34. Deutscher Logistik-Kongress in Berlin eröffnet

Unter dem Motto „Neues denken – Digitales leben“ hat am heutigen Mittwoch der 34. Deutsche Logistik-Kongress der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. in Berlin begonnen. Es geht um Strategien für die Digitalisierung, aber auch um aktuelle Themen von der Dieseldebatte bis zum Marshallplan mit Afrika. Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik geben Einblicke in ihre Arbeitsbereiche und Gedankenwelten. Das Jahrestreffen der Logistiker und Supply Chain Manager aus Industrie, Handel, Logistikdienstleistung und Logistikwissenschaft liefert Impulse für den gesamten Wirtschaftsbereich. Erwartet werden mehr als 3.300 Teilnehmer und Gäste aus rund 40 Ländern weltweit.

„Neues denken, Digitales leben: Das bedeutet, Digitalisierung nicht als technologisches Konzept zu verstehen, sondern in ihr den intelligenten Treiber für Veränderungen zu sehen – und sie tatsächlich in der betrieblichen Praxis umzusetzen“, so Prof. Raimund Klinkner, der Vorstandsvorsitzende der BVL. Um diesen Ansatz dreht sich der Kongress – in 65 Stunden Kongressprogramm mit rund 120 Rednern. In Plenumsvorträgen und Podiumsdiskussionen, in den Fachsequenzen, in den interaktiven LOG.Camps und bei Exkursionen in und bei Berlin werden die Inhalte abwechslungsreich und im direkten Dialog mit Experten vermittelt.

Offener Brief an die Mitglieder des Deutschen Bundestages
Mit einem Offenen Brief hat sich die BVL gemeinsam mit Unterstützern aus Industrie, Handel, Logistikdienstleistung und Wissenschaft an die Mitglieder des Bundestages gewandt. Prof. Raimund Klinkner stellte die Inhalte bei der Eröffnung des Kongresses in Berlin vor. Als die fünf politischen Handlungsfelder mit höchster Relevanz für die Logistik führt der Brief die Verkehrsinfrastruktur an, die digitale Infrastruktur, die urbane Logistik, die Bildung und die Beschleunigung von Planungsverfahren. Die BVL formuliert jedoch nicht nur Forderungen an die Politik, sondern bietet auch die gemeinsame Entwicklung von Konzepten an. „Wir sind davon überzeugt, dass die vor uns liegenden Herausforderungen von Wirtschaft und Politik nur gemeinsam und über alle Parteigrenzen hinweg gemeistert werden können – damit Digitales in Zukunft auch wirklich gelebt und nicht nur postuliert wird – und Deutschland erfolgreich und wettbewerbsfähig bleibt“, sagte Klinkner. „Wir brauchen einen Reset beim Regierungsneustart und somit müssen wir uns bemerkbar machen.“

Logistik auf solidem Kurs
Am Jahresende 2017 kann der Wirtschaftsbereich Logistik voraussichtlich zum siebten Mal hintereinander ein stabiles Wachstum vermelden. Die Hochrechnung der Logistikweisen für den Umsatz lautet: 264 Milliarden Euro, für die Beschäftigtenzahl: 3,1 Millionen Menschen. Dies bedeutet ein Wachstum um 1,9 Prozent gegenüber 2016. Die Prognose für das Jahr 2018 liegt bei 2,2 Prozent Wachstum gegenüber dem laufenden Jahr.

Nach der leichten Abkühlung im Sommer 2017 zeigt sich das Geschäftsklima des Wirtschafts-bereichs Logistik auf dem höchsten Wert seit sechs Jahren. In der Septemberumfrage 2017 des Logistikindikators, die am 23. Oktober veröffentlicht wurde, erweisen sich die Logistikdienstleister als Muntermacher, deren Lageeinschätzung und Erwartungswerte gleichermaßen nach oben weisen. Bei Industrie und Handel bewegen sich beide Werte auf dem Niveau des Sommers, jedoch leicht unter dem Vormonat. Insgesamt bedeutet dies: Das Geschäftsklima ist günstig, die Geschäftslage gut, der Personalbedarf nimmt zu – und die Preise werden voraussichtlich steigen. Die Logistik ist auf solidem Kurs. Die Geschäftslage hat den höchsten Wert seit Jahresanfang 2008 und die Geschäftserwartungen sind so gut wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren.

Das konjunkturelle Gesamtbild ist hervorragend. Ende September veröffentlichten fünf Wirtschaftsforschungsinstitute, darunter auch das ifo-Institut, ihre Gemeinschaftsprognose Herbst 2017: der Aufschwung der deutschen Wirtschaft habe an Stärke und Breite gewonnen. Dies bestätigte auch das Bundeswirtschaftsministerium in seiner Herbstprojektion. Der Wirtschaftsbereich Logistik hat einen soliden Anteil an der Dynamik.

ifo-Institut neuer Partner beim Logistik-Indikator der BVL
Die Welt ist in Bewegung, es wird Neues gedacht und Digitales gelebt. Da ist es wichtig, einen verlässlichen Kompass zu besitzen. Seit 2008 ist der Logistik-Indikator der BVL ein wertvolles Instrument für Strategen und Planer der Logistik. Er gibt Orientierung und ist Seismograf für einen international stark verflochtenen Wirtschaftsbereich mit mehr als drei Millionen Beschäftigten in Deutschland.

Nach über neun Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) wird die BVL den Logistik-Indikator nun gemeinsam mit dem ifo-Institut – Leibniz-Institut für Wirtschafts-forschung an der Universität München – weiterentwickeln: Auf einer deutlich vergrößerten Datenbasis, die die Aussagekraft des Indikators weiter erhöhen wird. Wissenschaftlicher Leiter ist Prof. Dr. Timo Wollmershäuser. Die Zusammenarbeit mit dem ifo-Institut ermöglicht es, den BVL-Logistik-Indikator mit dem ifo-Geschäftsklimaindex zu verbinden – und eine bessere Vergleichbarkeit und Positionsbestimmung der Logistik gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen zu schaffen.

Programmschwerpunkte des Kongresses
Am Kongress-Mittwoch treffen die Zuhörer im Plenum auf Dr. Frank Appel (Deutsche Post DHL), Prof. Reimund Neugebauer (Fraunhofer-Gesellschaft) und Christoph Keese (Axel Springer). Ihre Themen: Digitalisierung und disruptives Denken. „Think Different from a Global Perspective“ heißt es am Kongress-Donnerstag mit Prof. Robert Blackburn (Hoffmann), Soumitra Bhattacharya (Bosch Group Indien), Nuradin Osman (AGCO) und Prof. Ulrich Weinberg (Hasso Plattner Institut). Zum Abschluss des Kongresses am Freitag sprechen Dr. Richard Lutz (Deutsche Bahn), Tarek Müller (About you) und Martina Koederitz (IBM). Die Podiumsdiskussion am ersten Kongresstag steht ebenfalls unter dem Leitgedanken „Neues denken – Digitales leben“. Moderiert von Roland Tichy, dem Vorstandsvorsitzenden der Ludwig-Erhard-Stiftung, diskutieren Führungspersönlichkeiten aus Industrie und Logistikdienstleistung die Herausforderungen und Chancen der digitalen Transformation in Logistik und Supply Chain Management. Welche neuen Technologien sollten eingesetzt werden? Welche Kompetenzen benötigen die Mitarbeiter, und wie lassen sich diese vermitteln? Wo droht Gefahr durch Disruption? In der Diskussionsrunde dabei sind Peter Gerber (Lufthansa Cargo), Dr. Henry Puhl (Still), Boris Winkelmann (DPD) und Dr. Thorsten Winkelmann (Arvato SCM).

Ehrengäste Gauck und Kühne
Der Leitgedanke „Neues denken – Digitales leben“ begleitet auch die Gala am Abend des ersten Kongresstages im Estrel Congress & Messe Center, wo die Gäste ein abwechslungsreiches und interaktives Programm erwartet – und der Deutsche Logistik-Preis 2017 verliehen wird. Ehrengäste der Gala sind Bundespräsident a.D. Joachim Gauck und der Präsident der Kühne-Stiftung Prof. Klaus-Michael Kühne. Im Gespräch mit Prof. Thomas Wimmer, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der BVL geht es um humanitäre Logistik, gesellschaftlichen Zusammenhalt und bürgerschaftliche Initiative. „Freiheit heißt Verantwortung“, so eine der Kernthesen von Altbundespräsident Joachim Gauck.

Die Diesel-Diskussion logistisch betrachtet
Rund ein Drittel der Pkw und mehr als 90 Prozent der Nutzfahrzeuge werden derzeit von einem Dieselmotor angetrieben. Die z.T. gesundheitsgefährdende Feinstaubbelastung kann nur reduziert werden, wenn neben der Industrie und dem Energie- auch der Verkehrssektor einen Beitrag zur Emissionsreduktion leistet. Im Fokus der Politik steht derzeit ganz besonders der Umgang mit dieselangetriebenen Fahrzeugen. Gleichzeitig werfen die Betrugsvorwürfe ein schlechtes Licht auf die Automobilindustrie und hinsichtlich der geringen Verbreitung von Elektrofahrzeugen stellt sich die Frage nach der Innovationsfähigkeit der deutschen Leitindustrie. Welche Zukunft hat also noch der Dieselantrieb und welche Technologien haben das Potenzial ihn zu ersetzen oder wird Deutschland mit Tretroller und Lastenfahrrad in eine automobil- und emissionslose Zukunft fahren? Der Diskussion am ersten Kongresstag stellen sich der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller, Dr.-Ing. Joachim Damasky (VDA), Frank Dohmen (Der Spiegel) und Prof. Achim Kampker (Streetscooter). Die Moderation übernimmt Moritz Döbler, Chefredakteur des Weser-Kuriers.

Bild: Prof Dr -Ing Raimund Klinkner bei der Eröffnung des 34 Deutschen Logistik-Kongresses; Foto: Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.

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