Dimensionen von Wechselkurseffekten

Unternehmen, die international Handel treiben, sind Wechselkurseffekten ausgesetzt, die die Bilanzen teils gravierend be- oder entlasten können. Große Konzerne sichern sich gegen diese Risiken mithilfe von Banken ab. Mittelständische Unternehmen haben diese Option aufgrund ihrer Größe meist nicht. Der Londoner Währungsspezialist Ebury verdeutlicht anhand einiger aufsehenerregender Beispiele, welche wirtschaftliche Dimension der Einfluss von Wechselkurseffekten hat – sowohl für KMUs als auch internationale Konzerne.

Ob ein Unternehmen positiv oder negativ von Wechselkurseffekten betroffen ist, hängt von den Absatzmärkten ab und gegebenenfallsdavon, ob es auch Produktionsstätten im Ausland unterhält. Je größer die Konzerne sind, desto größer sind unter Umständen die Verwerfungen infolge der Wechselkurse, denn Unternehmensbilanzen beeinflussen bei börsennotierten Firmen den Aktienkurs.

Des einen Verlust…

Apple
Ohne Wechselkurseffekte hätte Apple, das im ersten Quartal 2016 Umsätze von 75.9 Milliarden Dollar und zwei Drittel davon im Ausland erzielte, fünf Milliarden Dollar höhere Umsätze erzielt. Diese Abweichung entspricht also knapp 7,5 Prozent des tatsächlichen Umsatzes jenes Unternehmens, das just den größten Quartalsgewinn der Wirtschafts-geschichte erzielte. Apple-Chef Tim Cook misst dem Thema Wechselkurse eine solche Bedeutung zu, dass er es gleich im zweiten Satz der Telefonkonferenz zur Gewinnsituation ansprach. Im Anschluss an die Bekanntgabe der Zahlen sank der Aktienkurs um drei Prozent.

Alphabet (die Google-Holding)
Alphabet erlebte ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr und verbuchte 2015 Umsätze von 74,541 Milliarden Dollar. Dass Alphabet im Gegensatz zu Apple kaum Hardware herstellt, heißt aber nicht, dass das Unternehmen von Turbulenzen an den Währungsmärkten gefeit wäre: Alphabet entgingen im Jahr 2015 Umsätze in Höhe von rund einer Milliarde Dollar aufgrund von Wechselkursrisiken, also mehr als ein Prozent des Gesamtumsatzes.

Auch industrielle Betriebe und Handelskonzerne kennen das Auf und Ab der Währungen nur zu gut.

Daimer
Die Daimler AG verzeichnete im Jahr 2013 einen Umsatz von 118 Milliarden Euro, doch aufgrund von Währungseffekten stieg der Umsatz bezogen auf das Vorjahr statt um sieben nur um drei Prozent.

DuPont
Der amerikanische Chemie-Riese hatte im Jahr 2014 sehr unter dem starken Dollar zu leiden, der das Auslandsgeschäft verteuerte. DuPont setzte 2014 zwar Waren im Wert von 25,1 Milliarden Dollar um, doch auch insbesondere aufgrund für DuPont ungünstiger Wechselkurse brach der Umsatz bezogen auf das Vorjahr um zwölf Prozent ein.

Metro
Im ersten Quartal 2015 hätte Metro sein Vorjahresergebnis übertroffen – wenn es keine Wechselkurseffekte gegeben hätte. Metro machte zu jener Zeit 8,3 % seiner Umsätze in Russland, weswegen insbesondere der Fall des Rubel das operative Ergebnis vor Sonder-faktoren von 1,073 Milliarden Euro im Q1 2014 auf 1,024 Milliarden Euro im Q1 2015 zurückgehen ließ. Wechselkurseffekte schlugen mit 60 Millionen Euro zu Buche. Dieses Ergebnis ließ den Aktienkurs um rund 2 Prozent auf 29,07 Euro fallen.

SAP
Mit der SAP aus Walldorf war im ersten Quartal 2014 ein weiterer Software-Konzern betroffen, der seine Produkte und Dienstleistungen international vertreibt und in mehreren Währungen abrechnet. Der Umsatz legte zwar um zwei Prozent auf 919 Millionen Euro zu, doch hätte SAP ein Wachstum von sieben Prozent erreicht, wären die Wechselkurse günstiger ausgefallen.

Bosch
Bereits im Jahr 2013 machte der Zulieferer und Haushaltsgerätehersteller Erfahrung mit Wechselkurseffekten: Der Umsatz war um 3,1 Prozent auf 46,1 Milliarden Euro gestiegen, doch ohne den damals sehr starken Euro wäre er mehr als doppelt so hoch ausgefallen. In wichtigen Absatzmärkten wie Südamerika verteuerten sich Boschs Produkte spürbar, ansonsten hätte das Unternehmen ein Wachstum von 6,3 Prozent verkünden können.

… ist des anderen Gewinn
Wechselkurse können natürlich auch in die andere, positive Richtung ausschlagen, vorausgesetzt, die Unternehmen verfügen über ein geeignetes Währungsmanagement.

Würth
Würth, als Spezialist für Montage- und Befestigungsmaterialien aller Art quasi die Verkörperung des deutschen Mittelstandes, profitierte im letzten Jahr von der Talfahrt des Euros. Würth erzielte im Jahr 2015 ein Umsatzwachstum von neun Prozent auf 11,05 Milliarden Euro, wobei Wechselkurseffekte etwa 2,5 Prozentpunkte des Wachstums ausmachten.

Austria Technologie & Systemtechnik AG (AT&S)
AT&S, ein Hersteller für High-End Leiterplatten und in diesem Segment einer der Marktführer, konnte im ersten Halbjahr 2015 seinen Umsatz um 28,2 % von 302,1 Millionen Euro. auf 387,1 Millionen Euro steigern. Aufgrund der globalen Aufstellung erlebte AT&S positive wie negative Wechselkurseffekte, die im Verbund mit anderen Maßnahmen 5,8 Millionen Euro zur Umsatzsteigerung beitrugen. Negativ fielen die Herstellkosten in den Währungen einiger Standorte (indische Rupie, koreanischer Won und chinesischer Renminbi) ins Gewicht, doch diese Effekte wurden infolge des Dollar-Euro-Verhältnisses mehr als ausgeglichen.

Wacker Chemie
Ebenfalls global aufgestellt ist die in mehrere Geschäftsfelder aufgegliederte Münchener Wacker Chemie AG. Auch bei Wacker Chemie trugen im 3. Quartal 2015 positive Währungs-effekte zum Umsatzwachstum von rund zehn Prozent bei (1.357,9 Mio. € insgesamt). Sämtliche Wacker-Töchter profitierten von Wechselkursen. Siltronic etwa, Spezialist für Halbleiterwafer, konnte im untersuchten Quartal aufgrund günstiger Wechselkurse sogar gefallene Halbleiterpreise wettmachen und den Gesamtumsatz steigern.

Von Wechselkurseffekten sind sämtliche Branchen betroffen. Je größer Unternehmen sind, desto eher können sie diese Effekte durch “natural hedging” und den Umstand kompensieren, dass sie in mehreren Märkten produzieren oder Zulieferer haben. Kleine und mittelständische Unternehmen, die mehr als 99% aller Unternehmen in Deutschland ausmachen und 55,5% zur gesamten Nettowertschöpfung der deutschen Unternehmen beitragen (der Auslands-umsatz des deutschen Mittelstandes betrug laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Jahr 2011 195,2 Mrd. Euro), konnten Wechselkursrisiken bislang nicht reduzieren, da sie als Kunden für Banken nicht attraktiv sind.

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