfrageplanung und Prognose an. „Es hat sich gezeigt, dass die meisten Unternehmen ohne optimiertes SCM bereits Handlungsbedarf erkannt haben“, sagt Robert Ohmayer.

