Wege für Frauen in den Aufsichtsrat

Carola Eck-Philipp, Projektleitung von WomenONBoard, berichtete in ihrem Vortrag beim Business Netzwerk weiblicher Führungskräfte in Frankfurt auf der Basis der Erkenntnisse der Studie WomenONBoard“, einem Projekt des internationalen Managementnetzwerkes EWMD und der Helga Stödter-Stiftung, über Wege für Frauen in den Aufsichtsrat. All about Sourcing befragte Carola Eck-Philipp zu Strategien und Erfolgsrezepten.

Sourcing: Wie stellt sich die aktuelle Situation von Frauen in Aufsichtsräten dar?
Eck-Philipp: Laut WOB-Index haben 35 Prozent der 160 DAX, MDAX, SDAX und TecDAX-Unternehmen keine Frau in Aufsichtsrat oder Vorstand. 11 Jahre nach der Selbstver-pflichtungserklärung der deutschen Wirtschaft, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen, und 3 Jahre nach der Aufnahme der Forderung nach mehr Vielfalt in den Deutschen Corporate Governance Kodex liegt der kumulierte Anteil von Frauen bei 8 %. Von einer angemessenen Beteiligung der Frauen kann also keine Rede sein. Deutschland liegt im europäischen Vergleich in letzten Drittel. Das ist blamabel.

Sourcing: Sie haben im Rahmen der EWMD-Studie „WomenONBoard.“ Interviews mit Frauen in Aufsichtsräten in Deutschland, Österreich und der Schweiz geführt. Was waren die Erfolgsrezepte dieser Frauen, nach oben zu kommen?
Eck-Philipp: Die befragten Frauen haben sich mittelfristige Ziele gesetzt und konsequent verfolgt. Sie haben pro-aktiv Herausforderungen gesucht und sind Risiken eingegangen. Außerdem haben sie sich ein tragfähiges Netzwerk innerhalb und außerhalb des Unternehmens aufgebaut.

Sourcing: Konnten Sie Unterschiede bei den Frauen innerhalb der einzelnen Länder feststellen?
Eck-Philipp: Die Situation für Frauen ist in allen drei Ländern nicht wirklich gut, aber in Österreich strebt man zumindest im öffentlichen Sektor eine Quote von 40% an. Bei uns sind es aktuell 17% – ohne Zielvorgabe. Auch in der Schweiz findet man mehr Frauen im Vorstand. Das liegt meines Erachtens daran, dass der Anteil internationaler Unternehmen in der Schweiz höher ist. Das ist ein Vorteil, denn das Thema „Diversity“ wird gerade hier besonders gefördert. Die Unternehmenskulturen sind offener, was Frauen den Weg nach oben deutlich erleichtert. Die Schweizer Kultur ist generell konsensorientierter als bei uns und auch das scheint sich für Frauen positiv auszuwirken.

Sourcing: Welche Karrierestrategien sollten Frauen also konkret befolgen, wenn sie den Wunsch haben, in Aufsichtsratspositionen oder das obere Management vorzudringen?
Eck-Philipp: Frauen sollten Sichtbarkeit herstellen, also z.B. Vorträge halten, bei Podiums-diskussionen auftreten, netzwerken, persönliche Beziehungen zu einflussreichen Männern und Frauen aufbauen und eine individuelle Karrierestrategie entwickeln, die sie dann auch konsequent verfolgen.

Sourcing: Wer kann Frauen auf diesem Weg helfen?
Eck-Philipp: Den ersten Schritt müssen die Frauen selbst tun. Es fängt bei der Konkretisierung eigener Wünsche und Ziele an und geht weiter über die Solidarität der Frauen untereinander. Männer (unter-)stützen sich gegenseitig. Hat einer Erfolg, wird ein anderer selbstverständlich nachgezogen. Das ist bei Frauen noch nicht immer der Fall. Auch männliche und weibliche Mentoren helfen auf dem Weg nach oben. Und letztlich unterstützt auch die aktuell geführte Quoten-Diskussion. Die Kontroverse hilft, Männer, Frauen, Politik, Gesellschaft und die Unternehmen für das Thema zu sensibilisieren.

Sourcing: Was bieten Sie Frauen an, die zu Ihnen kommen?
Eck-Philipp: Ich biete Ihnen an, Sie auf dem schwierigen Weg in den Aufsichtsrat zu unterstützen. Konkret sieht das so aus, dass ich gemeinsam mit ihnen eine Strategie entwickle und überlege, wie die Frauen Sichtbarkeit herstellen, ihre eigene Performance optimieren und die vorhandenen Netzwerke besser nutzen können. Meine Klientinnen profitieren außerdem von meinen persönlichen Kontakten zu Qualifizierungsinstituten, Executive Search Unternehmen und Netzwerken. Das gemeinsame Verfolgen des Ziels macht den Weg es meiner Erfahrung nach leichter und erfolgreicher, hilft Durststrecken überwinden und Strategien immer wieder anzupassen.

Auf der women&work, Deutschlands größtem Messe-Kongress für Frauen, berät Carola Eck-Philipp am 5. Mai im Rahmen des Jahrestreffens weiblicher Führungskräfte Frauen, die eine Aufsichtsratsposition anstreben. Eine Sitzplatzreservierung für den gleichnamigen Vortrag „Wege in den Aufsichtsrat“ ist ab sofort möglich unter www.womenandwork.de/kongress/

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