Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aktualisiert und angesichts der verschärften Rezessions-tendenzen in der Eurozone nach unten revidiert. Schon die vorangegangenen Prognosen standen stets unter dem Vorbehalt, dass die Eurokrise nicht weiter eskalieren würde. Diese Erwartungen wurden ebenso regelmäßig enttäuscht. Inzwischen hat sich die Situation vor allem in Griechenland, Spanien und Italien weiter zugespitzt. Wegen der ungünstigeren Exportaussichten und deren Folgewirkungen haben sich auch die Konjunkturperspektiven für Deutschland eingetrübt. Für 2012 wird nunmehr mit einem Wirtschaftswachstum von 3/4 % gerechnet, für 2013 mit einem von 1/2 %.
Die Risiken für eine ungünstigere Entwicklung bleiben angesichts der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Eurokrise erheblich. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird sich eher verschlechtern, die Zahl der Arbeitslosen ist bereits leicht gestiegen. Der Inflations-druck ist unter diesen Bedingungen sehr gering, die Inflationsrate dürfte daher wieder unter 2 % sinken.
Neben der Abschwächung der Auslandsnachfrage mehren sich inzwischen auch die Anzeichen für eine Abkühlung der bislang recht guten Binnenkonjunktur. Das reale Bruttoinlandsprodukt ist nach zu Jahresbeginn noch deutlichem Anstieg im 2. Quartal merklich schwächer gewachsen. Besorgniserregend ist vor allem die zunehmende Zurückhaltung der Unternehmen bei ihren Investitionen in Ausrüstungen. Überdies scheint der bislang kräftige Anstieg der Beschäftigung allmählich auszulaufen. Die Zahl der Arbeitslosen hat in den letzten Monaten saisonbereinigt bereits leicht zugenommen, was allerdings auch an der verstärkten Zuwanderung gelegen haben dürfte. Gestützt wurden Einkommen und privater Verbrauch bislang neben der Beschäftigungszunahme auch durch die höheren Tariflohnsteigerungen. Weiterhin sehr expansiv ist die Entwicklung im Wohnungsbau, der auch von der Eurokrise und der Flucht in scheinbar sichere Anlagen wie Wohnimmobilien profitiert. Deutlich rückläufig ist hingegen der öffentliche Bau.
In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich die deutsche Konjunktur aufgrund der anhaltenden Rezession in der Eurozone weiter abschwächen. Die deutschen Unternehmen werden wegen der nachlassenden Nachfrage ihre Produktion eher drosseln. Das wird nach den Investitionen auch den Anstieg von Beschäftigung, Einkommen und privatem Verbrauch dämpfen. Der gesunkene Eurokurs dürfte die Zunahme der Exporte nach Übersee stützen und den Rückgang der europäischen Nachfrage weitgehend kompensieren. Für die gesamtwirtschaftliche Produktion ist für die zweite Jahreshälfte mit kaum mehr als Stagnation zu rechnen. Auch die deutsche Wirtschaft wird somit an den Rand einer Rezession geraten. Im Durchschnitt dieses Jahres wäre dann noch mit einer Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts von einem Dreiviertelprozent zu rechnen. Die Beschäftigung wird bei dieser Entwicklung im weiteren Verlauf stagnieren. Der Preisauftrieb bleibt trotz der Energieverteuerung insgesamt gering.

