Mehr Transparenz im Eisenbahnsektor

Eine aktuelle Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint zeigt, dass sowohl Eisenbahnunternehmen als auch Hersteller von Schienenfahrzeugen in Europa eine intensivere Zusammenarbeit und mehr Transparenz über alle Phasen des Produkt-Lebenszyklus hinweg wünschen. Ihr gemeinsames Ziel: die Planung und termin-gerechte Auslieferung von Schienenfahrzeugen zur Stärkung des Verkehrsträgers „Bahn“ insgesamt zu optimieren. Hierfür werden in der Umfrage die wesentlichen Schnittstellen identifiziert, die eine engere Zusammenarbeit im Management von Schienenfahrzeugen erfordern: vollständiger Austausch von Dokumentationen, bessere Kommunikation unter den Beteiligten, komplette Betrachtung der Lebenszykluskosten und mehr Standard-isierung von Schienenfahrzeugen und ihrer Komponenten.

„Unsere Studie macht deutlich: Beide Seiten setzen auf neue Formen der Zusammenarbeit, und an erster Stelle stehen Offenheit und Transparenz“, kommentiert Ralf Stenger, Director bei BearingPoint. „Das ist besonders für Hersteller eine Kehrtwende. Denn die Branchen-akteure stehen in starker Konkurrenz zueinander und halten ihre Entwicklungsschwer-punkte bis dato streng unter Verschluss.“

Alain Bullot, Managing Director Fer de France, kommentiert: „Es gibt noch viele Möglich-keiten, die im Rail Sektor unbedingt erforderlichen Innovationen zu verbessern, aber es ist eine Frage der Kultur des Topmanagements, das zu verwirklichen.“ Juergen Mues, Board Member SBB Cargo, fügt hinzu: „Die Zusammenarbeit aller Beteiligten im Fahrzeug-management kann uns zu verbindlicher Innovation führen.“

Guillaume Nicolas, Project Planning Manager Alstom, sagt: „Projektmanagement-Methoden wie Obeya fördern die Zusammenarbeit. Mit diesem Ansatz ist es uns gelungen, das internationale Projektteam näher zusammenzuführen und die Auslieferungszeit um 25 Prozent zu verkürzen.“ Lilian Meyer, Head of Global Light Rail Platforms bei Siemens Transportation, kommentiert: „Indem wir uns auf standardisierte Komponenten in unseren Zügen konzentrieren, erhöhen wir die Zuverlässigkeit und Kosteneffizienz.“

In Zukunft mehr Kooperation zu erwarten
Laut Umfrage arbeiten mehr als 95 Prozent der Eisenbahnunternehmen und Hersteller zurzeit mit klassischem Projektmanagement. Insgesamt plant die Hälfte der Befragten aber für die Zukunft eine gemeinschaftliche Projektarbeit. Die Teilnehmer sind sich darin einig, dass Projekte nur so im gesetzten Zeit- und Budgetrahmen erfolgreich abgeschlossen werden können.

Hersteller wünschen sich Verbesserungen in der Zusammenarbeit mit Eisenbahnunter-nehmen vor allem in den Life-Cycle-Phasen bis zur Auslieferung. Mehr als 70 Prozent beklagen mangelnde Kommunikation in der Beschaffungsphase. Auch der geringe Grad an Standardisierung macht den Fahrzeugbauern zu schaffen. Mehr als drei Viertel der Eisenbahnunternehmen wiederum bemängeln Probleme bei der Verfügbarkeit von einzelnen Ersatzteilen und Komponenten.

In der Bauphase kämpfen Hersteller mit undurchsichtigen Prozessen, aber auch mit dem Handling von Zweit- und Drittzulieferern. Für mehr als 70 Prozent der Befragten auf beiden Seiten ist zudem das Management von Änderungsanfragen problematisch. Während der Abnahme beklagen Hersteller vor allem Mängel in der Dokumentation. Die After-Sales-Phase ist wiederum für die befragten Eisenbahnunternehmen problematisch: Sie kritisieren Abweichungen von vereinbarten Service-Leveln und unklare Make-or-Buy-Richtlinien.

Dabei kann die Digitalisierung eine bessere Zusammenarbeit ermöglichen. Hierzu Donald Wachs, Partner bei BearingPoint: „Digitale Technologien können das integrierte Projekt-management zwischen allen Beteiligten auch in komplexen Projektlandschaften unter-stützen. Dies ermöglicht ein gemeinsames Konstruieren und Testen sowie das Teilen von Aufgaben zwischen den beteiligten Partnern. Mit visuellem Management können zudem auch Lean-Prinzipien in multinationalen und Lieferanten-Teams geteilt werden.“

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