Der Lagerbestand spiegelt in der Regel die komplette Lieferkette eines Unternehmens. Jede Organisation, die eine große Menge an Lagerbeständen besitzt, wird mit Überständen konfrontiert, die Kapital binden, der Profitabilität schaden und sich letzen Endes negativ auf die Lieferkette auswirken. Eine bewährte Methode, dieses Problem zu adressieren, ist die eigenen Lieferketten-Prozesse zu optimieren. Dafür braucht das Unternehmen einerseits einen ganzheitlichen Blick und andererseits müssen die Mauern zwischen den Abteilungen „weggerissen“ werden. In der Praxis haben sich vier Leistungsindikatoren herauskristallisiert, die dabei helfen:
1. Gebundes Kapital im Lager
Viele Unternehmen wissen nicht, wie viel gebundenes Kapitel im Lager steckt. Eine richtige Balance zwischen den verschiedenen klassifizierten Produkten ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Eine ABC-Analyse schafft dabei Abhilfe. Grundsätzlich ist die ABC-Analyse ein betriebswirtschaftliches Analyseverfahren. Sie teilt eine Menge von Objekten in die Klassen A, B und C auf, die nach absteigender Bedeutung geordnet sind. Eine typische ABC-Analyse zeigt z. B. auf, welche Kunden oder Produkte am stärksten am Umsatz eines Unternehmens beteiligt sind (A) und welche am wenigsten (C). Basis ist dabei die sogenannte 80/20-Regel, die besagt, dass bereits 20% der gelagerten Produkte 80% des Umsatzes ausmachen.
Für die Lieferkette bedeutet dies, dass schnell bewegliche Produkte eine A-Klassifizierung haben sollten. Durch B und C klassifizierte Produkte haben Unternehmen dann mehr Spiel-raum zum Experimentieren und können mit geringeren Bestandsmengen das Kapital reduzieren, was mögliche finanzielle Ressourcen für andere Geschäftsbereiche mit hoher Priorität (z.B. Marketing Aktivitäten oder Produktinnovationen) freisetzt.
2. Erholung von Lieferrückständen
Supply Chain Manager müssen stets ein Auge auf Lieferrückstände haben, die durch das Fehlen von bestellten Produkten auftreten. Ein konstant hohes Niveau von Lieferrückständen impliziert zwar eine hohe Marktnachfrage für ein Unternehmensprodukt, jedoch entsteht gleichzeitig auch ein Risiko durch zu lange Wartelieferzeiten Bestellungen und letzten Endes Kunden zu verlieren. In diesem Fall kann eine automatisierte Bestandsverwaltungssoftware falsche Nachbestellungszeitpunkte sowie Nachfüllungsprozesse und Opportunitätskosten durch verlorene Verkäufe verhindern und somit die gesamte Lieferkette verbessern.
3. Leistung der Lieferanten
Die Leistung der Lieferanten sollte stets beobachtet werden, da ein mangelndes Management hier zu fatalen Störungen innerhalb der Lieferkette, Lieferproblemen, schlechter Qualität und anderen Problemen, die der Glaubwürdigkeit des Unternehmens schaden könnten, führen kann. Daher ist es notwendig, die Leistung der Lieferanten durch KPIs (Key Performance Indicators) zu messen. Diese stellen Kennzahlen dar, anhand derer der Fortschritt oder der Erfüllungsgrad hinsichtlich wichtiger Zielsetzungen oder kritischer Erfolgsfaktoren innerhalb einer Organisation gemessen werden können. Wenn Lieferanten nicht den Bestell-Rhythmen gerechtet werden können, leidet die gesamte Lieferkette, da es zu Verzögerungen kommt, Produkte nicht verfügbar sind, was sich schlussendlich wieder negativ auf den Endkunden auswirkt.
4. Optimierte Nachfrageprognosen
Eine Nachfrageprognose ist eine geschätzte Nachfrage von dem, was erforderlich ist, um Kundenanfragen über einen definierten Zeitraum zu befriedigen. Wissen über Nachfrage-schwankungen ermöglicht es Unternehmen, die richtige Bestandsmenge zu besitzen. Wenn die Nachfrage unterschätzt wird, kann der Umsatz durch fehlende Produkte im Lager verloren gehen und wenn die Nachfrage wiederum überschätzt wird, kann Überbestand entstehen, der zu einer finanziellen Belastung wird. Die gesamte Lieferkette leidet durch falsche Kalkula-tionen. Um dem entgegen zu wirken, sollten folgende Aspekte stets analysiert werden:
a. In welcher Phase des Produktlebenszyklus befinden sich die jeweiligen Produkte? Wurde das Produkt gerade neu eingeführt oder ist der Umsatz bereits abklingend, so dass ent-sprechende Verkaufs- und Marketingaktionen notwendig sind.
b. Wie ist die Saisonalität der Produkte? Fast jeder Hersteller oder Händler kann mit saiso-nalen Nachfrageschwankungen rechnen. Ein Verständnis über die jeweilige Saisonalität ermöglicht eine bessere Planung und eine gesunde Lieferkette.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Beachtung der vier genannten Indikatoren sich positiv auf die gesamte Lieferkette auswirkt, da Prozesse und Planung optimiert werden. Ein gesunder Lagerbestand ist Maßstab einer gesunden Lieferkette.
Dieser Artikel wurde von Daniel Fritsch vom Unternehmen EazyStock.de veröffentlicht.

