Trotz der politischen Unsicherheit halten deutsche Unternehmen am Standort Ägypten fest. „Eine Verlagerung an andere Standorte und damit die Aufgabe unserer ägyptischen Fertigungen sehen wir zurzeit nicht“, sagte Uwe H. Lamann, Vorstand beim Autozulieferer Leoni, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin impulse.
Kaum ein anderes deutsches Unternehmen ist so abhängig von der Entwicklung in Nordafrika wie Leoni. 24.000 Arbeiter beschäftigt der Zulieferer in der Region. Allein rund um Kairo sind es 4.000. Sie produzieren Kabelsätze für die europäischen Autohersteller. Das Nürnberger Unternehmen hatte in Ägypten gerade wegen der Unruhen in Tunesien die Produktion erhöht, wo das Unternehmen ebenfalls produziert.
Der Sanitärkeramik-Hersteller Duravit hält laut impulse (Ausgabe 3/2011, Erscheinungs- termin 24. Februar) ebenfalls an Ägypten fest. Von den rund 5.000 Beschäftigten des Konzerns arbeiten mehr als die Hälfte in dem nordafrikanischen Land. Sie produzieren in zwei Fabriken Keramik- und Acryl-Badewannen für den Weltmarkt. „Kurzfristig ist der Markt beeinträchtigt. Alle halten Investitionen zurück. Langfristig aber kann Ägypten wie Phoenix aus der Asche steigen“, sagte Duravit-Vorstandschef Franz Kook gegenüber dem Wirtschaftsmagazin. „Wir rennen jetzt nicht weg.“ Ägypten sei nicht nur als Produktions- standort wichtig, sondern werde auch als Absatzmarkt immer interessanter.
In Ägypten und seinen Nachbarländern sind die Löhne weit niedriger als etwa in Osteuropa. Das macht arbeitsintensive Handarbeit so bezahlbar wie sonst nur in Fernost. Durch die Nähe zur Europäischen Union sind die Transportwege kurz und damit billig und es kann schnell auf Bestellungen reagiert werden. Auch die Kosten für Büroflächen, Strom und Telekommunikation gehören zu den niedrigsten der Welt.

