Leitfaden für globale Transparenz


Verbraucherschutz hat Priorität. Daher ist die Rückverfolgbarkeit bestimmter Produkte – wie etwa Fisch oder Fleisch – heute gesetzlich vorgeschrieben. Die lückenlose Transparenz von der Entstehung eines Produktes bis zu seiner Entsorgung ist aber nur möglich, wenn die relevanten Informationen grenzenlos zwischen allen Beteiligten der Lieferkette ausgetauscht werden. Für die Unternehmen ergeben sich daraus zahlreiche Fragestellungen vor und während der Umsetzung: Welche internen und externe Prozesse sind betroffen? Welche Stamm- und Bewegungsdaten müssen erfasst und kommuniziert werden? Und vor allem: Wie lässt sich die geforderte Transparenz in der Praxis nachvollziehbar und effizient gewähr-leisten?

Mit dem Global Traceability Standard (GTS) gibt GS1 Germany den Unternehmen einen Leitfaden an die Hand, der sie bei der Planung und Umsetzung ihrer Traceability-Lösung unterstützt. In der neuen Version GTS 2.0, die seit Ende März 2018 in deutscher Sprache verfügbar ist, finden sich jetzt auch Empfehlungen zur eventbasierten Rückverfolgbarkeit auf Basis des GS1 Schnittstellenstandards EPCIS.

„Das ist eine wesentliche Bereicherung des bisher rein stufenbasierten Rückverfolgbarkeits-konzepts, im dem es nur um die Transparenz bezüglich der direkten Lieferkettenpartner ging. Denn bei der eventbasierten Rückverfolgbarkeit sind alle Informationen an allen Stationen eines Produktes verfügbar. Und so kann der Verbraucher im Geschäft erfahren, wann und wo der Fisch gefangen oder der Apfel geerntet wurde“, weiß Sabine Kläser, Projektmanagerin GS1 Standards und Products.

Prozesse sichtbar machen und sicher steuern
Die Herausforderung liegt für die verantwortlichen Unternehmen darin, alle relevanten Informationen zu erfassen und über unterschiedliche Kanäle für Geschäftspartner, Konsumenten und Behörden bereitzustellen. GTS 2.0 gibt das nötige Know-how an die Hand, um dies für alle Ereignisse (Events) umzusetzen. Das beginnt bei der Verarbeitung von Rohmaterialien, Inhaltsstoffen sowie Komponenten zu einem Produkt und geht über den Transport, anfallende Wartungs- wie Reparaturarbeiten bis zum Verbrauch und schließlich zur Entsorgung. Mithilfe der vorhandenen GS1 Datenerfassungs- und Kommunikationsstandards, zum Beispiel Barcodes und EPCIS, lässt sich die gesamte Prozesskette abbilden und damit auch durchgehend sicherer steuern.

Der Ansatz von GS1 ist dabei auf Interoperabilität ausgerichtet. Das heißt: Offene Standards machen es möglich, Versorgungsketten auch über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg transparent zu gestalten. Das kann bei zeitkritischen Aktionen wie Rücknahmen von großem Vorteil sein. Denn die betroffenen Waren lassen sich chargengenau eingrenzen sowie lokalisieren und somit bei einem Rückruf schnell aus dem Verkehr ziehen. Das ist über verschiedene Produktgruppen und Lieferketten hinweg möglich: Lebensmittel, Bekleidung, Pharmazeutika und Medizingeräte, technische Anlagen oder die Logistik von Hilfsorgani-sationen.

Notwendige Ergänzung bestehender Systeme
Der GS1 Global Traceability Standard konkurriert dabei nicht mit anderen internationalen Standards oder Zertifizierungssystemen für Rückverfolgbarkeit – Stichwort ISO oder Global Food Safety Initiative (GFSI). Vielmehr ergänzt und vervollständigt die GS1 Empfehlung die bisherigen Regelwerke. Während diese Standards festlegen, „was“ getan werden soll, hilft der GTS den Unternehmen und Organisationen, zu verstehen, „wie“ die Anforderungen durch standardisierte Rückverfolgbarkeitsdaten erfüllt werden können.

Grafik: Überblick Lieferkette – So werden Inhaltsstoffe und Verpackungsmaterial geliefert, zu Produkten verarbeitet und zum Endkonsumenten distribuiert; Quelle:GS1

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