Mehr Güterverkehr auf der Schiene denkbar

Wie lassen sich Transporte auf die Schiene verlagern? Das wollte die Bundesvereinigung Logistik (BVL) von ihren Mitgliedern wissen. Die Mehrheit hält eine Verlagerung von Gütertransporten auf die Schiene für möglich – wenn die Produktqualität stimmt und die Zuverlässigkeit steigt. Die Verantwortung dafür, die notwendigen Entwicklungen voranzutreiben, sehen die Experten bei der Politik. An der Befragung nahmen mehr als Logistiker von Verlader aus Industrie und Handel, Logistikdienstleister, Eisenbahnverkehrsunternehmen und Schieneninfrastrukturbetreiber sowie Hafen- und Terminalbetreiber, IT-Dienstleister, Verbände und Experten aus Wissenschaft und Forschung teil.

Im Mix der Verkehrsträger gilt die Schiene bei Logistikern als wenig wettbewerbsfähig, schwer zugänglich und unflexibel. Die Konsequenz: Der Marktanteil des Schienengüterverkehrs an der gesamten Transportleistung verbleibt auf einem niedrigen Niveau. Mit dem „Masterplan Schienengüterverkehr“ will die Bundesregierung die systembedingten Vorteile der Schiene (hoher Anteil an Elektromobilität, Rad-Schiene-System physikalisch überlegen, Umwandlung elektrischer Energie in Vortriebskraft, Rückspeisung von Bremsenergie) „noch stärker mit ökonomischer Effizienz und Leistungsfähigkeit verbinden, um den Marktanteil in Zukunft deutlich zu steigern.“

Bei der Frage nach den Kriterien für die Wahl des geeigneten Transportmittels sind den Verladern und Spediteuren demnach Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Flexibilität wichtiger als ein günstiger Preis. Für Eisenbahner spielen die Kosten eine größere, die Qualität aber eine kleinere Rolle. 54 Prozent der Industrie- und Handelsunternehmen sowie 47 Prozent der Spediteure sehen in der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit des Verkehrsträgers Schiene ein Hindernis für dessen Nutzung. Auch hier richtet sich der kritische Blick auf die Qualität, die noch vor der Transportdauer und den Kosten als wesentlich erachtet wird. Im Bereich der Infrastruktur wird von Verladern, Spediteuren und Eisenbahnern gleichermaßen der fehlende Gleisanschluss als größtes Hemmnis gesehen. Ein weiterer Grund, anderen Verkehrsträgern den Vorzug zu geben, sind vor allem die geringe Versorgungsfrequenz und die fehlende Verfügbarkeit von Schienentrassen.

Trotz der teils kritischen Sicht auf den gleisgebundenen und umweltfreundlichen Verkehrsträger sind 89 Prozent der Eisenbahner, 80 Prozent der Verlader und 76 Prozent der Spediteure davon überzeugt, dass mehr Verkehr auf die Schiene verlagert werden kann – wenn die Produktqualität stimmt und das Angebot die Transportzeitfenster trifft. Die „Bahn-Pessimisten“ unter den Befragten glauben eher nicht an eine Verlagerung, weil die Transportrelationen sowie der Service und die Betriebszeiten nicht zu deren Anforderungen passen.

Politik muss Rahmenbedingungen schaffen
Von den zehn Elementen aus dem „Masterplan Schienengüterverkehr“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Intrastruktur (BMVI) stufen die Befragten vor allem die Bereitstellung einer leistungsfähigen Infrastruktur, eine Stärkung der Multimodalität samt Verbesserung des Zugangs zum Schienennetz sowie die Digitalisierung als wichtig bzw. sehr wichtig ein. Sie wünschen sich zudem eine bessere Balance zwischen den Verkehrsträgern und zeitgemäße Transportkonzepte. Über 52 Prozent der Befragten sehen die „Politik am Zug“. Sie müsse die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, die Infrastruktur ausbauen und sich für die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene stark machen.

„Das Stimmungsbild innerhalb der BVL zeigt uns, dass wir mit dem Masterplan die richtigen Themen besetzen. Nun gilt es weiter Fahrt aufzunehmen und mehr Unternehmen für die Schiene zu begeistern“, fasst Steffen Müller, Referatsleiter Masterplan „Schienengüterverkehr, Gleisanschlussförderung“ im BMVI, die Ergebnisse der Mitgliederbefragung zusammen. Die vollständigen Ergebnisse der Befragung können unter www.bvl-digital.de/schiene herunterladen werden.

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