Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) hat begonnen und startet mit einer guten Nachricht: Die weltweite Automobilzulieferindustrie ist profitabel wie seit Jahren nicht mehr. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) lag der Umsatz der Branche in 2014 bei 73,4 Milliarden Euro. Das sind rund 1,2 Milliarden mehr als vor der Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009. Doch auf welchen Zug müssen Zulieferer zukünftig aufspringen, um konkurrenz-fähig zu bleiben? Das Motto der diesjährigen IAA lautet „Mobilität verbindet“ – und weist auf den Megatrend des vernetzten und automatisierten Fahrens hin, der, neben der Elektro-mobilität, nicht nur die Automobilmesse prägen wird. Nun gilt es für die Branche, Antworten auf die Zukunftstrends wie Elektrifizierung, Konnektivität und autonomes Fahren zu finden und ganzheitliche Trends wie Industrie 4.0 weiter auszubauen. Denn der Markt ist dynamisch wie nie, was einerseits spannend zu beobachten ist, andererseits aber auch ein gewisses Risiko mit sich trägt. In Sachen Industrie 4.0 sind die Automobil-Hersteller bereits Aushänge-schild für Deutschland, der Rest des Mittelstands hinkt ein wenig hinterher.
Noch bis zum 27. September findet die 66. IAA mit dem Motto „,Mobilität verbindet‘ – Vernetztes und automatisiertes Fahren als Innovationsthema der 66. IAA Pkw“ statt. Eine aktuelle Studie von McKinsey hat wesentliche Trends herausgestellt, mit denen sich die Unternehmen zukünftig auseinandersetzen müssen, denn die Automobilzulieferer stehen vor großen Herausforderungen. E-Mobilität, Digitalisierung sowie globale Wertschöpfung verändern die Branche in einem rasanten Tempo. Das verlangt den Unternehmen eine hohe Ertragsstärke ab, um in die fortschreitende Globalisierung und technologische Forschungs- und Entwicklungsausgaben investieren zu können. Doch der europäische Automarkt stagniert im herkömmlichen Geschäft und Länder wie China können langfristig auch kein unendliches Wachstum bieten. Welche Möglichkeiten bestehen nun für die unternehmerische Wettbe-werbsfähigkeit?
Die Elektrifizierung – Chance oder Gefahr?
Das herkömmliche Geschäft im Bereich Antriebsstrang lag auf lediglich zwei Technologien: dem Benzin- und dem Dieselmotor. Eine immer größere Rolle nehmen heute auch das Elektroauto sowie die Hybridisierung und der Gasantrieb ein. Bei Toyota wird als Beispiel in den nächsten Jahren jedes Modell auch mit einem Hybridmotor erhältlich sein. Der Verbrennungsmotor wird jedoch auch in den nächsten Jahren nicht aus der Autoherstellung wegzudenken sein, jedoch wird sich das Fahrerlebnis und damit der Anspruch an ein Auto komplett verändern: Internetvernetzung, Gestensteuerung, Energieeffizienz der Motoren, Assistenzsysteme für mehr Sicherheit und Komfort. Eine eindeutige Chance, die sich deutschen Unternehmen bietet, denn autonomes Fahren führt unter anderem dazu, dass die Zulieferer gefordert werden, die Themen „aktive Sicherheit“ und „autonomes Fahren“ techno-logisch zunächst einmal zu entwickeln. Daraus resultiert, dass durch die Zusammenführung einzelner Funktionalitäten ganz neue Funktionen geschaffen werden: Es kommt zur Vernetzung und einem Zusammenspiel des Lenksystems mit allen wichtigen Komponenten im Fahrzeug. Äußerst herausfordernd und spannend, alleine vor dem Hintergrund, was heute bereits Praxis ist.
Es wird in fremden Gewässern gefischt
Als unverzichtbarer Baustein für Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalte- oder Parkassistenten gehört das elektronische Lenksystem in modernen Pkw immer öfter zum Standard. So bewiesen auch Untersuchungen zum Thema der automobilen Konnektivität, dass die ange-botene Verbindungsdichte im Auto ein wichtiger Faktor der Fahrzeugwahl der Konsumenten ist. Um eben solche neuen Funktionalitäten anbieten zu können, müssen Zulieferer nun verstärkt neue Geschäftsfelder ins Auge fassen. So intensivierten beispielsweise erst kürzlich der Zulieferer Bosch und der Navi-Anbieter Tomtom ihre Partnerschaft im Bereich der Karten. Auch der Autozulieferer Continental pflegt bereits Kooperationen mit dem Netzausrüster Cisco und IBM, sodass zukünftig Verschmelzungen zwischen den Branchen Automobil-zulieferung und Informationstechnologie zunehmen werden. Ein gutes Beispiel dafür, was Flexibilität heutzutage bedeutet. Auch kleine und mittlere Unternehmen aus anderen Branchen können hiervon lernen. In Zeiten der Digitalisierung müssen Unternehmen ihre Geschäftsmodelle stetig überprüfen und alte Wertschöpfungsketten neu denken. Denn auch bisher nicht automobile Unternehmen wie beispielsweise Google oder Apple drängen immer stärker in die Automobilindustrie. Auch wenn diese bislang keine Gefahr darstellen, sind sie dennoch in aller Munde.
Investitionen genau abwägen
Audi, BMW, Daimler, Porsche – deutsche Autobauer sind technologisch im internationalen Vergleich ganz vorne und auch in der Automobilzulieferindustrie erfordern die Trends der Zukunft eine hohe Investitionsbereitschaft, um der Schnelllebigkeit der Branche gerecht zu werden und fortlaufend wettbewerbsfähig zu sein. Doch: In der Diskussion um Industrie 4.0 sollte der digitale Umschwung unternehmerisch ganzheitlich betrachtet werden. Die digitale Revolution geht weit über die Digitalisierung der Produktionsabläufe und Vernetzung mit dem Kunden hinaus. Vor einer Industrie 4.0-Investition sollte deshalb überlegt werden, welche Investitionen in welchem Bereich im Unternehmen für den digitalen Umschwung kurz-, mittel- und langfristig Sinn machen.

