Im Jahr 2011 stand die Schifffahrt erneut vor großen Herausforderungen. Die Charter- und Frachtraten erreichten in 2011 für die Reeder nur schwer oder selten ein auskömmliches Niveau. Während die Frachtraten in 2010 zunächst auf einem hohen Niveau waren, blieben sie in 2011 insbesondere in der „Peak Season“ deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ausgelöst wurde diese Entwicklung insbesondere in der Containerschifffahrt durch einen ruinösen Kampf um Marktanteile. Die Charterraten kamen nach einer kurzen Erholung ebenfalls unter Druck. Darüber hinaus belasten die steigenden Bunkerpreise die gesamte Branche erheblich. Die Kosten für eine Tonne Bunker sind alleine 2011 um fast 50 Prozent gestiegen.
Die mittel- und langfristigen Aussichten für die Schifffahrt bleiben grundsätzlich positiv. Die deutschen Exporte übersteigen mittlerweile die Grenze von 1.000 Mrd. €. Deutschland wird 2011 nochmals ein hohes Wirtschaftswachstum von 3% erreichen. Die Ökonomen sind sich einig, dass das Wachstum der Weltwirtschaft anhalten wird und der Welthandel zunimmt. Weltweit werden über 90% der Güter per Schiff transportiert. Die Schifffahrt bleibt ein unverzichtbarer Teil einer Welt, die wirtschaftlich und politisch immer weiter zusammen-wächst.
„Die Rahmenbedingungen für die Schifffahrt bleiben auch künftig sehr gut. Die Arbeits-teilung in der Welt und der Warenaustausch über See werden weiter zunehmen. Die deutschen Reeder sind insgesamt gut aufgestellt, um von dieser Entwicklung weiter überproportional zu profitieren“, so Michael Behrendt, Präsident des VDR, auf der Jahrespressekonferenz in Hamburg..
Eine der wichtigsten gegenwärtigen Aufgaben für die Schifffahrt bleibt der Umweltschutz. Die internationale Reedergemeinschaft hat anlässlich der Klimakonferenz in Durban aktiv weitreichende Vorschläge zum Klimaschutz gemacht. Gemeinsam mit den Umweltver-bänden WWF und Oxfam schlagen die Reeder vor, einen Klimafonds einzurichten. Ebenso hat der VDR zusammen mit den internationalen Reederverbänden maßgeblich dazu beigetragen, mit dem Energy Efficiency Design Index (EEDI) für Neubauschiffe die weltweit erste verbindliche Kimaschutzmaßnahme auf IMO-Ebene zu vereinbaren.
Der VDR unterstützt Maßnahmen, auch die Schwefelemissionen von Schiffen deutlich zu reduzieren. Wenn 2015 die noch einmal erheblich niedrigeren Schwefelgrenzwerte in Nord- und Ostsee in Kraft treten sollten, wird es jedoch zu erheblichen Verkehrs- und Emissions-verlagerungen von der See auf die Straße kommen. In einem strukturierten Dialog mit der Bundesregierung arbeitet der VDR daran, die unerwünschten Folgen zu vermeiden. Dabei wird insbesondere angestrebt, die Erprobung neuer technischer Umrüstmaßnahmen zu unterstützen. Schiffe, die aus objektiven Gründen nicht umgerüstet werden können, brauchen hingegen eine Ausnahmeregelung, um negative Folgen für Unternehmen und Arbeitsplätze zu vermeiden.

