Die globale Wirtschaftskrise hat die deutsche Kunststoffindustrie mit voller Wucht getroffen. In Frankfurt am Main präsentierte die neu gegründete Wirtschaftsvereinigung Kunststoff (WVK) die aktuellen Kennzahlen der Branche.
Die Wirtschaftsvereinigung Kunststoff (WVK) hat sich am 18. Juni in Frankfurt am Main der Öffentlichkeit vorgestellt. Gründungsmitglieder der Vereinigung sind PlasticsEurope Deutschland, der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, der Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA und die BKV Plattform für Kunststoff und Verwertung. Die WVK vertritt die gemeinsamen Interessen von Kunststofferzeugern, Kunststoffverarbeitern und Maschinenbauern.
Für das erste Quartal 2009 weisen die deutschen Kunststofferzeuger einen Umsatzrück- gang von 35,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus. Dabei hat sich der Inlands- umsatz mit 36,1 Prozent etwas stärker als der Außenhandelsumsatz (-35,2 Prozent) verringert. Der Produktionsindex (Basis: 2005) brach um 31,4 Prozent ein.
Nach Einschätzung von Dr. Günter Hilken, Vorsitzender des WVK-Trägerverbandes Plastics- Europe Deutschland, ist Kunststoff als Querschnittsmaterial massiv von den aktuellen wirtschaftlichen Problemen betroffen, werde umgekehrt von einer Erholung aber auch stark profitieren. „2010 wird ein wichtiges Jahr für uns. Erst dann wird sich zeigen, wo wir wirklich stehen“, so Dr. Hilken.
Die Kunststoffverarbeitung verzeichnet für den gleichen Zeitraum Umsatzeinbußen in Höhe von 19,8 Prozent. Der Auslandsumsatz sank um 23,9 Prozent, der Inlandsumsatz um 17,2 Prozent. Der Produktionsindex fiel um 19,5 Prozent.
Der Umsatz im deutschen Kunststoff- und Gummimaschinenbau ging im ersten Quartal 2009 mit 27 Prozent ebenfalls stark zurück. Auch hier verringerte sich der Umsatz im Export mit 29 Prozent deutlicher als der Inlandsumsatz (-23 Prozent). Jan-Udo Kreyenborg, Vorsitzender des WVK-Trägerverbandes Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA: „Der deutsche Maschinenbau ist als Exportweltmeister besonders hart von dem aktuellen Einbruch auf nahezu allen Märkten betroffen. Bei einem Anziehen der Konjunktur wird sich diese breite Aufstellung jedoch wieder als Vorteil erweisen.“
Der Vorsitzende der WVK, Dr. Reinhard Proske, betonte, dass die mitunter drastischen Rückgänge bei Umsatz und Produktion für die seit Jahrzehnten wachsende Kunststoff- industrie einen historischen Einschnitt markieren. Dennoch sieht er keinen Anlass, langfristig schwarz zu malen: „Erste Anzeichen im Markt deuten darauf hin, dass sich die Situation, wenn auch auf äußerst niedrigem Niveau, stabilisiert.“ Zwar sei mit einem nachhaltigen Aufschwung noch in diesem Jahr nicht zu rechnen. Aktuelle Konjunktur- indices, so Proske, deuten jedoch auf eine allmähliche Aufhellung der Stimmung und damit zumindest auf ein Ende der Talfahrt hin.
Die deutsche Kunststoffindustrie ist mit etwa 394.000 Beschäftigten in mehr als 3.700 Unternehmen und einem Jahresumsatz von über 84 Mrd. Euro einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Sie hat einen Anteil von sechs Prozent an der heimischen Industrieproduktion.
Ziel der WVK ist es, die deutsche Kunststoffindustrie – bestehend aus Erzeugern, Verarbeitern und Maschinenbauern – in der öffentlichen Wahrnehmung zu stärken, gemeinsame Positionen zu bestimmen und die übergreifenden Interessen der Branche wahrzunehmen.
Dr. Reinhard Proske, Gründungsvorsitzender der WVK, sagt: „Die deutsche Kunststoffindustrie ist die Nummer 1 in Europa. Aufgabe der WVK ist es, die Bedeutung dieser Schlüsselindustrie für den Standort Deutschland noch stärker herauszustellen. Wir wollen als Sprachrohr für die gesamte Wertschöpfungskette Kunststoff gegenüber Politik und Öffentlichkeit agieren.“
Der Schwerpunkt der inhaltlichen Arbeit der WVK soll in den Bereichen Energie und Rohstoffe, Umwelt und Verbraucherschutz sowie Forschung, Innovation und Bildung liegen. Über 90 Prozent der Unternehmen des Wirtschaftszweiges sind kleiner oder mittelständischer Natur. Das Thema Mittelstandsförderung soll daher bei der WVK besonderen Raum einnehmen. Die WVK ist Mitglied im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und vertritt dort die Anliegen des Wirtschaftszweiges.
Einen Mitschnitt der Pressekonferenz und die Podiumsdiskussion zur Gründung des WVK stehen online bereit:

