Einkauf – nie war er spannender als heute

Bis in die 90er Jahre war das Procurement noch wesentlich simpler. In Zeiten, in denen Kosten im Einkauf einfach auf den Produktpreis umgelegt werden konnten, konzentrierte sich der Einkäufer von Einst vor Allem auf die Verfügbarkeit der Materialien und Werkzeuge. Eine Stellenbeschreibung wäre damals mit „Alles zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in richtiger Qualität“ vermutlich bereits vollständig gewesen. Denn lange Zeit war der Bereich mehr der Administration zuzuordnen und musste sich erst seinen Platz in der Supply-Chain verdienen.

Doch wo stehen wir heute, in Zeiten sinkender Margen und sich ständig ändernder Randbedingungen? In vielen Branchen musste sich das Procurement neu erfinden. Denn der Verzicht auf Lagerhaltung oder schwankende Kosten, auch durch sich verändernde Zölle, verlangen nicht nur von der Logistik eine besondere Flexibilität. Es verschieben sich auch die Kriterien bei der Auswahl der Lieferanten fast täglich.

„Ein heute scheinbar wettbewerbsfähiger Lieferant kann morgen schnell an Reiz verlieren, wenn er in einem instabilen Markt beheimatet ist. Während der Preis im Einkauf natürlich immer noch bedeutend ist, gewinnen eine stabile Versorgung und Qualität ebenfalls an Wichtigkeit. Für den Einkäufer bedeutet das natürlich, dass er seine eigenen Entscheidungen umso regelmäßiger auf den Prüfstand stellen und neu bewerten muss“, sagt Jürgen Wetzstein, Managing Director bei Alvarez & Marsal.

Wie in fast jedem Bereich der Wirtschaft wird also auch das Procurement zunehmend schneller und muss regelmäßig Antworten auf Disruptionen finden. Damit steigen auch die Ansprüche und ein erfolgreicher CPO (Chief Procurement Officer) wird so vom internen Dienstleister und Problemlöser zum aktiven Wettbewerbsvorteil.

„Gerade in kompetitiven Branchen mit geringen Margen reicht es heute nicht mehr, auf den Wettbewerb zwischen den Lieferanten zu vertrauen. Ein starkes Procurement braucht zunehmend ein tiefes Verständnis, nicht nur der eigenen Produkte und Produktionsabläufe, sondern auch der Supply-Chain der Lieferanten, um die gesamte Lieferkette aktiv zu optimieren“, fügt Wetzstein hinzu.

von Jürgen Wetzstein, Managing Director bei Alvarez & Marsal

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