Verwirrung um den Begriff „Einkauf 4.0“

In einer Zeit, in der Begriffe von vielen Menschen eher wahllos als gezielt verwendet werden, stellen gerade neue Begriffe eine große Herausforderung dar. Genauso ergeht es uns mit dem Begriff „Einkauf 4.0“, denn naheliegende Begriffe wie Digitalisierung und Industrie 4.0 verführen zu einer Verharmlosung, manchmal auch Verweigerung oder Blockade dessen, was an Möglichkeiten und Chancen für das Unternehmen am Tisch liegen.

Die Verwirrung wächst leider exponentiell, wenn Seminaranbieter und Softwareunternehmen E-Procurement, den Abbau von Medienbrüchen oder ihre jeweiligen Tools mit Einkauf 4.0 gleichsetzen. Und das unter Verwendung ihrer voll entfalteten Marketingkraft. Wie soll da der Einkaufsleiter den klaren Durchblick dafür bekommen, was Einkauf 4.0 ist und wie er sich strategisch richtig positioniert?

Software- und Technologieanbieter können maximal ein guter Begleiter auf dem Weg Richtung Einkauf 4.0 sein, der an vorderster Front die Weiterentwicklung der Einkaufsorganisation erfordert. Die bloße Reduktion auf die IT ist viel zu kurz gegriffen! Softwaretools und Portale sind „bloß“ Methoden auf dem Weg zu einem großen Ganzen!

Einkauf 4.0 folgt E-Procurement
Einkauf 4.0 setzt sowohl im operativen als auch im strategischen Einkauf neue Maßstäbe. Der Einkaufsmitarbeiter ist nicht mehr der Handelnde, sondern der Steuernde der Supply Chain.

In einer völlig neuen Arbeitswelt gibt er keine Daten mehr ein, kontrolliert und analysiert nicht mehr, sondern nutzt die Analysen durch künstliche Intelligenz und Big Data. Künftig trifft sogar die Technologie Entscheidungen und setzt diese auch um. Es kommt also zu völlig neuen Aufgabenstellungen, nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Maschine.

Während heute noch der Mensch die Bestellung auslöst, tritt dieser in Einkauf 4.0-Abteilungen in den Hintergrund. Hier läuft nicht nur der Prozess automatisiert ab, sondern er wird auch automatisch ausgelöst. Und genau das ist einer der großen Schritte Richtung Einkauf 4.0. Hier gibt es keinen operativen Einkauf mehr, weil diese Prozesse automatisiert wurden!

Einkauf 4.0 und Industrie 4.0
Zwischen diesen beiden Begriffen sollte man genauso klar unterscheiden, wie es traditionell in der funktionellen Betriebswirtschaft üblich ist. Gerade auch, weil der Einkauf als Schnittstelle zwischen Lieferanten und Unternehmen agiert und hier durch digitale Vernetzung eine besonders wertvolle Möglichkeit entsteht, über den digitalen Highway Lieferantendaten in der künftig erforderlichen Datenqualität 4.0 zu erhalten, die einen völlig neuen Einblick in die Supply Chain liefern.

Industrie 4.0 hat sich auch andere Ziele gesetzt. Hier beschäftigt man sich mit Produktionsdaten und erarbeitet neue Geschäftsmodelle. Einkauf 4.0 hingegen setzt auf einkaufsrelevante Daten, die die Steuerung der Supply Chain optimieren sollen. Diese Daten differenziert aufbereitet, liefern darüber hinaus auch wertvolle Fakten für andere Abteilungen, aber auch für B2B- und B2C-Kunden. An dieser Stelle werden nämlich weiterbearbeitete Einkaufsdaten eines Unternehmens wieder zu interessanten Daten in der transparenten Supply Chain des Kunden.

Einkauf 4.0 und Digitalisierung
„Wir digitalisieren bereits seit Jahren. Glauben Sie wirklich, dass es hier noch Optimierungsbedarf gibt?“, ist eine oftmals gestellte Frage an Ira Shanker (CEO der Tech2select GmbH), die sich wohl dadurch ergibt, dass der Begriff „Digitalisierung“ wohl zu oft im Zusammenhang mit Einkauf 4.0 verwendet wird.

Ja, Digitalisierung erfolgt in allen Unternehmen seit wohl mehreren Jahrzehnten. Doch jetzt geht es um den nächsten Schritt, um alles aus den bisherigen Softwaresystemen herauszuholen und sowohl operativen als auch strategischen Einkauf auf neue Beine zu stellen. Hier sollte man daher auch über den Gebrauch des Wortes „Digitalisierungsziel“ neu nachdenken und diesen Begriff zu „Einkauf 4.0-Ziel“ weiterentwickeln, um hier die Entwicklung auch in der Sprache stringent weiterzuführen.

Was stärkt gegen die Marketingmacht von Softwareunternehmen
Wer Chancen und Potentiale von Einkauf 4.0 voll ausschöpfen will, dem sei geraten, sich mit dem Begriff und den Möglichkeiten von Einkauf 4.0 intensiv auseinanderzusetzen. Nur wer mit diesem Hintergrundwissen ein langfristiges Einkauf 4.0-Ziel definiert und Softwaretools und -unternehmen als Begleiter und Methoden auf dem Weg sieht, wird erfolgreich sein.

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