Nach den enttäuschenden Wirtschaftsdaten für Juni haben die Juli-Daten laut Monats-bericht der Bundesbank positiv überrascht. Dies zerstreut Befürchtungen eines abrupten Endes der gesamtwirtschaftlichen Aufwärtsbewegung. Gestützt wird dies neben dem immer noch positiven Geschäftsklima vor allem dadurch, dass sich der Arbeitsmarkt in einer sehr guten Verfassung zeigt und die Konsumenten trotz eingetrübter Konjunktur-perspektiven ihre Einkommenserwartungen und Konsumpläne nicht angepasst haben. Allerdings gilt es auch zu beachten, dass der Einstieg in das dritte Quartal durch Sonder-faktoren begünstigt wurde und daher für sich genommen ein zu gutes Konjunkturbild vermittelt. Der in saisonbereinigter Rechnung kräftige Zuwachs der Industrieproduktion ist überwiegend darauf zurückzuführen, dass die Schulferien in diesem Jahr schwerpunkt-mäßig in den August gefallen sind.
Beim industriellen Auftragseingang schlugen neben den Ferieneffekten Großaufträge im Schiffbau zu Buche, die erst mit erheblicher Verzögerung und über einen außergewöhnlich langen Zeitraum produktionswirksam werden. Besser als die kurzfristigen Veränderungen der Aufträge und der Produktion dürften die Vertrauensindikatoren das konjunkturelle Grundtempo erfassen. Diese wurden im August weiter zurückgenommen, wobei nicht nur die Geschäftserwartungen, sondern auch die Lage zurückhaltender eingestuft wurde.
Industrie
Die industrielle Erzeugung ist im Juli verglichen mit dem Vormonat saisonbereinigt kräftig um 2,5% ausgeweitet worden. Dies stand in besonderem Maße in Verbindung mit der Verschiebung eines großen Teils der Schul- und Werksferien – vor allem in der Automobil-industrie – in den August, die durch die übliche Saisonbereinigung nicht erfasst wird. Gegenüber dem Mittel des Frühjahrsquartals ergab sich ein Zuwachs um 2,25%. Die Fertigung von Investitionsgütern legte markant um 4,75% zu. Dabei war insbesondere die außerordentlich starke Steigerung der Kfz-Produktion von Bedeutung. Dagegen überschritt der Ausstoß von Vorleistungs- und von Konsumgütern den Vorquartalsstand nur wenig (jeweils + 0,25%).
Die Auftragseingänge für die deutsche Industrie lagen im Juli saisonbereinigt um 4,75% über dem Stand des Vormonats. Der Vorquartalsdurchschnitt wurde um 2% übertroffen. Zum guten Juli-Ergebnis haben ebenfalls Ferieneffekte beigetragen. Hinzu kamen Groß-aufträge im Schiffbau. Sie stammten überwiegend aus Drittländern, deren gesamtes Bestellvolumen deshalb außerordentlich stark um 8,25% zunahm. Dies war auch aus-schlaggebend dafür, dass sich die Auslandsnachfrage insgesamt kräftig um 4% erhöhte, obwohl es aus dem Euro-Raum vor allem aufgrund eines geringeren Orderumfangs im Bereich der Luft- und Raumfahrtindustrie ein deutliches Minus von 3% gab.
Zudem erreichten die inländischen Aufträge nicht ganz das Vorquartalsmittel (– 0,25%). Die Bestellungen für Investitionsgüter erhöhten sich insgesamt um 4%. Die Vorleistungsgüter-industrie verbuchte einen leichten Zuwachs (+ 0,5%). Dagegen wurden deutlich weniger Konsumgüter geordert (– 3,25%). Die Umsätze in der Industrie legten im Juli gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 1,25% zu. Verglichen mit dem Durchschnitt des zweiten Vierteljahres belief sich der Anstieg auf 1,5%. Der Absatz wurde prozentual beinahe gleichermaßen im Inland und im Ausland ausgeweitet (+ 1,5% bzw. + 1,75%). Dabei war der Zuwachs in den EWU-Ländern (+ 2%) stärker als in den Drittstaaten (+ 1,25%). Die Warenausfuhren expandierten im Juli gegenüber der Vorperiode dem Wert nach saison-bereinigt sehr kräftig um 4,75%. Im Vergleich zum Durchschnitt des Frühjahrsquartals gab es ebenfalls ein beträchtliches Plus von 5%. Der Wert der Importe verringerte sich im Juli gegenüber Juni um 1,75%. Trotzdem wurde das durchschnittliche Niveau des Vorquartals praktisch erreicht.
Baugewerbe
Die Produktion im Baugewerbe nahm im Juli saisonbereinigt um 1,75% gegenüber dem Vormonat zu. Das nach witterungsbegünstigtem Jahresanfang gedrückte Niveau des Frühjahrsquartals wurde um 1,25% übertroffen. Gleichwohl ergab sich im Vorjahresver-gleich erneut ein Rückstand. Die Erzeugung im Bauhauptgewerbe stieg im Vergleich zum zweiten Vierteljahr um 0,75% an. Im Ausbaugewerbe, dessen Meldungen in besonderem Maße revisionsanfällig und daher als sehr vorläufig anzusehen sind, nahm sie um 1,75% zu. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe verfehlte im zweiten Vierteljahr 2014 – bis dahin liegen Angaben vor – den Stand des Winterquartals saisonbereinigt um 4,75%. Besonders stark war der Rückgang bei den gewerblichen Bauorders. Zudem wies der Wohnungsbau ein deutliches Minus auf. Hinzu kam, dass es im öffentlichen Bau an spürbaren Nachfrageimpulsen mangelte.
Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiter in sehr guter Verfassung. Die Zahl der Erwerbstätigen im
Inland erhöhte sich im Juli gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt deutlich um 44 000. Im Vorjahresvergleich nahm sie um 341 000 Personen oder 0,8% zu. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse stieg nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Juni verglichen mit Mai saisonbereinigt kräftig um 90 000, nach durch durchschnittlich + 48 000 in den ersten fünf Monaten.

